Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botulinumtoxin zur Migräneprophylaxe: Nicht wirksamer als Placebo

21.07.2005


Das Bakteriengift Botulinumtoxin kann Migräneattacken nicht wirksamer vorbeugen als ein Scheinmedikament. Dies belegt eine Studie an der Neurologischen Universitätsklinik Münster. "Die Injektion von Botulinumtoxin kann Migränepatienten daher nicht empfohlen werden", erklären Experten in den "Kopfschmerz-News", den Mitgliederinformationen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).



Es war ein Zufallsbefund: Frauen, die an Migräne litten und sich aus kosmetischen Gründen das Bakteriengift Botulinumtoxin gegen Falten hatten spritzen lassen, stellten fest, dass mit den Falten auch ihre Kopfschmerzen verschwanden. Darum wird die Wirksamkeit von Botulinumtoxin gegen verschiedene Kopfschmerzformen - von Migräne, über Spannungskopfschmerz bis Clusterkopfschmerz - in zahlreichen Studien geprüft.



Schon vor zwei Jahren hatte eine Arbeitsgruppe um den DMKG-Präsidenten Prof Dr. Stefan Evers von der Neurologischen Klinik der Universität Münster alle damals veröffentlichten Studien kritisch unter die Lupe genommen. Das Fazit: Bei keiner Kopfschmerzform war die Wirksamkeit der Behandlung eindeutig nachgewiesen.

Die Studie:

Um hieb- und stichfeste Daten zu bekommen, haben die Münsteraner Neurologen nun nachgelegt und eine kontrollierte Studie durchgeführt. Die Ärzte teilten 60 Migränepatientinnen in drei Grupppen ein: eine Gruppe bekam eine Spritze ohne Wirkstoff (Placebo), die Patientinnen der zweiten Gruppe erhielten insgesamt 16 Einheiten Botulinumtoxin in den Stirn- und Schläfenmuskel, jene der dritten Gruppe bekamen - neben diesen Injektionen - weitere Spritzen in die Nacken- und Schultermuskulatur.

Das Ergebnis:

Die Botulinumtoxin-Injektionen konnten bei 30 Prozent der Patientinnen die Zahl der Migräneattacken mindestens halbieren. Doch die Placebospritze war vergleichbar wirksam: In der Placebo-Gruppe reagierten 25 Prozent der Frauen auf die Behandlung mit einer mindestens 50prozentigen Reduktion der Attackenfrequenz. Dieser Unterschied war, wie die Experten betonen, "statistisch nicht signifikant". "Diese Studie zeigt, dass die Injektion von Botulinumtoxin einer Placeboinjektion nicht überlegen ist", so die Kopfschmerz-Experten. Sie raten daher Migränepatienten von Botulinumtoxinspritzen ab.

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.
Pressestelle: Barbara Ritzert
ProScience Communications GmbH
Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0
Fax: (08157) 93 97-97
e-mail: ritzert@proscience-com.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Bakteriengift Botulinumtoxin Migräne Migräneprophylaxe Placebo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Krebs erregende Substanzen aus Benzinmotoren

24.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich

24.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Orientierungslauf im Mikrokosmos

24.05.2017 | Physik Astronomie