Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treffpunkt der Multiplikatoren

09.08.2005


Von der Werbeindustrie sträflich vernachlässigt



Wenn Unternehmen wüssten ...: Die Nutzer von Internetforen sind keine verschrobenen Einzelgänger, sondern Multiplikatoren in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Die große Mehrheit findet themenbezogene Werbung im Forum interessant, fast jeder Zweite möchte gezielt über Neuigkeiten aus der produzierenden Industrie informiert werden. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Bochumer Instituts für Angewandte Kommunikationsforschung (BIFAK), einem Spin-Off der RUB. "Es ist schlichtweg nicht zu verstehen, wie stiefmütterlich die werbetreibende Industrie Spezial-Foren behandelt", sagt Studienleiter Peter Kruck: "Das ist sträflicher Leichtsinn."

... mehr zu:
»FORUM »Multiplikator


740 Nutzer befragt

Die Studie "Internetforen - offener Marktplatz für Special-Interest" basiert auf einer breit angelegten Online-Umfrage. Kruck: "Internetforen waren bislang so etwas wie Black Boxes - jeder kennt sie, keiner weiß etwas Genaues. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung damit kam viel zu kurz. Ziel unserer Studie ist, mit überholten Vorurteilen aufzuräumen und fundiertes Wissen bereit zu stellen." Befragt haben die Bochumer Forscher 740 Nutzer von rund 150 Internetforen. Sie wollten wissen, wer sich hier "tummelt", für wie glaubwürdig Foren gehalten werden und inwiefern Foren eine Option für die werbetreibende Industrie sind.

Der Kunde, das unbekannte Wesen

Das erstaunliche Ergebnis: 67 Prozent der Befragten interessieren sich für themenbezogene Werbung in ihrem Spezial-Forum, 49 Prozent möchten in ihrem Forum gezielt über neue Produkte informiert werden. Jeder Vierte (24,4 %) hat aufgrund von Werbung im Forum schon einmal etwas gekauft. Und: "Unglaubliche 78,8 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Unternehmen sich der Foren bedienen, um die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden besser kennen zu lernen", so Kruck. "Offensichtlich müssen die Unternehmen die außergewöhnlichen Qualitäten der Foren noch entdecken - der Internetuser hat das schon längst getan." Nicht nur neue Vertriebswege öffneten sich hier den Produzenten, heißt es in der Studie, sondern auch die "unbezahlbaren" Feedback-Kanäle. Kruck: "Sie warten geradezu darauf, angezapft zu werden."

Der Nutzer, das bekannte Wesen

Zugleich widerlegt die Bochumer Studie ein uraltes Vorurteil: Foren sind kein künstlicher Raum in einer virtuellen Welt, den von der Realität entfremdete Menschen und absurde Themen "bevölkern". Sie befriedigen vielmehr ganz alltägliche kommunikative Bedürfnisse "normaler" Menschen. "Die Kommunikation in den Foren entfaltet eine beachtliche wirklichkeitsgestaltende Wirkung", so Kruck. Die dort besprochenen Themen bereicherten regelmäßig die Gespräche im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, persönlichen Kontakt zu Personen aufgenommen zu haben, die sie im Forum kennen lernten. Kurzum: Internet-Foren sind vorzüglich dazu geeignet, Menschen mit gleichen Interessen zusammenzubringen - und das auch außerhalb des Internets, im "echten" Leben.

Tummelplatz der Meinungsführer

Die Stärke des Forums besteht darin, ein Special-Interest-Medium zu sein, das nicht nur mitteilungsmotivierte Personen anzieht, sondern auch solche mit besonderen Kenntnissen. Foren scheinen vor allem ein "Tummelplatz" für Meinungsführer ("opinion leaders") zu sein - Personen, die an der Schnittstelle von Massen- und interpersonaler Kommunikation besonderen Einfluss ausüben. Entsprechend fallen die Umfrage-Ergebnisse zur Glaubwürdigkeit der Foren aus: Knapp 80 Prozent der Befragten nutzen ihr "Lieblingsforum" täglich, rund 90 Prozent suchen ihr Forum auf, um Erfahrungen zu einem Thema auszutauschen und verlässliche Informationen zu beziehen. 81 Prozent der Befragten bezeichnen ihr Forum als "glaubwürdig". Als Multiplikatoren haben über 80 Prozent der User ihr Forum bereits an andere weiter empfohlen.

Bezug der Studie

Die Studie (59 Seiten) ist gegen eine Schutzgebühr von 129 Euro (zzgl. MwSt) erhältlich beim Bochumer Institut für Angewandte Kommunikationsforschung (BIFAK), Max-Greve-Str. 40, 44791 Bochum.

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bifak.de
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: FORUM Multiplikator

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise