Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ältere arbeiten länger - IAT-Studie

24.08.2005


Mehr Teilzeit und geringfügige Beschäftigung - auch Altersarbeitslosigkeit als "Brücke" zwischen Arbeit und Rente nimmt wieder zu



Die Erwerbsbeteiligung von Älteren ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, insbesondere in den Altersgruppen vom 56. bis zum 63. Lebensjahr. Trotzdem ist insgesamt ab Vollendung des 60. Lebensjahres auch jetzt nur eine Minderheit noch erwerbstätig. Die nach wie vor geringe Erwerbsbeteiligung der 60 bis 64-Jährigen verhindert - zumindest derzeit noch - die Realisierung der vom Europäischen Rat für die Gruppe der 55- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2010 anvisierten Beschäftigungsquote von mindestens 50 Prozent. Das geht aus dem soeben online erschienenen Altersübergangsreport 2005-04 hervor, in dem das Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) im Auftrag der Hans Böckler Stiftung das Übergangsgeschehen zwischen Erwerbs- und Ruhestandsphase analysiert.



Die Untersuchung auf Grundlage des Mikrozensus zeigt, dass die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Älteren zum Teil parallel zu den seit Ende der 90er Jahre wirkenden Abschlagsregelungen bei vorgezogenem Renteneintritt verläuft. Die Abschläge führten offensichtlich dazu, dass Ältere später in Rente gehen und damit die Erwerbsphase ab dem 60. Lebensjahr länger wird. Darüber hinaus haben die relativ hohen Zuwächse bei der (Alters-) Teilzeitarbeit und der geringfügigen Beschäftigung zum Anstieg der Erwerbstätigenquoten Älterer beigetragen, stellt die IAT-Wissenschaftlerin Renate Büttner fest.

So hat die Erwerbstätigenquote der 58-Jährigen zwischen 1996 und 2003 um 11,5 Prozentpunkte zugelegt. "Das lässt darauf schließen, dass steigende Erwerbstätigenquoten im "vorruhestandskritischen" Alter nicht bloß auf das Nachwachsen von Jahrgängen mit einer höherer Erwerbsbeteiligung - vor allem von Frauen - zurückzuführen ist, sondern es gibt einen eigenständigen Effekt, die Erwerbsbeteiligung entlang dem Lebensalter auszudehnen", so Büttner. Auch die Zunahme von Teilzeitarbeit im Alter ist nicht auf eine bloße Transformation von Vorruhestandsarbeitslosigkeit in Altersteilzeitarbeit zurückzuführen, vielmehr gibt es hier einen eigenständigen Trend.

Ältere sind zudem unter den "Mini-Jobbern" überdurchschnittlich vertreten, und zwar die 55- bis 64-Jährigen mit 17 Prozent. Nicht nur der Teilzeitarbeit, sondern auch der geringfügigen Beschäftigung kommt damit als "Brücke" zwischen Erwerbsaustritt und Renteneintritt eine wachsende Bedeutung zu. Eine solche "Brücke" ist allerdings auch die Arbeitslosigkeit, die nicht nur in den jüngeren, sondern auch in den älteren Alterskohorten spätestens seit 2003 wieder ansteigt und eine zunehmende Rolle beim Altersübergang spielt.

Die Mikrozensus-Auswertungen zeigen, dass der Anteil der Rentenbezieher insbesondere nach dem 56. Lebensjahr deutlich zurückgeht. In den beiden Alterskategorien 60 und 61 Jahre geht der Anteil der Rentner bereits seit 1997 zurück - bis zum Jahr 2003 um insgesamt 14,4 Prozentpunkte bzw. in der Alterskategorie 61 Jahre um 8,8 Prozentpunkte. Bei den 62- und 63-Jährigen steigt der Anteil der Rentenbezieher jeweils zeitversetzt zunächst an, nimmt später ebenfalls zeitversetzt ab. Bei den 64- und 65-Jährigen nimmt der Rentenstatus im Zeitverlauf hingegen anteilsmäßig zu, in der Altersklasse 65 Jahre kontinuierlich. Diese alterspezifischen Veränderungen beim Rentenstatus folgen hier weitgehend der zeitlich abgestuften Wirksamkeit der gesetzlichen Abschlagsregelung.

Angesichts der wieder steigenden Altersarbeitslosigkeit und der nach wie vor relativ geringen Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen ist auch für die Zukunft nicht anzunehmen, dass eine Erhöhung der Altersgrenze automatisch zu einer verlängerten Erwerbstätigkeit führt. Die Untersuchung zeigt vielmehr, dass das reale Übergangsgeschehen durch unterschiedliche Überbrückungsformen gekennzeichnet ist. "Sozialpolitische Reformdebatten, in deren Rahmen eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze diskutiert wird, müssen diese Befunde berücksichtigen".

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/

Weitere Berichte zu: Erwerbsbeteiligung Prozentpunkt Teilzeitarbeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics