Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Aufsichtsräte greifen zu wenig in Firmenentscheidungen ein

08.09.2005


Macht und Einfluss - dies wird häufig mit einer Position im Aufsichtsrat verbunden. Doch eine Studie an der Universität Dortmund zeigt: Aufsichtsräte in Deutschland üben zu wenig Kontrolle aus. Werden Entscheidungen vielfach nur abgenickt und nicht - wie es der Funktion der Mitglieder entspräche - kritisch begleitet?


Für die Studie haben die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Martin Welge und Dr. Philip Grothe 46 Aufsichtsräte großer deutscher Unternehmen befragt. Zu den Interviewten gehörten u.a. bekannte Personen wie Rolf Breuer (Deutsche Bank), Ulrich Hartman (Eon) und Hilmar Kopper (DaimlerChrysler) sowie Arbeitnehmervertreter.

Um Krisen zu vermeiden, soll der Aufsichtsrat den Vorstand überwachen, Fehlentscheidungen verhindern und den bestmöglichen Einsatz von Kapital und Ressourcen garantieren. So weit die Theorie. Die Praxis zeigt, dass Ratsmitglieder nicht immer an zukunftsweisenden Entscheidungen beteiligt sind, sondern sich meist nur die Ergebnisse ansehen. "Sie fragen nur nach dem, was war. Sie fragen nicht nach dem, was im Unternehmen gerade läuft und geplant wird", so Prof. Welge vom Dortmunder Lehrstuhl für Unternehmensführung.


Überraschenderweise spielten wertorientierte Kennzahlen wie z.B. Wertbeiträge der Teileinheiten, Cash-Flow und der Unternehmenswert bei der Beurteilung der Unternehmensstrategie eine untergeordnete Rolle. Traditionelle Kennzahlen des Rechnungswesens sind nach wie vor dominant. Die Ergebnisse seien ernüchternd. "Wir hätten mehr professionelles Handeln erwartet - immerhin handelt es sich im Top-Unternehmen", betont Welge.

Droht eine Unternehmenskrise, reagiert der Aufsichtsrat - wenn überhaupt - viel zu spät. Deshalb folgern die Forscher, dass es vor allem ein "reaktives, unbewegliches und mit massiven zeitlichen Problemen behaftetes Gremium ist, das den Anforderungen einer wirksamen Unternehmensüberwachung in diesem Punkt eindeutig nicht gerecht wird."

Externe Informationsquellen wie Mitteilungen von Branchenverbänden, Analystenberichte oder Geschäftsberichte von Mitbewerbern werden kaum genutzt. Fließen hingegen ausreichend Informationen zwischen den einzelnen Mitgliedern? Schon vor der eigentlichen Sitzung kommt es zu informellen Vorgesprächen (auch "Bänkegespräche"). Hier spielt Vertrauen, aber auch Kontrolle eine wichtige Rolle. Grundsätzliche Kompetenzunterschiede gibt es zudem innerhalb des Gremiums. Arbeitnehmervertreter seien oft "zu wenig professionalisiert, um wirklich mitbestimmen zu können."

In der Studie werden demnach folgende Problembereiche ermittelt: Der Aufsichtsrat arbeitet zu vergangenheitsorientiert, zu stark nach innen gerichtet und zu passiv.

Die Dortmunder Wissenschaftler empfehlen, mehr Experten von außen und internationale Fachkräfte in das Gremium aufzunehmen. Außerdem sei darauf zu achten, dass weniger Ex-Vorstände in den Aufsichtsrat wechselten, denn dadurch entstünden Interessenskonflikte. Die Einrichtung eines Ausschusses, der sich intensiv mit der strategischen Planung des Vorstands befasst, könnte aus der Sicht der Fachleute dazu beitragen, die derzeitige Situation erheblich zu verbessern.

Darüber hinaus weisen die Wirtschaftswissenschaftler darauf hin, dass Unterlagen wie der Jahresabschluss im Informationswert massiv überschätzt werden. Externe Informationsquellen dagegen vermeiden eine zu starke "Abhängigkeit" vom Vorstand.

Kontakt:
Prof. Dr. Martin K. Welge, Ruf: 02 31/7 55 - 31 48,
E-Mail: m.welge@wiso.uni-dortmund.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften