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Raucher mit rheumatoider Arthritis brauchen mehr Medikamente und profitieren trotzdem weniger von der Therapie

12.09.2005


Tabakkonsum hat vielfältige gesundheitsschädigende Wirkungen. Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Atemwegs- und Lungenerkrankungen sowie bösartige Neubildungen bei Rauchern vermehrt auftreten. Weniger bekannt ist, dass langjährige Raucher ein höheres Risiko haben, Autoimmunerkrankungen, wie z.B. die rheumatoide Arthritis (RA), zu entwickeln. Beider Krankheitsentstehung geht man von einem 3-Phasen-Modell aus: Die erste Phase ist durch eine genetisch bedingte „Empfindlichkeit“ gekennzeichnet. In der zweiten, präklinischen Phase, bildet der Körper Autoantikörper gegen körpereigene Strukturen aus, im Falle der rheumatoiden Arthritis so genannte Rheumafaktoren (RF). Sie sind ein sicheres Zeichen für eine Störung der immunologischen Selbsttoleranz und treten teilweise Jahre vor der Manifestation klinischer Symptome (Phase 3) auf. Verschiedene Umwelteinflüsse stehen im Verdacht, den Bruch der Selbsttoleranz auszulösen. Forscher vom Karolinska Institut in Stockholm konnten jüngst nachweisen, dass Tabakkonsum einer dieser Auslöser ist. Raucher mit einer genetischen Vorbelastung, dem HLA-DR shared epitope (SE), hatten ein vielfach höheres Risiko, an RA zu erkranken, als Nichtraucher mit demselben genetischen Risiko.


Am DRFZ wird derzeit in einer Studie des Kompetenznetzes Rheuma an rund 900 RA-Patienten aus ganz Deutschland untersucht, ob Rauchen über seine Triggerfunktion bei der Krankheitsentstehung hinaus auch die Krankheitsschwere und den Therapiebedarf beeinflusst. Einen ersten Hinweis auf den Risikofaktor Rauchen lieferte der Vergleich der Patien-tendaten mit Daten der Normalbevölkerung. RA-Kranke der Studie rauchten deutlich häufiger als Gleichaltrige in der Normalbevölkerung. Dies traf ganz besonders auf die Männer unter 50 Jahren zu (70% vs. 40%). Nur 27% der RA-kranken Männer und 56% der RA-kranken Frauen hatten nie geraucht, während die entsprechenden Anteile in der Normalbevölkerung bei Männern 43% und bei Frauen 65% betragen. Die Studie bestätigte auch, dass Raucher deutlich häufiger Autoantikörper gegen Rheumafaktoren entwickelt hatten als Nichtraucher. Von den Patienten, die bei Krankheitsbeginn noch RF-negativ waren, entwickelten Raucher im Verlauf der drei Beobachtungsjahre doppelt so häufig Rheumafaktoren wie Nichtraucher. Umgekehrt verschwanden bei anfangs RF-positiven Nichtrauchern die Rheumafaktoren im Verlauf der Behandlung doppelt so häufig wie bei Rauchern. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Rheumafaktor zeigte sich besonders deutlich bei den Patienten, die während der drei Jahre das Rauchen aufgegeben hatten. Sie hatten die größte Chance, die Rheumafaktoren wieder zu verlieren, und diese Chance war umso größer, je jünger sie waren. Am Ende der drei Jahre hatten insbesondere männliche Patienten, die noch rauchten, gegenüber Nichtrauchern ein mehrfach höheres Risiko, RF- positiv zu sein.

Raucher und Nichtraucher unterschieden sich auch beim Therapiebedarf. Raucher hatten stärkere Schmerzen und nahmen deutlich häufiger als Nichtraucher Kombinationen mehrerer Basistherapeutika sowie Präparate der neuen gentechnisch hergestellten „Biologika“. Trotz einer intensiveren medikamentösen Therapie wurden Raucher von ihren Ärzten deutlich häu-figer wegen „hochaktiver RA und ungenügender Wirksamkeit“ als problematisch zu behan-deln eingeschätzt. Obwohl die genetischen Risiken der RA-Kranken in dieser Studie nicht untersucht wurden, zeigen die Ergebnisse doch eindeutig, dass Rauchen das Risiko für RF-Positivität erhöht. Die Variabilität des Rheumafaktors in Abhängigkeit vom Rauchverhalten selbst Jahre nach Krankheitsbeginn unterstreicht, dass es sich lohnt, mit dem Rauchen auf-zuhören. Denn allemal haben RF-positive Patienten die schwereren Krankheitsverläufe. Es bleibt die spannende Frage, über welche Mechanismen Rauchen bei konstant RF-negativen Patienten den schwereren Verlauf bedingt.

Gisela Westhoff | DRFZ
Weitere Informationen:
http://www.drfz.de

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