Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Subjektives Befinden messbar

12.07.2005


Klinische Studien sollten nicht nur medizinische Fakten erfassen



Rezidive, das ist der medizinische Ausdruck für Rückfälle, sind ein typischer Messwert einer klinischen Studie. Wie viele Tumore bildeten sich nach zunächst erfolgreicher Operation oder Strahlentherapie neu? Trat nach einer Infektionskrankheit eine erneute Infektion mit dem ursprünglichen Erreger auf? Angaben über Verabreichungsmengen und -zeiten, Messungen von Verläufen etc. gehören zum Standardrepertoire einer Studie. Doch was ist mit subjektiven Aussagen der Patienten? Soll man sie vernachlässigen? Und wenn man das nicht will, kann man sie in eine aussagekräftige Metrik bringen?

... mehr zu:
»FDA »Outcome-Maße »Psychiatrie


Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat in ihrer Denkschrift "Innovation or Stagnation: Challenge and Opportunity on the Critical Path to New Medical Products" die routinemäßige Einbeziehung subjektiver Outcome-Maße für klinische Studien gefordert (FDA, 2004). Für Privatdozent Dr. Peter Brieger von der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg war dies der Anlass, sich im Rahmen eines von der DFG geförderten Projektes dem Thema "Subjektive und vermeintliche objektive Maße bei chronischen psychischen Erkrankungen" zu widmen.

"Die Pole `Subjektivität? und `Messung? scheinen sich zu widersprechen", erläutert Dr. Brieger. "In unserem Projekt haben wir jedoch gezeigt, dass es relativ einfach möglich ist, die subjektive Sicht der Patienten als Nutzer und Kunden zu erfassen. Wie die FDA anregt, sind wir der Meinung, dass es wünschenswert wäre, subjektive Outcome-Maße in jeder klinischen Studie zu berücksichtigen."

Positive oder negative Aussagen eines Patienten hängen nicht nur von seiner Persönlichkeitsstruktur und damit von seiner Sicht der Welt ab. "Diese These dient oft nur als Schutzbehauptung, sich nicht mit den subjektiven Aussagen befassen zu müssen", vermutet Dr. Brieger. "Im Verlauf einer Studie kann man ganz klar Veränderungen des Befindens nachweisen."

Nur was man messen und vergleichen kann, kann man in einer Studie auswerten. Eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Stefan Priebe vom Barts College of Medicine, University of London, hatte in früheren Arbeiten diskutiert, dass sich viele relativ komplexe Konstrukte zur Erfassung subjektiver Outcome-Maße (z.B. für Angst oder Depression, für Bedürfnisse - "needs", subjektive Lebensqualität oder Zufriedenheit) auf einen zugrunde liegenden Generalfaktor hinreichend reduzieren lassen. "Wenn es also gar nicht so kompliziert ist, das subjektive Befinden zu messen, sollten wir es auch viel öfter tun", folgert Dr. Brieger.

Während eines Forschungsaufenthaltes in London validierte er die These und wertete Daten zweier Studien aus: zum einen bezog sich Dr. Brieger auf eine Studie über Patienten mit bipolaren Störungen, zum zweiten befaßt er sich mit einer Studie über berufliche Rehabilitation psychisch Kranker.

Nach einem intensiven inhaltlichen und methodischen Diskussionsprozess erfolgte die abschließende Auswertung der Daten in enger Kooperation zweier Arbeitsgruppen in Halle und London. Im ersten Datensatz untersuchte Dr. Brieger unterschiedliche Outcome-Variablen auf eine zugrunde liegende gemeinsame Struktur. Im zweiten Datensatz führte er verschiedene subjektive Outcome-Maße auf einen "Meta-Faktor" zurück. "Unsere Analysen bestärken uns in der Ansicht, dass es möglich ist, besser und kürzer in klinischen Studien patientenbestimmte Outcome-Kriterien zu erfassen", bekräftigt Dr. Brieger. "Die Konsequenzen würden über das Fach Psychiatrie hinaus gehen: durch die Vereinfachung und Beschränkung auf wesentliche Aspekte werden vielleicht weniger Kollegen abgeschreckt, auch die subjektiven Faktoren in ihren klinischen Studien zu berücksichtigen. Und damit kämen sie den Wünschen der FDA nach."

Jens Müller
Pressereferent
Klinikum der Medizinischen Fakultät
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06097 Halle (Saale)
T: 0345 / 557 - 1032
F: 0345 / 557 - 5749

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: FDA Outcome-Maße Psychiatrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit