Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die tödlichste Krise unserer Zeit: RUB-Studie über die Gesundheitsversorgung im Ost-Kongo

21.12.2005


RUB-Forscher: Zwischen Nachhaltigkeit und Zugangsbeschränkung



Nicht die vor einem Jahr vom Tsunami verwüsteten Regionen Süd-Ost-Asiens und auch nicht das von Krieg und Erdbeben erschütterte Afghanistan sind die größten Krisenherde der Erde - es ist die Region Ost-Kongo: "Wir schätzen, dass in den vergangenen sieben Jahren mehr als vier Millionen Kongolesen gestorben sind", sagt Juniorprofessor Dr. Dennis Dijkzeul, Bochumer Experte für Humanitäre Hilfe (Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der RUB, IFHV). "Damit ist diese Krise die tödlichste unserer Zeit." Als Mitherausgeber hat Dijkzeul die Arbeit von vier Hilfsorganisationen vor Ort untersucht: Die Studie über die problematische Basisgesundheitsversorgung ist nun im weltweit renommierten Verlag "The National Academic Press" (Washington, D.C.) erschienen.



Hilfe und Rat aus Bochum

Herausgeber der aktuellen Studie "Supporting Local Health Care in a chronic Crisis" sind die National Academies - eine unabhängige Vereinigung, die der amerikanischen Regierung mit objektivem Rat zur Seite steht. Dieses Mal haben sich die National Academies an die Ruhr-Universität Bochum gewandt: Der Bochumer Forscher Dennis Dijkzeul und Caroline Lynch (London School of Hygiene and Tropical Medicine) untersuchten im Osten der Demokratischen Republik Kongo die Arbeit von vier Hilfsorganisationen - International Rescue Commitee (IRC), USA, Malteser International, Deutschland, Medical Emergency Relief International (Merlin), Großbritannien, sowie die lokale "Association Règionale d’Approvisionnement en Medicaments Essentiels" (ASRAMES).

Ist-Situation im Kongo

Kennzeichen der seit Jahren anhaltenden Krise im Kongo sind unter anderem Gewalt, Massenvertreibungen, Plünderungen, Einmischung von Nachbarstaaten und nicht zuletzt die Ausbeutung von Rohstoffen. Das Fazit der Autoren: Die Bevölkerung im Kongo ist nach wie vor auf internationale Unterstützung angewiesen. Der Staat vernachlässigt seit den 80er-Jahren das nationale Gesundheitssystem. Die Menschen müssen alle Kosten der Gesundheitsversorgung selbst übernehmen - sie sind jedoch so arm, dass sie sich das nicht oder kaum leisten können.

Internationale Pionierstudie

Mit ihrer Studie erarbeiten Dijkzeul und Lynch nun erstmals Empfehlungen, wie sich Zugangsmöglichkeiten zur Gesundheitsversorgung in einer chronischen Krise wie im Kongo langfristig und nachhaltig verbessern lassen. Gleichzeitig zielen die Untersuchungsergebnisse darauf ab, das Leistungsvermögen und die Qualität der lokalen Gesundheitssysteme zu erhöhen. Dazu haben die Wissenschaftler quantitative und qualitative Daten über die Bevölkerung ausgewertet; sie haben die Strategien zur Kostendeckung der Hilfsorganisationen und ihre Zusammenarbeit untereinander untersucht. Für den Staat Kongo leiten sie daraus eine "Hilfe zur Selbsthilfe" ab. "Es gibt bisher kein vergleichbares Datenmaterial und erst recht keine Standardlösungen für dieses Problem", so Dr. Dennis Dijkzeul. Die Studie zeigt außerdem, in welchen Bereichen weitere internationale Forschungsarbeiten dringend benötigt werden.

Über die Autoren

Dr. Dennis Dijkzeul arbeitet seit Oktober 2002 als Juniorprofessor am Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Volkerrecht (IFHV) an der Ruhr-Universität Bochum. Zuvor war der niederländische Ökonom Direktor des "Program for Humanitarian Affairs" an der Columbia Universität in New York. Dennis Dijkzeul hat in Rotterdam seine Doktorarbeit über UN-Management verfasst und als Berater internationaler Organisationen in Afrika, Mittelamerika, Europa und den USA gearbeitet. Er hat das aktuelle Buch zusammen mit Caroline Lynch, einer Doktorantin von der London School of Hygiene und Tropical Medicine geschrieben. Beide Autoren haben längere Zeit für humanitäre Organisationen im Ost-Kongo gearbeitet. Dennis Dijkzeul ist auch Autor der Bücher "Rethinking International Organizations: Pathologies and Promises" (Berghan Books, New York and Oxford, 2003) und "Between Force and Mercy: Military Action and Humanitarian Aid" (Berliner Wissenschaftsverlag, 2004).

Titelaufnahme

Dijkzeul, D. and Lynch, C. (2005): "Supporting Local Health Care in a Chronic Crisis: Management and Financing Approaches in Eastern Democratic Republic of the Congo." National Research Council of the National Academies, Roundtable on the Demography of Forced Migration, Committee on Population, Division of Behavioural and Social Science and Education, and Program on Forced Migration and Health at the Joseph L. Mailman School of Public Health at Columbia University, Washington DC: The National Academics Press, xii + 91 pp.

Weitere Informationen

Dr. Dennis Dijkzeul, Institut für Friedensicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der RUB, Tel. 0234/32-27932, E-Mail: dennis.dijkzeul@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Gesundheitsversorgung Health Humanitär Ost-Kongo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau