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Gesundheitsbranche braucht Innovationen

27.06.2005


Impulskreis "Gesundheit" der Initiative "Partner für Innovation" veröffentlicht Studie zur Innovationsleistung im Gesundheitssektor

Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland bietet große Wachstumspotenziale - so lautet das Ergebnis einer aktuellen Benchmark-Studie der Boston Consulting Group, die der Impulskreis "Gesundheit", eine der Fachgruppen der Initiative "Partner für Innovation", in Auftrag gegeben hat. Die Experten schätzen, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren über 50.000 Arbeitsplätze in den Bereichen Pharma/Biotechnologie, Medizintechnik/Diagnostik und Health Care-IT entstehen können - wenn die Innovationskraft mit gezielten Maßnahmen in diesem Wirtschaftssektor gestärkt wird.

"Die Studie zeigt, welches Leistungspotenzial in der hiesigen Gesundheitsbranche steckt", sagt Hubertus Erlen, Vorstandsvorsitzender der Schering AG und Leiter des Impulskreises "Gesundheit" der "Partner für Innovation". "Deutschland fehlt es aber noch an anreizorientierten Strukturen und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen, um international wettbewerbsfähig zu sein. Nur marktorientierte Rahmenbedingungen schaffen Wachstum und Beschäftigung. Vor allem muss sich auch Fortschritt durch attraktive Preise für innovative Produkte wieder lohnen." Anhand eines komplexen Innovationsindexes, der die Rahmenbedingungen bei der Entstehung von Innovationen untersucht, haben die Wirtschaftsberater der Boston Consulting Group die Innovationsleistung der einzelnen Länder in der Studie erfasst. Neben Deutschland bewertet sie auch die Innovationsleistung der USA, von Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und Japan.

Pharmaindustrie mit großen Wachstumschancen

Defizite deckt die Studie vor allem in der Pharma- und Biotechnologiebranche auf. Im Länder-Ranking liegt Deutschland hinter den Wettbewerbern auf dem letzten Platz (35 Prozent). Mit einem weltweiten Umsatz von 371 Milliarden Euro (2003) und einer jährlichen Wachstumsrate von sechs bis zehn Prozent bietet dieser Sektor jedoch auch große Wachstumschancen. Die Studie führt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit auf verschiedene Faktoren zurück: Probleme gebe es vor allem bei der Umsetzung von Ideen aus der Grundlagenforschung in wettbewerbsfähige Produkte. Innovationen seien schwer zu finanzieren, da die Medikamentenpreise für innovative Produkte deutlich niedriger seien als in den USA und es für neue Unternehmen hierzulande schwieriger sei, Risikokapital zu erlangen. Darüber hinaus fallen die Pro-Kopf-Forschungsmittel in der Grundlagenforschung der biomedizinischen Wissenschaften zu niedrig aus. Auch bürokratische Hürden werden bemängelt, durch die sich die Entwicklung von neuen Medikamenten unnötig verzögert. So sind die Bearbeitungszeiten des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) deutlich länger als in anderen europäischen Ländern. Dr. Erlen begrüßt daher den Gesetzesentwurf zum Umbau des BfArM zu einer leistungsfähigen und eigenständigen Agentur.

Nachholbedarf hat Deutschland darüber hinaus im Health Care-IT-Bereich. Die deutsche Gesundheitswirtschaft belegt hier den vorletzten Platz (42 Prozent) im Länder-Ranking. Mit 28 Prozent der amerikanischen Innovationsleistung schnitt nur Großbritannien noch schlechter ab. Die zügige Entwicklung des Health Care-IT-Bereichs werde vor allem durch die bestehenden Datenschutzgesetze behindert, die, so die Empfehlung der Boston Consulting Group, europaweit einheitlich gestaltet sein müssten. Aus Sicht der Experten versprechen IT- Lösungen erhebliche Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen: Gesundheitskarte oder elektronische Patientenakte ermöglichen die Speicherung von Patientendaten; Doppeluntersuchungen könnten künftig vermieden werden. "Die Kosten im Krankenhaus lassen sich durch die elektronische Patientenakte deutlich senken. Bisher fehlen hier aber eindeutige Richtlinien wie beispielsweise ein Telematikgesetz", sagt Prof. Dr. Erich R. Reinhardt, Vorsitzender des Bereichsvorstandes von Siemens Medical Solutions, ebenfalls Mitglied in der Initiative "Partner für Innovation".

Medizintechnik erweist sich als wettbewerbsfähig

Als sehr leistungsfähig beurteilen die Wirtschaftsberater der Boston Consulting Group dagegen die Medizintechnik. Ob Implantate, chirurgische Instrumente, Praxis- und Krankenhauseinrichtungen oder Diagnostika: Deutschland liegt hier nahezu gleichauf mit dem Marktführer USA und erreicht 97 Prozent der amerikanischen Innovationsleistung. Projekte wie die 64-Schicht-Technologie in der Computertomographie oder die so genannte Tim-Technologie (Total imaging matrix), die die Möglichkeiten der Magnetresonanztomographie erweitert, bezeugen das hohe Potenzial der Medizintechnik in Deutschland. Auch das mit dem Deutschen Zukunftspreis 2004 ausgezeichnete "Lab-on-a-Chip-System" (kurz: "quicklab"), mit dem Krankheiten anhand eines Bluttropfens frühzeitig erkannt werden können, stellt die Innovationskraft deutscher Forscher und Ingenieure unter Beweis. Dass die Innovationsleistung in der Medizintechnik dennoch beträchtlich gesteigert werden kann, davon gehen die Experten der Consulting-Gruppe in der Studie aus. Allein 16.000 Arbeitsplätze ließen sich in diesem Segment schaffen.

Zehnpunkteplan soll Innovationskraft steigern

Mit einem Zehnpunkteplan haben die Experten der Boston Consulting Group einen Handlungskatalog erstellt, der spezifische Maßnahmen zur Steigerung der Innovationskraft in Deutschland empfiehlt. Dabei stellt die Verbesserung des Wissenstransfers zwischen Forschung und Industrie eine Hauptforderung dar. Einer gezielteren Förderung bedürfen aus Sicht der Wirtschaftsberater sowohl die Grundlagenforschung als auch die klinische Forschung. Kompetenzzentren versprechen hier, Know-how aus Wirtschaft und Wissenschaft zu bündeln. Ferner sollen staatliche Anreizsysteme geschaffen, die Autonomie und der Wettbewerb zwischen Hochschulen gestärkt sowie die öffentlichen Forschungsmittel auf ein internationales Niveau angehoben werden. Der Transfer von der Idee zum marktreifen Produkt ließe sich beispielsweise durch schnellere Zulassungsverfahren oder vereinfachte Ethikkommissionsverfahren verbessern. "Der Zehnpunkteplan zeigt, was getan werden muss, damit wir wieder Vorsprung durch Innovation erlangen", sagt Hubertus Erlen. "Bürokratische Hindernisse müssen abgebaut und die Finanzierung von Innovationen über attraktive Marktpreise für patentgeschützte Produkte gewährleistet sein."

"Partner für Innovation": Ideen erfolgreich machen

In der Initiative "Partner für Innovation" haben sich namhafte Unternehmen, Verbände, Institutionen und Politik zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen die Partner ein neues Klima für Innovation in Deutschland schaffen. In 15 Fachgruppen erarbeiten mehr als 300 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gewerkschaften konkrete Projekte, die Deutschland nach vorn bringen.

Katja Möller | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.innovationen-fuer-deutschland.de

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