Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychopharmaka gegen Schizophrenie

05.10.2005


Ergebnisse der FAME I-Studie: Psychopharmaka gegen Schizophrenie - welche Medikamente bevorzugt der Patient?


Das Universitätsklinikum des Saarlandes präsentiert erste Ergebnisse der FAME I-Studie, die in Kooperation mit 300 an Schizophrenie erkrankten Patienten aus insgesamt neun Kliniken und Krankenhäusern der Region durchgeführt wurde.

Teilnehmende Krankenhäuser waren die Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Homburg unter Leitung von Professor Dr. Peter Falkai, die SHG Kliniken Saarbrücken, Merzig, Völklingen und Trier, das Marienhospital St. Wendel, die Klinik für Nerven- und psychosomatische Erkrankungen in Gleisweiler, das Städtische Krankenhaus Pirmasens und das St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen.


Die FAME I-Studie (FAME: Favoured Medication, bevorzugte Medikation) wurde mit freundlicher Unterstützung der BMW-Group Saarbrücken Neunkirchen durchgeführt, die kostenlos für die Dauer eines Jahres ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt hat, mit dem die Mediziner die einzelnen Kliniken anfahren konnten.

In der Bundesrepublik Deutschland und den westeuropäischen Ländern sind etwa 1% der Bevölkerung an Schizophrenie erkrankt. Die Erkrankung beginnt häufig im frühen Erwachsenenalter und ist gekennzeichnet durch einen Rückzug von Familie und Freunden, Verlust des Realitätsbezugs, Auftreten von Wahn oder Halluzinationen und der Unfähigkeit, sich konzentrieren und Schule oder Arbeit bewältigen zu können. Häufig treten auch Störungen im Denken und Angstzustände auf. Die Krankheit verläuft oft in Phasen und führt dazu, dass die Erkrankten häufig sehr verunsichert sind und sich wenig zutrauen.

Psychopharmaka (z.B. Neuroleptika) spielen eine wichtige Rolle in der Therapie. Sie lindern die Symptome, können die Gespanntheit vermindern und den Patienten befähigen, wieder über seine Krankheit hinaus mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Die kontinuierliche Einnahme von Antipsychotika ist der entscheidende Faktor zur Verhinderung von Rückfällen und zur Rehabilitation bei Patienten mit Schizophrenien.

Geringes Vertrauen in den Arzt oder die Art der Therapie, Uneinsichtigkeit, was die Schwere der Krankheit betrifft, Angst vor Nebenwirkungen oder auch einfach vor dem Stigma "verrückt" zu sein, bewegen manche Patienten jedoch dazu, ihre Medikamente nicht oder nicht wie verordnet einzunehmen. Dann sind Rückfälle vorprogrammiert - der Teufelskreis, die so genannte "Drehtür-Psychiatrie", beginnt. Es stellt sich eine für alle Beteiligten unbefriedigende Situation ein.

Obwohl Forscher zahlreiche äußere Einflussfaktoren auf dieses Verhalten erarbeitet haben, wurden bislang kaum persönliche Einstellungen der Patienten gegenüber spezifischen Substanzen und Darreichungsformen sowie die Bedeutung des therapeutischen Bündnisses zum behandelnden Arzt aus ihrer Sicht untersucht.

Im Rahmen einer Studie an neun psychiatrischen Kliniken im Saarland und angrenzenden Regionen wurden nun 300 Patienten - 174 Männer und 126 Frauen - mit Schizophrenien kurz vor ihrer Entlassung zu ihrer Einstellung zu medikamentösen Therapien befragt. Beim Ausbruch der Ersterkrankung waren sie im Schnitt 29 Jahre alt, und seit ihrer ersten Behandlung mit Antipsychotika sind durchschnittlich knapp neun Jahre vergangen. Die Patienten füllten einen Fragebogen aus, der u.a. auch die Beurteilung des wichtigen therapeutischen Bündnisses zwischen Arzt und Patient enthielt. Parallel beschrieben die behandelnden Ärzte ihrerseits den Krankheitsverlauf und das therapeutische Bündnis.

Ergebnis: 84% sahen derzeit die Notwendigkeit einer pharmakologischen Behandlung, 75% auch die Notwendigkeit über mindestens ein Jahr hinweg. Für die Langzeittherapie zogen die meisten Patienten Tabletten vor (67%), ein Depot war für 24%, ein chirurgisch implantiertes Abgabesystem für 9% die Therapie der Wahl.

"Ein großer Anteil der Patienten stimmte einer längerfristigen kontinuierlichen medikamentösen Therapie zu", fasst Privatdozent Dr. Frank-Gerald Pajonk, Geschäftsführender Oberarzt der Klink für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, zusammen. "Die Einstellung zur Medikation hängt jedoch maßgeblich von der Einsicht in die Erkrankung und dem therapeutischen Bündnis ab und von den Erfahrungen mit den verordneten Medikamenten selbst. Wirksame psychoedukative Maßnahmen und ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient sind wesentliche Voraussetzungen für eine dauerhafte und verlässliche Einnahme der Medikamente, daran müssen wir weiterhin arbeiten."

Die Untersuchung wird als FAME II-Studie fortgeführt werden. Die Mediziner hoffen, Aufschluss über die Rückfallhäufigkeit bzw. die stationäre Behandlungsnotwendigkeit in Abhängigkeit vom Vertrauensverhältnis und dem therapeutischem Bündnis zu erhalten.

Kontakt für Rückfragen:

Priv. Doz. Dr. med. Frank-Gerald B. Pajonk
Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg,
Tel.:(06841) 16-24205,
Fax: (06841) 16-24270,
E-Mail: frank.pajonk@uniklinikum-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de

Weitere Berichte zu: FAME I-Studie Medikament Psychiatrie Psychopharmaka Psychotherapie Schizophrenie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik