Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herdenverhalten auf Finanzmärkten - Gibt’s das

20.12.2005


Eine Studie, die in der Dezember-Ausgabe des renommierten American Economic Review veröffentlicht wurde, ging dieser Frage nun mit Hilfe eines ökonomischen Experiments auf den Grund und fand keinerlei Hinweise auf Herdenverhalten - In Zusammenarbeit mit McKinsey&Company führte Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg mit seinen Koautoren über das Internet ein Finanzmarktspiel durch.


Kaum eine Erklärung für Turbulenzen auf Finanzmärkten kommt ohne einen Verweis auf das ausgeprägte Herdenverhalten von Anlegern aus. Gewissermaßen wie Lemminge sollen sich demnach Investoren verhalten und damit Kurse auf Aktienmärkten in übertriebene Höhen (und Tiefen) stürzen - so jedenfalls ein populäres Erklärungsmuster. Aber ist dem tatsächlich so?

Überraschenderweise ist es gar nicht so einfach, Herdenverhalten auf Finanzmärkten einwandfrei nachzuweisen. Schließlich könnte es sein, dass einfach günstige Informationen über eine bestimmte Aktie bekannt geworden sind, und sich deshalb jeder Anleger für sich - unabhängig vom Verhalten anderer Investoren - zum Kauf entschlossen hat. Da man auf echten Finanzmärkten den Kenntnisstand einzelner Akteure nicht weiß, lässt sich diese alternative Erklärung nur schwer ausschließen.


Eine Studie, die in der Dezember-Ausgabe des renommierten American Economic Review veröffentlicht wurde, ging dieser Frage nun mit Hilfe eines ökonomischen Experiments unter kontrollierten Bedingungen auf den Grund und fand keinerlei Hinweise auf Herdenverhalten. In Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey&Company hat Prof. Dr. Jörg Oechssler von der Universität Heidelberg mit seinen Koautoren Dr. Mathias Drehmann (Bank of England) und Dr. Andreas Roider (Universität Bonn) über das Internet ein Finanzmarktspiel durchgeführt, bei dem die über 6000 Teilnehmer verschiedene Wertpapiere handeln konnten. Preise im Wert von über 11.000 Euro sorgten dafür, dass die Teilnehmer sich ernsthaft Gedanken machten.

Im Gegensatz zur populären Meinung folgten die Akteure auf diesem fiktiven Finanzmarkt nun keineswegs blindlings dem Verhalten früherer Investoren - ganz im Gegenteil. In der Regel ließen sich die Teilnehmer bei ihrer Anlageentscheidung primär von ihren eigenen Informationen leiten. Viele Teilnehmer entschieden sich sogar bewusst dazu, einen bestehenden Trend zu brechen und trugen dadurch zur Stabilisierung der Kurse bei. Derartiges Verhalten kann in der Tat durchaus vernünftig sein, wenn man glaubt, dass der derzeitige Kurs auf Übertreibungen beruht und teilweise durch irrationales Verhalten früherer Investoren zustande gekommen ist.

Interessanterweise schien darüber hinaus das Vertrauen in die Rationalität der anderen Investoren bei verschiedenen Teilnehmergruppen unterschiedlich stark ausgeprägt zu sein. Während Teilnehmer, die Physik studiert hatten, stärker auf die kühle Rationalität der anderen Marktteilnehmer zu setzen schienen, waren die Psychologen unter den Teilnehmern davon weniger überzeugt. Und tatsächlich brachte ihnen ihr Gespür für möglicherweise irrationales Verhalten anderer Investoren höhere Gewinne ein.

Kontakt:

Prof. Dr. Jörg Oechssler
Alfred-Weber-Institut, Universität Heidelberg
Tel. 06221 543548
oechssler@uni-hd.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de
http://www.awi.uni-heidelberg.de/with2/

Weitere Berichte zu: Finanzmarkt Herdenverhalten Rationalität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie

SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik

25.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

25.07.2017 | Physik Astronomie