Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Jugendliche blicken skeptisch in ihre berufliche Zukunft

08.08.2005


Hauptschüler sehen sich selbst als Verlierer im Kampf um Ausbildungsplätze



Mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren blickt skeptisch (42 Prozent) oder sogar pessimistisch (10 Prozent) in die berufliche Zukunft. Das ist das Besorgnis erregende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Danach ist die Stimmung unter den Jugendlichen alles andere als hoffnungsfroh: Mehr als jeder dritte Jugendliche (39 Prozent) macht sich große Sorgen dar­über, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen. 34 Prozent haben Angst davor, später in die Arbeitslosigkeit zu rutschen.



Besonders ausgeprägt scheint der Pessimismus bei Jugendlichen mit einfacher Schulbildung. Zwei Drittel der Hauptschüler blicken mit negativen Gefühlen in ihre berufliche Zukunft. Sie sehen sich selbst als die großen Verlierer im Kampf um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Auch unter den Realschülern ist noch jeder zweite Jugendliche skeptisch, was seine Zu­kunftschancen betrifft. Mehr als vier Fünftel aller Jugendlichen sind der Meinung, dass Schüler mit einem Hauptschulabschluss bei der Lehrstellensuche und der anschließenden Arbeitsplatzsuche benachteiligt werden.

"Unsere Studie zeigt, dass die Jugendlichen in Deutschland - insbesondere die Hauptschüler - durch die Misere am Arbeitsmarkt und den chronischen Lehrstellenmangel erhebliche Zu­kunftsängste haben", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Professor He­ribert Meffert. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit habe bedrohliche Konsequenzen für die Volkswirtschaft. Jugendliche, die den Berufseinstieg verpassen, drohten zu Langzeitarbeitslo­sen zu werden, die für Jahrzehnte die Staatskasse belasten und dadurch nicht in die Sozialversicherungssysteme einzahlen können. Zudem würden, bedingt durch den demographischen Wandel, bereits im Jahr 2015 allein in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen mehr als drei Millionen Facharbeiter fehlen.

Insgesamt sind knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Jugendlichen bereit, für ihr berufliches Vorankommen Opfer zu bringen. Grundsätzlich bekennt sich also die Mehrheit der Jugendli­chen zu Leistung und Investitionen in die berufliche Zukunft. Immerhin ein gutes Drittel (37 Prozent) der Jugendlichen gibt jedoch privaten Interessen den Vorzug.

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass sich die Mehrheit der Jugendlichen (59 Prozent) bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz selbst in der Verantwortung sieht. Mit großem Abstand folgen die Eltern, bei denen 15 Prozent der Jugendlichen die Verantwortung für ihre berufliche Integration sehen, sowie Betriebe (10 Prozent), Schule (9 Prozent) oder der Staat (7 Prozent).

Einen Mangel an Informationen zur Berufswahl beklagen die Jugendlichen nicht. Entschei­dende Einflussgrößen zur Berufsorientierung sind in diesem Zusammenhang eigene Erfah­rungen, etwa über Praktika, oder die Tätigkeit der Eltern. Broschüren und anderes Informati­onsmaterial spielen hingegen eine untergeordnete Rolle. Insgesamt ist die Berufswahl einer der wenigen Bereiche, in dem Jugendliche ihre Eltern noch um Rat fragen oder ihnen noch Kompetenz zusprechen. Freunde oder Lehrer sind als Ratgeber weniger wichtig. Immerhin nimmt das Internet unter 15 vorgegebenen Einflussgrößen den 7. Platz ein.

Der Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist in diesem Jahr ein Arbeitsschwerpunkt der Bertelsmann Stiftung. Zu diesem Thema wird am 8. September 2005 im Beisein des nord­rhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers der diesjährige Carl Bertelsmann-Preis verliehen. Ausgezeichnet werden vorbildliche Modelle für einen reibungslosen Über­gang von der Schule in die Arbeitswelt.

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Berufswahl Jugendarbeitslosigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise