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Trendstudie zu Notleidenden Krediten (Distressed Debt) aus Bankensicht

06.09.2005


  • Das Transaktionsvolumen für Distressed Debt von Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird in den kommenden zwei Jahren bis zu 15 Milliarden Euro jährlich betragen

  • Banken schätzen ihre eigenen Erfahrungen beim Handel mit Distressed Debt als eher gering ein, betreiben das Geschäft überwiegend opportunistisch und nehmen erhebliche Preisabschläge in Kauf

  • Sie bevorzugen stattdessen Restrukturierung und vollständige Schuldentilgung

Der Handel mit Not leidenden Krediten (Distressed Debt) von Unternehmen wird in den kommenden Jahren weiter steigen: Die Banken rechnen mit einer Zunahme des Transaktionsvolumens von 13 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 15 bzw. 14 Milliarden Euro in den Jahren 2006 und 2007. Dies ist das Ergebnis einer Trendstudie von Roland Berger Strategy Consultants über Distressed Debt in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus Sicht der Banken. Da die Kreditinstitute im Handel mit Not leidenden Krediten wenig erfahren sind, bevorzugen sie klassische Restrukturierung und vollständige Schuldenrückzahlung, damit ihre Forderungen bedient werden. Zudem betreiben sie das Geschäft bislang eher opportunistisch und sind bereit, dabei erhebliche Preisabschläge in Kauf zu nehmen.



Für diese Trendstudie hat Roland Berger Strategy Consultants im Frühjahr 2005 26 Kreditinstitute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Die Hälfte dieser Institute weist ein jährliches Neukreditvolumen von über zehn Milliarden Euro auf.

Gründe für Distressed Debt

Nach den Erfahrungen der Banken sind Liquiditätskrise (73,9 Prozent), Absatzrückgang (69,6 Prozent) und Eigenkapitalgefährdung (65,2 Prozent) bei Unternehmen die häufigsten Ursachen für Distressed Debt.

Um möglichst früh Not leidende Kredite zu erkennen und einzustufen, vertrauen 73,9 Prozent der Institute auf interne Frühwarnsysteme. Aber auch die Ausfallkriterien nach Basel II ziehen 52,2 Prozent der Banken zur Klassifizierung von Krediten heran. Allgemeiner Zahlungsverzug (26,1 Prozent) und unregelmäßiges Zahlungsverhalten (8,7 Prozent) dienen den Instituten dagegen nur selten als Indikatoren.

Steigendes Transaktionsvolumen

Das Transaktionsniveau von Distressed Debt für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird nach Einschätzung der Banken von rund 13 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 15 Milliarden Euro (2006) anwachsen und 2007 rund 14 Milliarden Euro betragen. Das Transaktionsvolumen für Hypothekendarlehen/Immobilienkredite wird im gleichen Zeitraum von rund 16 Milliarden Euro auf etwa zehn Milliarden Euro sinken. Die Bedeutung von Portfoliotransaktionen wird um knapp zehn Prozentpunkte abnehmen, von 48,5 auf 39,1 Prozent. Leicht zulegen können hingegen die Einzel- und Basket-Transaktionen (von 32,3 auf 35,6 Prozent bzw. von 19,2 auf 25,2 Prozent). Insgesamt ist der Anteil von Distressed Debt am Gesamtkreditportfolio hoch: Bei neun von zehn Banken liegt er bei maximal 7,5 Prozent.

Wie die Trendstudie ergab, variiert die Zahl der durchgeführten Transaktionen bei den befragten Banken stark und wird eher dem Zufall überlassen. Kommt es jedoch zu einem Forderungsverkauf, sind in 47,1 Prozent der Fälle Preisabschläge vom Nominalwert in Höhe von 40 Prozent und mehr keine Seltenheit.

Probleme für Investoren ohne Bankerlaubnis

75 Prozent der befragten Banken sehen beim Handel mit Distressed Debt langfristig Schwierigkeiten für Investoren ohne Bankerlaubnis. Der wichtigste Grund: Zum Kauf ungekündigter Kredite ist eine Bankerlaubnis erforderlich. Darüber hinaus kann den Unternehmen bei Sanierungsfällen so kein frisches Kapital zugeführt werden, da Kreditgeber in Deutschland eine behördliche Genehmigung besitzen müssen und der staatlichen Aufsicht unterliegen.

Bankgeheimnis und Datenschutz als Handelsbarrieren

Als weitere Hindernisse beim Handel mit ungekündigten Krediten bezeichnen die Institute Bankgeheimnis und Datenschutz: 89,5 Prozent der Befragten meinen, dass eine Unterbeteiligung hier die beste Lösung bietet. 55 Prozent sprechen sich dafür aus, den Schuldner von den Vorteilen eines Forderungsverkaufs zu überzeugen. Entsprechend bieten 70 Prozent der Institute Not leidende Kredite nur mit Zustimmung des Schuldners an. Fast die Hälfte der Interviewten meint, dass aus Gründen des Datenschutzes und Bankgeheimnisses Transaktionen rückgängig gemacht werden könnten.

Trotz dieser Schwierigkeiten sprechen die Kreditinstitute Investoren (77 Prozent) und Rechtsberatungen (36 Prozent) umfassende Erfahrung im Distressed-Debt-Markt zu. Ihre eigene Expertise stufen 32 Prozent der Banken als eher niedrig ein.

Restrukturierung und Schuldentilgung werden bevorzugt

Bei einem Kreditausfall erachten 80 Prozent der Banken Unternehmensrestrukturierung und vollständige Schuldentilgung als beste Lösungen, um die Forderung zu bedienen. Auch einem Teilverzicht mit Restschuldzahlung stehen 71 Prozent der Institute positiv gegenüber. Hingegen eignen sich Liquidation und Sicherheitenverwertung nach Meinung von 38 Prozent der Befragten kaum als Exit-Strategie.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 31 Büros in 22 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.630 Mitarbeiter haben im Jahr 2004 einen Honorarumsatz von rund 530 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von derzeit mehr als 130 Partnern.

Susanne Horstmann | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

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