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Nachtschicht im Biergarten

17.08.2005


IfADo beteiligt sich an Pilotstudie über Schichtarbeit in der Gastronomie


Bei schönem Wetter abends lange im Biergarten sitzen - was für die einen eine herrliche Sommerfreude bedeutet, heißt für die anderen späte Arbeitszeiten. Solche Spätschichten sind für das Gastronomie-Personal im Sommer häufiger als im Winter, da im Gaststättengewerbe nachfrageorientiert gearbeitet wird. Aber - sind wechselnde und späte Schichten für jeden Menschen gleich problematisch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Team um Professorin Barbara Griefahn vom Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo).

Der Mensch ist tagaktiv. Viele Körperfunktionen, wie z.B. auch der Schlaf, werden über ein komplexes Hormonsystem gesteuert, welches wiederum durch das Tageslicht reguliert wird. Welche Folgen es hat, wenn der Tagesrhythmus nicht mehr mit dem Körperrhythmus übereinstimmt, kennt jeder, der schon mal nachts gearbeitet hat oder nach Langstreckenflügen unter einem "Jet-Lag" zu leiden hatte: Der Schlaf ist gestört, weil die "innere Uhr" zur Schlafenszeit auf Aktivität gestellt ist. Folgen sind Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Nach einigen Tagen gewöhnt sich der Körper an die neue Zeit, die Rhythmen synchronisieren sich wieder. Manche Menschen gewöhnen sich schneller und leichter an Umstellungen im Tagesrhythmus als andere. Einen wichtigen Einfluss auf diese Anpassungsfähigkeit hat der Chronotyp, also die Tatsache, ob man eher ein Morgen- oder Abendmensch ist.


In einem von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten initiierten Gemeinschaftsprojekt untersuchte die Firma Thumedi GmbH an 20 Gastronomie-Betrieben in Berlin und am Bodensee, in welchen häufig irregulären und kurzfristig wechselnden Schichten das Personal in Küche, Service und sonstigen Aufgaben im Gaststättengewerbe arbeitet. Die Abteilung Arbeitswissenschaft des Instituts für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion der Uni Karlsruhe sammelte unter Leitung von Professor Peter Knauth persönliche Daten der befragten 154 Beschäftigten und wertete Angaben zum Schlafverhalten, zur Gesundheit und der Zufriedenheit mit den Arbeitszeiten aus. Professorin Barbara Griefahn vom IfADo und ihr Team untersuchen diese Daten auf einen Zusammenhang mit den Chronotypen.

Morgenmenschen gehen früh zu Bett und stehen früh auf; sie haben ein rigides Schlafverhalten und können ein spätes Einschlafen nicht durch längeres Schlafen ausgleichen - was Abendtypen durchaus können. Entsprechend fanden sich in der Gruppe derer, die vorwiegend Nachtschichten bevorzugten, überproportional viele Abendtypen. Morgentypen arbeiteten ihrem Schlafverhalten entsprechend lieber in frühen Schichten oder im Tagesdienst. Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder den Bereichen Service, Küche und anderen Tätigkeiten stellten sich nicht heraus. Ebenso wenig scheinen Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden mit dem Chronotyp zusammenzuhängen. Aber: Mit zunehmendem Alter nahm die Morgenorientierung der Beschäftigten zu, d.h., dass auch ältere Menschen versuchen, die Nachtarbeit zu vermeiden. Dabei spielt aber auch die Motivation der Beschäftigten eine Rolle: Hoch motivierte Morgentypen werden durchaus in der Lage sein, die Nachtarbeit "wegzustecken". Nach diesen neuen Ergebnissen erscheint es sinnvoll, den Chronotyp der Mitarbeiter in die Gestaltung des Schichtplans mit einzubeziehen. Damit auch am späten Abend die Bedienung im Biergarten noch ebenso fit ist wie die Gäste.

Cornelia von Soosten | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifado.de

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