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Föten sollen vor der 30. Woche keinen Schmerz empfinden

26.08.2005


Umstrittene Studie stellt US Gesetzesentwurf in Frage



Föten können sehr wahrscheinlich vor dem letzten Stadium der Schwangerschaft keinen Schmerz empfinden. Zu diesem Ergebnis ist eine umstrittene Studie des Teams um Mark Rosen von University of California gekommen. Die Analyse der medizinischen Literatur zu fötalen Schmerzen kommt zu dem Schluss, dass Föten vor der 30. Schwangerschaftswoche sehr wahrscheinlich keine Schmerzen verspüren. Entscheidende Gehirnverbindungen, die mit der Schmerzempfindung in Zusammenhang stehen, bildeten sich erst zwischen der 23. und 30. Schwangerschaftswoche. Nach ihrer Ausbildung sollen sie vor der 30. Woche nicht funktionsfähig sein. Diese Studienergebnisse stehen in direktem Widerspruch mit der Gesetzgebung in mehreren amerikanischen Bundesstaaten und einem dem amerikanischen Kongress vorliegenden Gesetzesentwurf. Dieses Gesetz verpflichtet Ärzte, Frauen vor einer Abtreibung innerhalb von 20 Wochen darüber zu informieren, dass der Fötus Schmerz empfinden kann. Zusätzlich müssen die Ärzte anbieten, dem Fötus direkt ein Anästhetikum oder ein Schmerzmittel zu verabreichen.

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Die Wissenschafter schreiben im Journal of the American Medical Association, http://jama.ama-assn.org dass Beweise nur in eingeschränktem Ausmaß zur Verfügung stünden. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass ein Schmerzempfinden vor dem dritten Drittel der Schwangerschaft unwahrscheinlich sei. "Eine fötale Anästhesie oder Analgesie sollte nicht empfohlen oder routinemäßig angeboten werden. Derzeit für eine Abreibung zur Verfügung stehende experimentelle Verfahren können unbekannte Vorteile für den Fötus bringen und das Risiko für die Frau erhöhen." Wendy Chavkin von Physicians for Reproductive Choice and Health http://www.prch.org erklärte, dass ein Komitee führender Experten innerhalb von zwei Jahren zu den gleichen Ergebnissen gekommen sei. "Gesetze, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, haben nichts mit Medizin oder der Volksgesundheit zu tun. Vielmehr geht es um Politik und Ideologie." Chavkin argumentiert, dass die vorgeschlagenen Gesetzte deutlich darauf ausgerichtet seien, Abtreibungen zu stigmatisieren und damit auch die beteiligten Frauen und Ärzte.

Es ist jedoch laut NewScientist zu erwarten, dass diese Studie zu hitzigen Debatten führen wird. Die Autoren der Studie definieren Schmerz als eine subjektive sensorische und emotionale Erfahrung, die das Vorhandensein eines Bewusstseins erfordert, das das Erkennen eines unangenehmen Reizes ermöglicht. Diese psychologische Definition von Schmerz unterscheidet sich deutlich von automatischen Reaktionen auf körperliche Reizungen. Föten zeigen laut Verhaltensstudien Rückzugsreflexe und Gesichtsregungen, die jenen von Erwachsenen mit Schmerzen ähnlich sind. Die Wissenschafter argumentieren jedoch, dass diese Bewegungen nicht unbedingt vom kortikalen Bereich des Gehirns gesteuert werden müssen. Ein fötales Schmerzbewusstsein erfordere funktionierende Verbindungen im Thalamus. Die analysierten Studien hätten jedoch ergeben, dass diese Voraussetzungen vor der 29. bis 30. Schwangerschaftswoche nicht gegeben sind.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucsf.edu
http://jama.ama-assn.org
http://www.prch.org

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