Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ebola bedroht Menschenaffen in Afrika

25.10.2005


Leipziger Max-Planck-Forscher haben herausgefunden, dass der Ebola-Zaire-Virus sich wie eine Welle durch ganz Zentralafrika ausbreitet

... mehr zu:
»Ebola »Kongo »Menschenaffe »Virus

Weil es starke innere Blutungen verursacht, hat das hämorrhagische Ebola-Fieber mittlerweile Ikonenstatus als eine besonders üble Krankheit erlangt. Das Mysterium Ebola vergrößerte sich noch dadurch, dass die Krankheit oft Jahre oder gar Jahrzehnte lang schläft und dann plötzlich an scheinbar beliebigen Orten ausbricht. Eine neue Studie von Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der US-amerikanischen Emory University in der Fachzeitschrift PLoS Biology (November 2005) zeigt, dass die Ausbrüche, die durch den äußerst ansteckenden Zaire-Ebola-Stamm ausgelöst wurden, keineswegs beliebig sind. Sie sind Teil einer einzigen Infektionswelle, die sich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte schrittweise in Zentralafrika ausgebreitet hat. Die neuen Erkenntnisse werfen nun ein neues, optimistischeres Licht auf eine mögliche Kontrolle der Auswirkungen des Ebola-Virus auf den Menschen und die massiv vom Aussterben bedrohten Gorillas und Schimpansen.

In der neuen Studie werden genetische Daten des Virus ausgewertet. Die Ausbreitung des Zaire-Ebola-Stammes, der in Zentralafrika seinen Ursprung hat und sich über das letzte Jahrzehnt hinweg zunehmend verbreitete, wird grafisch dargestellt. Ebola-Zaire tötete nicht nur rund 80 Prozent der menschlichen Patienten, sondern auch zehntausende westliche Flachlandgorillas und Schimpansen und ist damit zu einer Hauptbedrohung für das Überleben der Menschenaffen in Afrika geworden.


Die Aussichten, die Auswirkungen von Ebola kontrollieren zu können, galten bisher als recht trübe. Man nahm an, dass Ebola-Zaire über einen langen Zeitraum hinweg in einem riesigen Streifen des zentralafrikanischen Waldes ruhte und dann durch bestimmte, uns nicht bekannte Umweltfaktoren ausgelöst wurde. Die neue Studie zeigt nun, dass Ebola-Zaire-Ausbrüche nicht von Virenstämmen verursacht wurden, die seit langer Zeit vor Ort geruht hatten, sondern auf einen einzigen Virenstamm zurückzuführen sind, der in den frühen 1970er-Jahren im Norden der Demokratischen Republik Kongo (DRK) die Runde machte.

Die genetischen Analysen zeigten auch, auf welchem Weg sich Ebola in der Region verbreitet hat. Zunächst bewegte es sich in westlicher Richtung nach Zentralgabun, dann drehte es in östliche Richtung ab, in die Republik Kongo. Dieses Ausbruchs- und Verbreitungsmuster ist in der genetischen Struktur des Virus reflektiert, denn die Viren eines jeden Ausbruchs stammten von denen eines unmittelbar vorher stattgefundenen Ausbruchs ab. Dasselbe Verbreitungsmuster ist auch im zeitlichen Ablauf der Ausbrüche wieder zu finden. Neue Ausbrüche traten weiter entlang des Infektionskorridors auf, der seinen Ursprung in der Demokratischen Republik Kongo hatte. Die Verbreitungsrate entlang dieses Korridors war mit jährlich etwa 50 Kilometer ebenfalls äußerst konsistent.

Diese Stetigkeit bei der Verbreitung von Ebola hebt die Hoffnung auf eine mögliche Ebola-Kontrolle, weil Kontrollmaßnahmen wie zum Beispiel Impfungen unmittelbar vor einer ansteigenden Ebola-Infektionswelle gezielt eingesetzt werden können. In zwei experimentellen Impfungen wurden Affen bereits erfolgreich vor einer Infektion mit Ebola geschützt. "Einen Impfstoff so anzupassen, dass wir ihn für frei lebende Menschenaffen verwenden können, ist höchste Priorität, um diese Arten zu erhalten", sagt der Max-Planck-Forscher und Hauptautor der Studie, Peter Walsh. "Ebola hat gerade die zwei größten Gorilla-Populationen der Welt vernichtet und einige kleinere dazu. Mit der aktuellen Verbreitungsrate könnte Ebola innerhalb der nächsten fünf Jahre die meisten der noch verbliebenen größeren Populationen treffen. Wir suchen daher verzweifelt nach Mitteln, um ein Impfprogramm zum Schutz dieser Menschenaffen vor Ebola aufzuziehen."

Ein Impfprogramm für Menschenaffen könnte auch für die Menschen selbst von Vorteil sein, da viele der Krankheitsausbrüche in der Region auf den Kontakt von Menschen mit den infizierten Kadavern von Menschenaffen zurückgeführt werden konnten.

P. D. Walsh | bionity
Weitere Informationen:
http://www.bionity.com

Weitere Berichte zu: Ebola Kongo Menschenaffe Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops