Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensmittel-Discounter gewinnen kaum noch neue Kunden

22.08.2005


Umsatzwachstum nur durch Sortiments- und Flächenerweiterung



Für die deutschen Lebensmittel-Discounter wird es immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen und auf diese Weise weiter zu wachsen. Das hat eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in mehr als 1.000 Haushalten ergeben. Kunden, die bis jetzt nicht gewonnen werden konnten, stehen dem Discount-Konzept demnach eher skeptisch gegenüber. Eine deutliche Steigerung des Marktanteils kann somit nur erreicht werden, wenn es gelingt, über den bestehenden Kundenstamm zusätzlichen Umsatz zu generieren. Johannes Siemes, Leiter des Segments Consumer Markets bei KPMG: „Die stetige Sortiments- und Flächenerweiterung zielt in diese Richtung. Der Discounter-Anteil am gesamten Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland wird unserer Prognose zufolge mittelfristig von 40 auf 45 Prozent steigen.“



“Plus” und SB-Warenhäuser mit größtem Potenzial zur Neukundengewinnung

Über die Hälfte (59 Prozent) derjenigen, die in den drei Monaten vor der Umfrage nicht bei Discountern einkauften („Nicht-Kunden“), fühlen sich vom Billigformat prinzipiell nicht angesprochen. Sie suchen beim Einkauf die wichtigsten Herstellermarken und legen auf gehobene Warenpräsentation Wert. Das größte Potenzial zur Neukundengewinnung unter den Discountern besitzt mit 47 Prozent der Nicht-Kunden die Kette „Plus“, die den größten Sortimentsumfang und einen sehr hohen Markenartikelanteil besitzt. Da der Anteil der Nicht-Kunden bei den Discountern aber insgesamt sehr gering ist, erscheint eine Erweiterung von Angebot und Serviceleistungen auf Kosten von Preiserhöhungen nicht ratsam.

Innerhalb der Gruppe der Nicht-Discounter haben die verschiedenen SB-Warenhäuser mit 60 bis 70 Prozent das größte Potenzial, neue Kunden zu gewinnen. Ziel dieser Unternehmen muss es sein, dieses Potenzial künftig deutlich besser auszuschöpfen. Kunden, denen vor allem die Möglichkeit des One-Stop-Shopping wichtig ist und die diese Möglichkeit in ihrem bevorzugten SB-Warenhaus vorfinden, sind demnach schwieriger von einem Alternativangebot zu überzeugen als Kunden anderer Formate, die beispielsweise bei einem günstigeren Konkurrenzangebot wechselbereit wären. Johannes Siemes: „Discount-Kunden durch ein breites Eigenmarkensortiment zu gewinnen, kann nur ein Teil der Strategie sein, denn es muss eine klare Fokussierung auf Qualität und Frische erfolgen. Eine gleichzeitige Profilierung über Preis und Produkt wird weder von Kunden noch von Kapitalgebern verstanden.“

Discounter deutlich besser erreichbar

Die starke Expansion der Discounter in den letzten Jahren hat dafür gesorgt, dass diese in der Regel sehr bekannt und gut erreichbar sind. So kommen vier der sechs untersuchten Discounter auf einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent. Aldi kennen mit 99 Prozent praktisch alle Befragten. Bei den Nicht-Discountern erreichen nur Edeka (94 Prozent) und Real (91 Prozent) vergleichbare Werte. Die enorme Flächenpräsenz und eine offenbar geschickte Standortwahl der Discounter führen dazu, dass Billigläden deutlich besser erreichbar sind als die Nicht-Discounter. So gaben 93 Prozent der Befragten an, dass Aldi für sie erreichbar sei (Lidl: 81 Prozent, Plus: 71 Prozent), während der am besten erreichbare Nicht-Discounter EDEKA offenbar lediglich für 61 Prozent erreichbar ist.

Die Folgen sind eindeutig: 86 Prozent der Befragten, die Aldi als erreichbar bezeichneten, gaben an, dort innerhalb der letzten drei Monate auch Lebensmittel eingekauft zu haben. Bei den Nicht-Discountern erreicht kein Unternehmen einen vergleichbaren Wert.

Angenehme Atmosphäre und Fachberatung kann Kunden binden

Wie die Umfrage zeigt, ist die emotionale Bindung eines Kunden im Lebensmitteleinzelhandel offenbar nur schwer möglich. So suchten die Befragten eigenen Angaben zufolge im Durchschnitt sechs verschiedene Anbieter auf, was den relativen Stellenwert des einzelnen tendenziell mindert. Zum anderen werden im Lebensmittel-Einzelhandel bis auf wenige Ausnahmen keine beratungsintensiven Produkte vertrieben, und eine persönliche Kommunikation fehlt meist.

Johannes Siemes: „Umso wichtiger wird es damit, in den Momenten, in denen ein Gespräch stattfindet – etwa an der Bedientheke, der Kasse oder Information – eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und fachkundig zu beraten. Als eine besonders geeignete Kundenbindungsmaßnahme hat sich dabei auch ein aktives Beschwerdemanagement erwiesen. Hier könnten sich vor allem die personalstärkeren Nicht-Discounter einen Vorteil verschaffen.“

Marita Reuter | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Berichte zu: Discounter Lebensmittel-Discounter Potenzial Siemes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise