Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Familienpackungen und Großpackungen teilweise bis zu 200 Prozent teurer

23.09.2005


Süßigkeiten sind am häufigsten zu teuer


Preisaufschläge bei Groß- und Familienpackungen sind auf dem Lebensmittelmarkt häufiger, als es dem Verbraucher recht sein kann! Zu diesem Schluss kommt eine soeben abgeschlossene Studie des Fachgebiets Agrarmärkte und Agrarmarketing der Universität Hohenheim. Betreut wurde die Studie von Dr. Eckhard Benner. Die Studie untersuchte das Vorkommen von Preisaufschlägen auf dem deutschen und dem französischen Lebensmittelmarkt.

Verbraucher und Verbraucherinnen gehen in der Regel davon aus, dass sie beim Kauf von Groß- bzw. Familienpackungen einen Mengenrabatt bezogen auf den Grundpreis (Preis pro Mengeneinheit) erhalten. Diese Regel trifft auch bei der Mehrzahl der am Markt angebotenen Waren zu. Allerdings zeigten Studien aus USA, Großbritannien, Kanada und Griechenland bereits, dass die Erwartung auf einen Preisnachlass nicht immer gerechtfertigt ist, sondern Grundpreisaufschläge von bis zu 100 % vorkommen. Für den deutschen Markt fehlte bisher eine wissenschaftliche Untersuchung dieses Verbraucherthemas. Diese liegt nun mit der Hohenheimer Studie vor.


Die Hohenheimer Studie untersuchte die Preisauszeichnung in Deutschland und Frankreich. Insgesamt gingen 19 deutsche und acht französische Einkaufstätten des Lebensmitteleinzelhandels unterschiedlicher Handelsketten in die Untersuchung ein. Grundpreisaufschläge wurden in 15 der deutschen und sechs der französischen Einkaufstätten beobachtet. In den untersuchten deutschen Einkaufsstätten konnten 122 Produkte und in den französischen Geschäften 96 Produkte identifiziert werden, die mit Preisaufschlägen vermarktet werden.

Nachgewiesen wurden Grundpreisaufschläge sowohl bei Lebensmitteln als auch bei Drogerieartikeln. Letztlich ist so gut wie keine Produktkategorie von Preisaufschlägen ausgenommen. Betroffen sind so unterschiedliche Produkte wie Schokolade, Fischstäbchen, Käse, Konservengemüse, Frühstückscerealien, Haselnusskerne, Bratfette, Mehl, Wurst, Waschpulver, Rasierklingen und Windeln. Von Preisaufschlägen sind überwiegend Markenprodukte betroffen, sie sind aber auch bei so genannten Handelsmarken vorzufinden.

Am häufigsten konnten in deutschen Geschäften Preisaufschläge bei Süßwaren beobachtet werden (40 Produkte), während in Frankreich Preisaufschläge am häufigsten bei Kühlprodukten (24 Produkte; Käse, Fisch, Wurst, etc.) und bei Konserven (24 Produkte) vorgefunden wurden. Im Süßwarenbereich treten Preisaufschläge zudem vermehrt zur Weihnachts- und Osterzeit auf.

Die Ursachen von Preisaufschlägen sind vielfältig. So können Preisaufschläge durch Auszeichnungsfehler der Mitarbeiter, durch temporäre Verzerrungen aufgrund von Sonderangebotsaktionen oder aber durch die Preispolitik der Hersteller und vor allem der Händler zustande kommen.

Die Häufigkeit der Preisaufschläge ist von Einkaufsstätte zu Einkaufstätte sehr unterschiedlich. So wurden pro Geschäft Grundpreisaufschläge bei ein bis 49 Produkten nachgewiesen.

Innerhalb der deutschen Einkaufstätten waren Großpackungen einzelner Produkte im Grundpreis um 0,17 % bis 216 % teurer, in französischen Supermärkten lagen die Aufschläge zwischen 0,17 % und rund 63 %. Die Vermarktung von Großpackungen mit Grundpreisaufschlägen geht zudem oft mit separater Platzierung (Zweit- und Drittplatzierungen) der teureren Produkte einher, sodass ein direkter Preisvergleich erschwert ist. Darüber hinaus können die im Grundpreis teureren Großpackungen auch mit Zusatzbeschriftungen ("Angebot", "Aktion", "XXL Sparpack", "Vorteilsgröße", "Geschenkpackung", "Vorratspackung") versehen sein, die einen Preisvorteil suggerieren.

Einkaufsstätten, in denen keine Grundpreisaufschläge beobachtet wurden, vermarkten zwar auch verschiedene Packungsgrößen, die Produkte stammen jedoch von unterschiedlichen Herstellern oder werden unter verschiedenen Marken angeboten.

Die Untersuchung zeigt auch, dass die gesetzliche Grundpreisauszeichnung nicht lesbar, falsch und sogar nicht vorhanden sein kann. Generell vereinfacht die Grundpreisauszeichnung (Preis je Mengeneinheit z.B. €/kg) den Verbrauchern und Verbraucherinnen einen Preisvergleich zwischen unterschiedlichen Packungsgrößen. Insgesamt wurden in sechs der deutschen und zwei der französischen Einkaufstätten Mängel bei der Grundpreisauszeichnung festgestellt. Wie die Untersuchung aber auch zeigt, kann der Preisvergleich ebenso erschwert sein, wenn der Grundpreis angegeben wird. Dies ist dort der Fall, wo die Grundpreisauszeichnung anhand unterschiedlicher Maßeinheiten (mg, g oder kg, aber auch bei Konserven in l oder g) erfolgt.

Die Hohenheimer Untersuchung zeigt insgesamt: Verbraucher und Verbraucherinnen müssen entgegen ihrer Erwartungen beim Einkauf im Einzelhandel damit rechnen, für Groß- und Familienpackungen einen Preisaufschlag zu bezahlen. Auch müssen sie sich darauf einstellen, dass es sich bei "Angeboten" nicht immer um solche handelt. Die Verfasser der Studie raten daher den Konsumenten, Preise sehr aufmerksam zu prüfen. Benner und Heidecke weisen aber auch darauf hin, dass hier in erster Linie die zuständigen staatlichen Behörden gefordert seien. Diese müssten dafür Sorge tragen, dass die Grundpreisauszeichnung, die den Verbrauchern den Preisvergleich erleichtern soll, nicht nur vorhanden, sondern auch richtig ist. Die Studie hinterfragt, ob die derzeitig diskutierten Einsparungen in der Lebensmittelüberwachung hier der richtige Weg seien und regt an, die Grundpreisauszeichnung gesetzlich zu vereinheitlichen.

Kontaktadresse (nicht zur Veröffentlichung): Dr. Eckhard Benner, Universität Hohenheim, Institut für Agrarpolitik und Landwirtschaftliche Marktlehre (420B), 70593 Stuttgart
Tel: 0711/459-2609, Fax: 0711/459-2601, email: ebenner@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik