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Mehr Verantwortung an die Werkbank

17.08.2005


Mehr Selbstverantwortung statt reiner Maschinenbedienung - nach einer Studie des Fraunhofer ISI steigert dies die Flexibilität der Betriebe und die Qualität der Produktion. Viele Betriebe haben das erkannt, doch noch sind die Potenziale bei weitem nicht ausgeschöpft.


Zergliederung der Arbeit - bis in die 1980er Jahre galt das Taylor’sche Prinzip der Spezialisierung als Schlüssel zur Produktivitätssteigerung in den Werkhallen. Doch immer mehr Betriebe erkennen, dass sich höhere Kundenanforderungen nach Qualität und flexibler Produktion so nicht befriedigen lassen. Das hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in seiner jüngsten Produktionsinnovationserhebung festgestellt. Danach gaben 61 Prozent der Betriebe der deutschen Metall- und Elektroindustrie an, weitergehende Aufgaben auf die Mitarbeiter in der Produktion übertragen zu haben.

Die Erhebung zeigt, dass zwei Drittel der Betriebe ihre Maschinen und Anlagen nicht von Spezialisten rüsten lassen, sondern von den Produktionsmitarbeitern selbst. In 40 Prozent der Betriebe optimieren die Werker die Steuerung von CNC-Maschinen, in einem Drittel der Betriebe sind sie für die Qualitätssicherung zuständig, ebenso häufig für die Instandhaltung und Reparatur. Ganzheitliche Ansätze, bei denen die Produktionsmitarbeiter alle diese Aufgaben parallel und ergänzt um die Feindisposition der Werkstattaufträge übernehmen, gibt es allerdings nur in einem Prozent der Betriebe. Dabei zeigt die Studie des Fraunhofer ISI, dass sich die durchschnittliche Durchlaufzeit eines Auftrags von 44 auf 30 Tage verkürzt, wenn die Werker die Feindisposition selbst übernehmen. Und die Ausschussquote sinkt, wenn die Qualität nicht "erprüft" sondern "erarbeitet" wird.


Trotz dieser Vorteile stagniert momentan die weitere Verlagerung von Verantwortung an die Werkbank. "Die Betriebe tun sich schwer, integrierte Modernisierungskonzepte zu entwickeln", hat Projektleiter Gunter Lay festgestellt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen schafften es oft nicht, Dezentralisierungs- und Qualitätssicherungsprojekte sowie Vorhaben zur vorbeugenden Instandhaltung so zu verbinden, dass ganzheitliche Produktionssysteme mit stimmigen Arbeitsabläufen entstünden. Erste Lösungen hierfür werden zurzeit im Projekt IMPROVE entwickelt und können im Internet abgerufen werden.

Kontakt:
Dr. Gunter Lay
Telefon: (0721) 6809 - 300
E-Mail: gunter.lay@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.isi.fraunhofer.de/i/dokumente/pi36.pdf
http://www.improve-kmu.de

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