Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwerstarbeit über den Wolken?

24.08.2005


IfADo -Biomechaniker berechnen Rückenbelastung bei Flugpersonal



Wer in der Ferienzeit im Flugzeug sitzt, freut sich meist auf den wohlverdienten Urlaub - und denkt nur selten darüber nach, dass der Ferienflieger für andere auch ein Arbeitsplatz ist. Manchmal als "Saftschubser" (oder im Englischen "Trolley dollies") verunglimpft, wird das Flugbegleitpersonal nicht immer angemessen gewürdigt. Dabei kann der Bordservice teilweise Schwerarbeit sein - das ergaben neue Untersuchungen einer von der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen initiierten Studie, an der neben namhaften Fluggesellschaften das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz in Sankt Augustin (BGIA), das Institut für Arbeitswissenschaften der TU Darmstadt und das Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) beteiligt waren.


Vor allem bei Kurzstreckenflügen wird der Getränke- und Essensservice auch während des Steig- und Sinkfluges durchgeführt. Dabei kann der Kabinenboden eine deutliche Steigung aufweisen, über die die schweren Servierwagen hochgeschoben oder gezogen werden. Je nach Beladung und Bodenschräge bedeutet dies dann harte körperliche Arbeit.

Die TU Darmstadt untersuchte bei etwa 500 Flugbegleitern die individuelle Leistungsfähigkeit, und in Sankt Augustin wurden in einer aufwendigen Labornachbildung des Flugzeugganges die Körperhaltungen und ausgeübten Kräfte von Flugbegleitern beim Bewegen der Trolleys gemessen. Darauf aufbauend untersuchte das IfADo-Team um den Biomechaniker Matthias Jäger die Belastung der Lendenwirbelsäule mit Hilfe von komplexen Computersimulationen. In einigen Fällen fanden die Wissenschaftler eine starke Überlastung der Wirbelsäule, die auf Dauer zu körperlichen Schäden führen kann - aber auch rückenschonendere Handhabungen, die dies verhindern können.


Die Servierwagen gibt es in einer langen und einer kurzen Ausführung, wobei gerade die kurzen Trolleys beim Ziehen extrem leicht kippen. Geschicktes Greifen verhindert das Kippen, wodurch gleichzeitig die Wirbelsäule entlastet wird. Bei den anderen Handhabungen kann ebenfalls durch geschicktes Arbeiten der Rücken entlastet werden, fanden die Dortmunder Forscher heraus.

Die im Rahmen der Untersuchungen entwickelten Messtrolleys eignen sich auch dafür, zukünftiges Bordpersonal zu schulen und so rückengerechtere Bewegungen zu trainieren. Passendes Schuhwerk mit flachen Absätzen und griffigen Sohlen erweisen sich ebenfalls als sinnvoll. "Außerdem sollte schon bei der Konstruktion der Trolleys besonders auf die Kippstabilität geachtet werden und die Erhaltung der Rollfähigkeit durch regelmäßige Wartung gewährleistet werden", betont Jäger. Wenn schließlich bei der Arbeitsorganisation noch berücksichtigt wird, dass sich besonders schwere Wagen besser zu zweit bewegen lassen, wird das Risiko von Dauerschäden verringert - und das Lächeln der Flugbegleiter vielleicht noch strahlender bei der Frage: "Was möchten Sie trinken?"

Kontakt: PD Dr. Matthias Jäger, 0231-1084-267, mjaeger@ifado.de

Cornelia von Soosten | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifado.de

Weitere Berichte zu: Flugbegleiter Schwerstarbeit Wirbelsäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie