Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Neue Finanzierungskonzepte für die Kirche benötigt

23.08.2005


Unterschiedliche Wahrnehmung bei katholischer und evangelischer Kirche / Kosteneinsparungspotenziale vor allem bei Personal und Verwaltung / Umstellung der Buchführungspraxis gibt Auskunft über Vermögensverhältnisse


Die Kirchen in Deutschland werden zukünftig kaum in der Lage sein, ihre bisher übernommenen Aufgaben weiterhin in der bisher vorhandenen Breite und Menge zu erfüllen. Es werden dringend neue Finanzierungskonzepte benötigt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie zur Finanzierung der Kirchen von BDO Deutsche Warentreuhand AG in Zusammenarbeit mit TNS Emnid. Befragt wurden 50 Finanzentscheider von Kirchenkreisen und -gemeinden sowie Bistümern und Diözesen, der Diakonie und der Caritas, die hälftig der evangelischen und der katholischen Konfession zugehören. Trotz der Gläubigkeitseuphorie nach der Wahl des deutschen Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst Benedikt XVI. und seinem Besuch anlässlich des Weltjugendtags in Köln stellt sich dennoch die Frage, ob die sinkenden Beiträge der Kirchensteuer in Zukunft ausreichen werden, sämtliche Kosten der kirchlichen Aufgaben zu tragen.

60 Prozent aller zur katholischen Konfession gehörenden Befragten, glauben nicht, dass ihre Kirche in der Lage ist, auch in der Zukunft ihre derzeitigen Aufgaben zu erfüllen. Bei den Protestanten hingegen geht über die Hälfte aller Befragten davon aus, ihre Aufgaben weiterhin in bewährter Qualität durchführen zu können. Bezüglich der Notwendigkeit der Kirchensteuer generell sind die Meinungen der Finanzentscheider beider Konfessionen einhellig: Lediglich ein knappes Drittel kann sich eine Finanzierung der Kirchen ohne die Kirchensteuer vorstellen, wovon nur 16 Prozent der Kirchenvertreter, aber immerhin 44 Prozent der Vertreter von Diakonie und Caritas dies für möglich halten.


Kosteneinsparungspotenziale bei Personal und Verwaltung

Woher soll also das Geld kommen? Wo kann gespart werden? Der größte Teil der Befragten - 60 Prozent - spricht sich für eine Reduzierung der Personalkosten aus, gefolgt von Verwaltungskosten, die von 48 Prozent als Kosteneinsparungspotenzial identifiziert werden. Mit größerem Abstand in der Nennung folgen mögliche Einsparungen bei überregionalen Abgaben (28 Prozent) sowie bei sozialen Aufgaben und Diensten (20 Prozent). Zehn Prozent der Finanzentscheider sehen sogar keine Chance, Kosten zu reduzieren. Auffallend ist, dass die Einsparpotenziale auf kirchlicher Seite insgesamt öfter genannt werden als von kirchennahen Institutionen wie Diakonie oder Caritas.

Umstellung der Buchführungspraxis gibt Auskunft über Vermögensverhältnisse

"Die karitativen Einrichtungen von Diakonie und Caritas haben gegenüber den Kirchen oft einen Vorsprung in der Justierung ihrer Finanzsituation. Letztere stehen zum Teil unter enormen Herausforderungen", erläutert Dr. Arno Probst, Wirtschaftsprüfer von BDO Deutsche Warentreuhand AG. "Die Studienresultate lassen erkennen, dass gezielte Beratung einen wichtigen Beitrag leisten kann, Chancen im Bereich Kostenmanagement zu identifizieren, um somit die Grundlage für eine solide Finanzierungsbasis zu schaffen." So kann beispielsweise die Umstellung der Buchführungspraxis von Kameralistik auf Doppik zur Information über die tatsächliche Vermögenssituation der Kirchen helfen. Die oftmals bei Kirchen oder kirchennahen Institutionen noch übliche Praxis der Kameralistik berücksichtigt lediglich die Einnahmen und Ausgaben. Die Doppik hingegen basiert auf der Ertrags- und Aufwandsrechnung und weist auch Vermögensentwicklungen aus. "Mit der Notwendigkeit der Umstellung auf die Doppik befindet sich die Kirche im Übrigen in einem Boot mit Städten und Gemeinden, die derzeit verstärkt ihr Rechnungswesen an unternehmensnahe Strukturen anpassen", so Dr. Arno Probst.

Unterschiedliche Wahrnehmung bei katholischer und evangelischer Kirche

Die Meinungen zu Personalkosten driften bei den Konfessionen weit auseinander. Obwohl beide mit jeweils 80 Prozent diese Kosten als Hauptverwendungszweck des zur Verfügung stehenden Gelds benennen, werden hier die Sparpotenziale sehr unterschiedlich bewertet. 76 Prozent der evangelischen und nur 44 Prozent der katholischen Finanzentscheider sehen darin eine Option zur Senkung der Ausgaben. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei den Verwaltungsaufgaben, bei denen lediglich 32 Prozent der evangelischen, aber 64 Prozent der katholischen Befragten Kosteneinsparungspotenziale manifestieren.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand AG gehört national und international zu den führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern und wirtschaftsrechtliche Beratung sowie Unternehmensberatung. In Deutschland betreut BDO mit rund 1.800 Mitarbeitern an 24 Standorten nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen - vom Mittelständler bis zum DAX-Unternehmen.

BDO Deutsche Warentreuhand AG ist Gründungsmitglied von BDO International, der einzigen der fünf weltweit tätigen Accountant-Gruppen mit europäischer Tradition. BDO International ist ein seit 1963 bestehendes Network von rechtlich selbstständigen Gesellschaften mit Mitgliedsfirmen in über 105 Ländern mit mehr als 621 Büros und rund 25.000 Mitarbeitern.

Philippe Prinz von Croÿ | presseportal
Weitere Informationen:
http:// www.bdo.de

Weitere Berichte zu: Diakonie Finanzentscheider Konfession

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik