Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Mythos vom Eigennutz: Psychologische Studie zu Gerechtigkeit im Gesundheitssystem

07.07.2005


"In der einen Hälfte des Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben. In der anderen Hälfte opfern wir Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen", soll Voltaire einmal gesagt haben. Mehr finanzielle Eigenleistung müssen Krankenversicherte seit der Gesundheitsreform im vergangenen Jahr aufbringen, die weiterhin lebhaft diskutiert wird. Bei der Verteilung knapper Mittel im Bereich der Gesundheitsversorgung scheinen harte Kämpfe um die Leistungen und Lasten unausweichlich. Aber wie denken die Bürgerinnen und Bürger über das derzeitige deutsche Gesundheitssystem



Diese Frage stand im Zentrum eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts von Prof. Dr. Elisabeth Kals, Professur für Sozial- und Organisationspsychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Juliane Kärcher. Grundlage der Untersuchung sind Gespräche mit Vertretern von Krankenversicherungen, Selbsthilfe- und Patientengruppen sowie ärztlichen Vereinigungen. Hinzu kommt eine Umfrage in der Bevölkerung, für die sich die Psychologen ausdrücklich sowohl an gesetzlich als auch privat Versicherte wandten.



Die Ergebnisse der sozialpsychologischen Untersuchung sind bemerkenswert und enthalten wertvolle Hinweise für die Entscheidungsträger: Insgesamt wird ein auf dem Solidarprinzip ruhendes Gesundheitssystem von der Mehrheit der rund 500 Befragten akzeptiert und wertgeschätzt. Diese sind durchaus dazu bereit, für ein in ihren Augen gerechtes Gesundheitswesen mehr aufzubringen. Dazu wird aber eine deutlich größere Transparenz gefordert. Bei aller grundsätzlichen Zustimmung wurden außerdem Ineffizienz und fehlende Fairness im System kritisiert. Geht es um die Verteilung von Leistungen und Beitragslasten der Krankenversicherungen, ist die Frage nach der Bedürftigkeit essentiell für die Befragten; diese wird von ihnen als grundlegendes Menschenrecht auf eine Versorgung im Krankheitsfall beschrieben. Bei diesen Einschätzungen spielen der eigene Gesundheitszustand oder die individuelle finanzielle Situation keine Rolle, so dass sie nicht als Rhetorik zur Durchsetzung von Eigeninteressen zu sehen sind. "Die Hauptbotschaft unserer Untersuchung ist, dass den Menschen - entgegen des ökonomischen Verhaltensmodells - nicht nur der Eigennutz treibt. Wir konnten empirisch nachweisen, dass ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden vorhanden ist", erklärt Juliane Kärcher. Gerechtigkeitspsychologie befasse sich nicht damit, ob das Gesundheitssystem faktisch gerecht ist, sondern ob es die Menschen als gerecht empfinden. Bei Verteilungskonflikten würden vor allem ökonomische Faktoren untersucht. "Wenn jedoch das subjektive Gerechtigkeitsempfinden missachtet wird, kostet die Durchsetzung mehr Energie und Geld und ist meist mit sozialem Unfrieden verbunden."

Constantin Schulte Strathaus | idw
Weitere Informationen:
http://www.ku-eichstaett.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung