Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risikoprofil bei Nerventumoren besser einschätzen

27.10.2005


Studienergebnisse in renommierter Zeitschrift "JAMA" publiziert



Die Deutsche Krebshilfe fördert derzeit mit rund 820.000 Euro ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Freiburg, das die Versorgung von Patienten mit Paragangliomen verbessern soll. Paragangliome sind Tumoren des vegetativen Nervensystems und der Nebennieren und können in verschiedenen Regionen des Körpers auftreten. Die Freiburger Forschergruppe um Professor Dr. Hartmut Neumann hat jetzt erste Ergebnisse dieser Studie in der renommierten Zeitschrift JAMA* publiziert. "Unsere Erkenntnisse erlauben detaillierte Risikoeinschätzungen für die Patienten und stellen die Basis für individuell angepasste Vorsorge-Untersuchungen dar", erklärt der Projektleiter.



Paraganglien sind Ansammlungen von Nervenzellen mit wichtigen Steuerungsfunktionen. Sie gehören zum vegetativen Nervensystem, das eine Vielzahl von Aufgaben hat. Dazu zählen die Regulierung des Blutdrucks und der Atmung sowie die Steuerung der Verdauung und des Sauerstoff- und Energiestoffwechsels. Tumoren der Paraganglien werden als Paragangliome bezeichnet. Da Paraganglien in fast allen Körperregionen vorkommen, treten auch die Tumoren an den unterschiedlichsten Stellen im Körper auf, wie im Bauch- und Brustraum sowie im Bereich von Schädelbasis und Hals. Außerdem können Paragangliome als so genannte Phäochromozytome in den Nebennieren vorkommen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 450 Menschen neu an einem Paragangliom.

Die Forschergruppe um Professor Neumann hat jetzt 121 Betroffene mit Paragangliomen im Hals- und Schädelbasisbereich erfasst und die genetischen Ursachen der Tumor-Entstehung genauer untersucht. An der Bildung von Paragangliomen sind Veränderungen verschiedener Gene beteiligt. "Je nachdem welche Gene mutiert sind, gibt es Unterschiede in der Lokalisation, der Zahl und der Bösartigkeit der Tumoren", erläutert Professor Neumann. Im Rahmen der Studie hat er entdeckt, dass Mutationen in dem so genannten SDHC-Gen ausschließlich zu Paragangliomen im Hals- und Schädelbasisbereich führen. "Diese Tumoren sind zwar nicht bösartig. Da sie aber in der Nähe großer Blutgefäße und in der Schädelbasis an der Durchtrittsstelle zum Gehirn liegen, kommt es häufig zu schweren Schäden des Nervensystems und zu neurologischen Ausfällen", so der Arzt.

Das Ziel des Forscherteams ist es nun, das genetische Risikoprofil bei Betroffenen eindeutiger zu bestimmen: Zum einen, um den Tumor möglichst frühzeitig zu entdecken und dem Patienten konkrete Vorsorgemaßnahmen anbieten zu können. Zum anderen, um die Diagnose und die Therapie zu optimieren sowie die Nachsorge zu verbessern. Bei einem Teil der Patienten wird die genetische Veränderung weiter vererbt. Mit einer Mutations-Analyse kann daher auch festgestellt werden, ob Verwandte des Betroffenen Träger des Gen-Defekts sind und daher regelmäßig untersucht werden müssten. Die Ergebnisse der Studie stützen sich auf ein großes internationales Register der europäisch-amerikanischen Paraganglioma-Studien-Gruppe.

Projektnummer: 106024
* JAMA, October 26, 2005, Vol. 294, No. 16 page 2057-2063
Predictors and Prevalence of Paraganglioma Syndrome Associated With Mutations of the SDHC Gene

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Nervensystem Paragangliom Risikoprofil Schädelbasisbereich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Carmenes“ findet ersten Planeten

18.12.2017 | Physik Astronomie

Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

18.12.2017 | Physik Astronomie

Konsortium erhält 2 Millionen Euro Förderung für neue MR-kompatible elektrophysiologis

18.12.2017 | Medizintechnik