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Privatpatienten zufriedener mit Versorgung

15.12.2005


Kassenpatienten blicken skeptischer in die Zukunft



80 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass nicht jeder Bürger den gleichen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung hat. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung. Bestätigt wird diese Meinung durch die Angaben der Befragten zu ihrer eigenen Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung: 56 Prozent der privat Versicherten sind "sehr zufrieden" oder "zufrieden", aber nur 35 Prozent der Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung. Privatpatienten sind außerdem selte­ner der Meinung, dass die Qualität der medizinischen Behandlung erhöht werden müsste (46 Prozent im Vergleich zu 55 Prozent der Kassenpatienten). Auch über ihren Hausarzt äußern sich Privatpatienten positiver. So werden ihnen nach eigenen Angaben seltener Medikamente verweigert (1,4 im Vergleich zu 8 Prozent) und häufiger alternative Heilmethoden "auf Kran­kenschein" verordnet (26 im Vergleich zu 8 Prozent).



Gesetzlich Krankenversicherte geben hingegen häufiger an, dass die Krankenversicherungs­beiträge zu hoch sind (76 im Vergleich zu 67 Prozent) und dass sie zu viele Zuzahlungen für Medikamente und medizinische Leistungen aufbringen müssen (82 zu 64 Prozent). Sie bli­cken auch skeptischer in die Zukunft: 65 Prozent der GKV-Mitglieder befürchten, dass sie im Alter nicht ausreichend medizinisch versorgt sein werden; 81 Prozent rechnen damit, dass Wartezeiten auf bestimmte Therapien oder Operationen zunehmen, und fast 90 Prozent ver­muten, dass ihre Krankenkasse künftig nicht mehr alle für sie wichtigen Leistungen über­nimmt.

Aus Sicht der Bertelsmann Stiftung ist die unterschiedliche Einschätzung des Gesundheitswe­sens auch auf die ungleiche Versorgung zurückzuführen, wie Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung verdeutlichte. "Gesetzlich Versicherte müssen im Ver­gleich zu Privatpatienten oft längere Wartezeiten, einen geringeren Leistungsumfang und schlechteren Service in Kauf nehmen. Die Anreize dafür liegen in der unterschiedlichen Vergütung ärztlicher Leistungen bei Privat- und Kassenpatienten. Das Vorhaben der neuen Bundesregierung, das ärztliche Vergütungssystem neu zu ordnen, weist in die richtige Rich­tung." Zum Beispiel könne die beabsichtigte Ergänzung der heutigen Einzelleistungsvergü­tung um Pauschalhonorare dazu beitragen, die Nachteile des gegenwärtigen Systems (Anreize zur Leistungsausweitung) zu reduzieren. Da ausgewählte Leistungen auch weiterhin geson­dert vergütet werden können, würden die bei reinen Pauschalsystemen befürchteten Qualitäts­ein­bußen vermieden. Auch eine höhere Transparenz über die Vergütung sei sinnvoll, damit Ärzte schon im Voraus wissen, was die von ihnen erbrachte Leistung wert ist.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt repräsentativ zweimal jährlich die Bevölkerung und einmal im Jahr Ärzte zu aktuellen Themen des deutschen Gesundheitswe­sens. Bislang wurden rund 12.000 Versicherte und 2.000 Ärzte befragt.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-81 462, E-Mail: jan.boecken@bertelsmann.de

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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