Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie "Innovationen im Zeitungsmarkt"

15.12.2005


Deutsche Verlage liegen nicht im internationalen Trend


Die Geschäftsführer und Verleger der deutschen Zeitungsverlage halten viele Maßnahmen zur Zukunftssicherung des Mediums Zeitung für notwendig; aber sie setzen nur wenige davon um. Besonders skeptisch sind die Verlage bei zwei Trends, die international die Branche bestimmen: Die Etablierung von Gratiszeitungen und die Umstellung auf kleinere Zeitungsformate.

"Nimmt man diese Trends als Maßstab für erfolgsversprechende Innovationsmöglichkeiten, muss man feststellen, dass sich der deutsche Zeitungsmarkt nicht im Trend befindet". So lautet das Fazit der Studie "Innovationen im Zeitungsmarkt - wo stehen die deutschen Zeitungsverlage im internationalen Vergleich?", die von der Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Begleitforschung (GESO GmbH) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andrea Beyer von der Fachhochschule Mainz erstellt wurde.


Seit dem Boomjahr 2000 befindet sich der deutsche Zeitungsmarkt in einer latenten Krise. Auch nach dem für das Jahr 2004 ausgewiesenen Zuwachs von einem Prozent bei den Netto-Werbeeinnahmen kann man allenfalls von einer Stabilisierung sprechen. Parallel zu der Entwicklung im Anzeigenmarkt gehen die Auflagen der deutschen Zeitungen kontinuierlich zurück.

Im Vergleich zum deutschen Zeitungsmarkt sind international gegenläufige Entwicklungen zu beobachten: Der Weltverband der Zeitungen (WAN)bezeichnet das Jahr 2004 als "das beste Anzeigengeschäft seit vier Jahren" - mit einer umsatzbezogenen Steigerung von 5,3 Prozent. Auch die Auflagen sind 2004 weltweit um 2,1 Prozent gestiegen - über die letzten fünf Jahre betrachtet sind es sogar 4,8 Prozent.

Die meisten deutschen Zeitungsverlage konzentrierten sich in der Vergangenheit vor allem auf Maßnahmen zur Kostenbegrenzung und -einsparung, um so der Krise zu begegnen. Neben dieser - inzwischen weitgehend abgeschlossenen - innerbetrieblichen Re-Organisa-tion sind jetzt vermehrt auf den Markt ausgerichtete Initiativen zu beobachten. Das Spektrum hierfür ist breit gefächert.

Der erste Teil der Studie konzentriert sich auf den deutschen Zeitungsmarkt. Folgende Fragestellungen wurden untersucht:

- Wichtige Einflussfaktoren für die bisherige und zukünftige Entwicklung auf dem Zeitungsmarkt

- Entwicklung auf dem Zeitungsmarkt in den nächsten zwei bis drei Jahren

- Beurteilungen und Erfahrungen der verschiedenen Innovationsmöglichkeiten von Zeitungsverlagen

- Einschätzung und Beurteilung der werbungtreibenden Wirtschaft bezüglich Entwicklung und Innovationstätigkeit auf dem Tageszeitungsmarkt

Um diese Fragenkomplexe zu beantworten, führte die GESO GmbH in Zusammenarbeit mit dem IFAK-Institut in Taunusstein eine Onlinebefragung unter Geschäftsführern und Verlegern deutscher Zeitungsverlage zur Situation auf dem deutschen Zeitungsmarkt durch. Weitgehend parallel dazu wurden Geschäftsführer der Mediaagenturen sowie Marketing- und Werbeleiter der wichtigsten Anzeigenkunden von Zeitungsverlagen befragt.

Die Befragung fand online im Internet statt. Sie wurde für die Verlage in der Zeit vom 6. Oktober bis zum 4. November 2005, für die Mediaagenturen und Kunden im Zeitraum vom 19. Oktober bis zum 11. November durchgeführt. Die Antworten repräsentieren einen breiten Querschnitt der Verlage nach Auflagengrößenklassen und Verbreitung sowie der Kunden und Agenturen.

Das veränderte Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung und die sinkenden Auflagen bleiben nach Auffassung der Verlage auch in den nächsten drei Jahren ein Problem. Der Trend zur Gratisinformation und die demografische Entwicklung wird den Zeitungsmarkt noch stärker als in der Vergangenheit beeinflussen.

Während die Verlage die neuen Zeitungskonzepte eher skeptisch einschätzen, stehen sie neuen Produkten wie zum Beispiel den Postzustelldiensten positiv gegenüber. Für diese neuen Geschäftsfelder und Erlösquellen sehen sich die Verlage durch ihr Vertriebssystem und ihre Distributionserfahrung gut gerüstet.

Nach Auffassung der Mediaagenturen und der wichtigsten Anzeigenkunden der Zeitungen zählt die Glaubwürdigkeit der Zeitungen zu den eindeutigen Stärken.

Als Schwäche der Zeitungen werden die Auflagenrückgänge und die damit verbundenen Reichweitenverluste gesehen.

Insgesamt beurteilen die Kunden und Agenturen die Innovationsfähigkeit der deutschen Tageszeitungsverlage auf dem Lesermarkt eher skeptisch (Durchschnitt 3,7 auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6). Die Innovationsfähigkeit auf dem Werbemarkt wird mit 3,5 nur geringfügig besser eingeschätzt. Hier werden vor allem "neue preispolitische Konzepte" (87 Prozent aller Befragten), "neue Werbeformen" (61 Prozent) und "bessere Serviceangebote" (57 Prozent) gefordert.

Für die zukünftige Entwicklung des Mediums Zeitung halten Kunden und Agenturen "ein stärker regionalisiertes Angebot für die Leser" (91 Prozent), neue Produkte wie zum Beispiel Sonntagszeitungen, Tabloid-Formate und Gratiszeitungen (83 Prozent) und "Internetaktivitäten zur Stärkung des Kernprodukts" (78 Prozent) für notwendig.

Im zweiten Teil der Studie werden die internationalen Trends in der Zeitungsbranche mit zahlreichen Beispielen dokumentiert und mit der Situation der deutschen Verlage verglichen.

Der Berichtsband der Studie "Innovationen im Zeitungsmarkt - wo stehen die deutschen Zeitungsverlage im internationalen Vergleich?" kann gegen eine Schutzgebühr in Höhe von Euro 490,- - für ZMG-Verlage, Universitäten und Fachhochschulen gelten Sonderkonditionen - bei den unterstehenden Adressen bezogen werden.

Kontakt:

Dr. Hans-Dieter Gärtner
GESO GmbH
Rheinstr. 1
55294 Bodenheim
Tel.: 06135-705162
E-Mail: hdgaertner@geso-pr.de

Prof. Dr. Andrea Beyer
Fachhochschule Mainz
An der Bruchspitze 50
55122 Mainz
Tel.: 06136-959790
E-Mail:a.beyer@wiwi.fhmainz.de

Bettina Augustin M. A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-mainz.de/

Weitere Berichte zu: Mediaagentur Zeitungsmarkt Zeitungsverlag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise