Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheit gewinnt in einer alternden Gesellschaft an Bedeutung

29.08.2005


Am Internationalen Soziologiekongress zur Gesundheit im Alter diskutierten über 200 Fachleute aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz unter anderem die Fragen, wie man gesund älter werden kann und wie sich die gesundheitliche Situation älterer Menschen heute präsentiert. Neue Forschungsresultate weisen darauf hin, dass der Gesundheitszustand vieler, hochbetagter Menschen trotz körperlicher Beeinträchtigungen noch immer ein Leben zu Hause ermöglicht. So zeigt eine in Neuchâtel vorgetragene Studie, dass immerhin 54% der Frauen und Männer über 95 Jahren in Frankreich noch zu Hause leben (Frédéric Balard, Montpellier). Und eine Schweizer Untersuchung unterstützt diesen Befund: Obwohl die Gesundheit im hohen Alter meist beeinträchtigt ist und mit den Jahren immer häufiger Krankheiten auftauchen, bleibt das Wohlbefinden bei vielen älteren Menschen stabil gut (Myriam Girardin, Genf).

Wie gesund man ist, ist auch eine Frage der Bildung, wie eine Zürcher Studie zeigt: Je tiefer die Bildung von über 80-jährigen Frauen und Männern, desto schlechter ist ihre Gesundheit und desto geringer ist in der Folge auch ihre Lebenserwartung (Ulrich Ehrlinger, Zürich). Dass die Biografie eines Menschen für die Gesundheit im Alter entscheidend ist, wurde durch zahlreiche weitere Beiträge bestätigt. Die Berliner Soziologin Adelheid Kuhlmey verwies darauf, dass "gesund altern" etwas anderes bedeutet, ob man nun 60 oder 80 Jahre alt ist. In jedem Lebensabschnitt gehe es darum, das vorhandene Gesundheitspotenzial zu nutzen. Den jungen Körper bis zum Lebensende zu erhalten sei eine Illusion. "Solch ein Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Die sogenannte ’Anti Ageing’-Bewegung entwirft ein Bild vom Altern, das weder die Gesellschaft noch der einzelne Mensch je einlösen können", sagte Kuhlmey.

Pflege und Betreuung zu Hause: Ein Vollzeitjob

In den kommenden Jahren werden die Zahl und der Anteil der über 80-Jährigen in europäischen und anderen Ländern deutlich zunehmen. Die Folgen dieser Entwicklung für das Gesundheits- und das Sozialversicherungswesen, aber auch für die gesamte Gesellschaft Europas werden intensiv diskutiert. So geht es auch um die Frage, wie die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen betreut werden kann. Bereits heute werden in Europa ältere Hilfe- und Pflegebedürftige zu über 80% von Angehörigen versorgt. Diese sind aber nicht in der Pflege geschult und neigen häufig zur Selbstüberforderung. Somit tragen sie ein erhöhtes Risiko, gesundheitlich zu leiden und selbst von Hilfe abhängig zu werden.

Am Soziologiekongress wurde auch eine von der EU geförderte Studie zur Situation dieser Angehörigen präsentiert (Christopher Kofahl, Hamburg). Die EUROFAMCARE-Studie vergleicht die Situation in Deutschland, Griechenland, Grossbritannien, Italien, Polen und Schweden. Die Hilfsbedürftigen sind im Schnitt 80 Jahre alt und zu zwei Dritteln Frauen. 37% von ihnen sind von einer Demenz betroffen (Alzheimer, Parkinson und andere). Dies hat grosse Folgen für den Aufwand bei der Betreuung. Angehörige sind bei der Hilfe und Pflege durchschnittlich wöchentlich 46 Stunden engagiert. Wenn die zu betreuenden Personen geistig beeinträchtigt sind, steigt der Betreuungsaufwand auf wöchentlich 56 Stunden. Es ist nachvollziehbar, dass sich in dieser Situation viele Angehörige überfordert fühlen. Die Hälfte der Angehörigen von geistig beeinträchtigten Patienten denkt daran, ihr Familienmitglied in die Obhut eines Pflegeheims zu geben.

In Neuchâtel wurde deutlich, dass soziologische Studien zentral sind, um ein realistisches Bild über die Gesundheit in einer alternden Gesellschaft zu erhalten. In Hinblick auf gesundheitspolitische Entscheide, die in den kommenden Jahren gefällt werden müssen, sind diese Erkenntnisse besonders wertvoll. Der Kongress wurde organisiert vom Komitee Gesundheitssoziologie der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie sowie den Sektionen Medizin- und Gesundheitssoziologie der deutschen, österreichischen und französischen Gesellschaften für Soziologie. Die lokale Kongressorganisation wurde vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan), dem Bundesamt für Statistik und dem Soziologischen Institut der Universität Neuenburg übernommen.

Peter C. Meyer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.age05.ch

Weitere Berichte zu: Neuchâtel Soziologiekongress

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie