Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Studie zu Prominentenstalking erschienen

15.12.2005


Kriminalpsychologe an der TU Darmstadt befragt und berät Stars


Die Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt hat die erste wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Prominentenstalking in Deutschland vorgelegt. Hierfür hat der Kriminalpsychologe Dr. Jens Hoffmann mehr als 150 Briefe von Personen ausgewertet, die obsessiv auf eine Person des öffentlichen Lebens fixiert sind. Ferner befragte Hoffmann anonym 53 bundesweit bekannte Prominente.

Dabei gaben 79 Prozent der Prominenten an, bereits Opfer von Stalking gewesen zu sein, knapp zwei Drittel von ihnen sogar schon mehr als einmal. "Die Rate der Viktimisierung durch Stalking ist etwa acht mal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt", konstatiert Jens Hoffmann. So fuhren manche Stalker ihren prominenten Opfern Hunderte von Kilometern hinterher, belagerten ihre Wohnung, übermittelten Selbstmorddrohungen, sadistische Fantasien oder gewalttätige Racheschwüre oder kündigten an, sie würden den Star mit Waffengewalt holen, um mit ihm zusammen zu leben. Die durchschnittliche Dauer des schlimmsten Stalkingvorfalls betrug dabei über zwei Jahre, häufige Verhaltensweisen waren etwa versuchter Telefonkontakt (78%) und persönliche Annäherungen (43%).


Zwei von drei betroffenen Prominenten fühlten sich durch das Stalking emotional angegriffen, dies reichte von leichter Beunruhigung bis hin zu Angst um die eigene Sicherheit und um die von nahe stehenden Menschen. Als Folge dieser Erfahrungen ergriffen die meisten der Prominenten Schutzmaßnahmen, engagierten in seltenen Fällen sogar Sicherheitsdienste, mieden bestimmte Orte oder wechselten in zwei Fällen sogar ihren Wohnort. Interessanterweise hatte weder das Alter noch das Geschlecht der bekannten Persönlichkeiten Einfluss darauf, ob sie eher zum Ziel von Stalkern wurden. Entscheidend war vielmehr, wie häufig die Prominenten in Talkshows auftraten oder ob über sie viele Berichte in der Presse zu finden sind. "Stars, die in der Öffentlichkeit oft ihr privates Gesicht zeigen, sind eindeutig stärker gefährdet, denn Stalker können dann mit ihrer Fantasie einer gemeinsamen Beziehung leichter psychologisch "andocken.", lautet das Resümee von Hoffmann, der auch Prominente im Umgang mit Stalking berät und zu diesem Zweck mit Sicherheitsexperten ein eigenes Anti-Stalking-Netzwerk gegründet hat.

Einige Prominente versuchten durch ein direktes Gespräch, den Stalker zu einer Beendigung seiner obsessiven Kontaktversuche zu bewegen. "Diese Strategie führt jedoch häufig zum Gegenteil und heizt das Stalking zusätzlich an", urteilt Hoffmann. Als bessere Alternative erwies sich dabei das Ignorieren des Stalkers, welches von 58% der Prominenten als eindeutig erfolgreiche Maßnahme bewertet wurde.

Die Stalkingstudie in Buchform: Jens Hoffmann: "Stalking", Springer, Heidelberg
Kontakt: jens.hoffmann@t-p-s.org

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/
http://www.anti-stalking-netzwerk.de
http://www.t-p-s.org

Weitere Berichte zu: Prominent Prominentenstalking Stalker Stalking

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics