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Deutsche IT-Chefs im Ländervergleich skeptisch

09.06.2005


Aktuelle Studie von Vanson Bourne im Auftrag von Mercury untersucht die Auswirkungen neuer Compliance-Regulierungen auf IT-Verantwortliche in Europa


Die Aussicht auf Veränderungen durch Compliance-Vorgaben wie Basel II, IAS oder Sarbanes-Oxley löst bei deutschen ITVerantwortlichen bislang noch große Skepsis aus. So ergab die weltweite Studie „IT Governance und Compliance*“ des weltweiten Marktführers im Bereich Business Technology Optimization (BTO) Mercury in Zusammenarbeit mit Vanson Bourne, dass IT-Verantwortliche von einer Reihe an Befürchtungen geplagt werden, wenn sie auf das Thema Compliance angesprochen werden. Verlust von Budgetverantwortung, Einblick Externer in wichtige Unternehmensabläufe und die Sorge, der Service Level im eigenen Unternehmen reiche noch nicht aus, gehören zu den Bedenken in deutschen IT-Abteilungen. Im europäischen Vergleich outen sie sich damit als Kontrollfreaks – unsere Nachbarn in Großbritannien und Frankreich nämlich sehen diese Faktoren um einiges gelassener.

Leicht, ganz leicht zeichnet sich am Horizont der viel beschworene Silberstreif ab: In einigen Branchen am deutschen Markt ziehen die Absatzzahlen spürbar an und auch die Budgets tendieren wieder in Richtung „steigend“. Doch trotz aufmunternder Worte aus Politik und Wirtschaft ist die Stimmung in deutschen Unternehmen noch immer angespannt: Die hohen Arbeitslosenzahlen, Unsicherheiten aus den Reformprogrammen, anstehende Neuwahlen und einige wichtige Veränderungen, die die Compliance-Vorgaben aus Brüssel mit sich bringen, setzen die Verantwortlichen in den Unternehmen stark unter Druck. Kein Wunder also, dass auch die IT-Verantwortlichen – vom Abteilungsleiter bis hin zum CIO – im Moment eher mit Skepsis reagieren, wenn es um Chancen und Vorteile der neuen Wirtschaftsregulationen geht.


Hält der Service Level den Anforderungen stand?

So gehen stolze 60 Prozent der Befragten in deutschen Unternehmen beispielsweise davon aus, dass ihr Service Level erst noch spürbar verbessert werden muss, um die neuen Regulationen auch umsetzen zu können. Die französischen Kollegen können diese Sorge zumindest ein wenig nachvollziehen, sie teilen sie zu knapp 40 Prozent. Auf völlige Verständnislosigkeit stößt eine solche Angst allerdings bei den Briten: hier sind es gerade einmal 20 Prozent. Peter Prestele, Managing Director Central Europe bei Mercury, lokalisiert mehrere Gründe, wieso sich deutsche IT-Chefs in diesem Punkt so skeptisch zeigen: „Abgesehen davon, dass hier der in internationalen Märkten sehr geschätzte Faktor ‚deutsche Gründlichkeit’ und die damit verbundene hohe Selbstkritik sicherlich eine Rolle spielt, kommt beim Thema Service Level der Kostenfaktor hinzu: Seit einigen Jahren schon bemängeln IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen, dass sie im Vergleich zu den meisten anderen westeuropäischen Ländern weniger Budget zur Verfügung haben.“

Das belegt auch eine weitere Mercury-Marktstudie*, die in Zusammenarbeit mit EIU entstand: Europaweit nennen die deutschen IT-Verantwortlichen den Faktor „mangelndes IT-Budget“ als größtes Hemmnis für die Umsetzung der EU-Regulierungen im Unternehmen (Deutschland: 53 Prozent, während der Europa-Durchschnitt bei knapp 38 Prozent liegt). Allgemein aber herrscht die Meinung: Wer einen guten Service gewährleisten will, muss Geld investieren.“ Der Lösungsvorschlag des Mercury-Managers: „In den meisten Fällen lässt sich bereits durch konsequente Optimierung der IT – am besten mit Hilfe eines kompetenten Partners – eine deutliche und messbare Qualitätssteigerung des Service Levels erreichen.“

Kontrollverlust muss nicht sein

Ebenso deutlich wird die innere Distanz der deutschen IT-Verantwortlichen gegenüber den EU-Regulierungen, wenn es um das Thema Kontrollverlust geht. So befürchten beispielsweise rund 58 Prozent, dass sie Gefahr laufen, die Budgetverantwortung ganz oder teilweise den Finanzchef oder Geschäftsführer des eigenen Unternehmens zu verlieren. Dies ist allerdings eher unwahrscheinlich, da Compliance-Investitionen zu einem großen Teil der IT-Kostenstelle eines Unternehmens zugerechnet werden. Nur knapp 40 Prozent der Franzosen und rund 36 Prozent der Befragten in Großbritannien teilen denn auch diese Befürchtungen. Peter Prestele erklärt: „Es zeichnet sich tatsächlich ab, dass die Rolle des CIO oder IT-Chefs auch in deutschen Unternehmen derzeit einem Wandel unterzogen ist: Er soll zunehmend Management-Aufgaben übernehmen und Faktoren wie Kosteneffizienz, Return of Invest, Transparenz und Skalierbarkeit gegenüber der Geschäftsleitungs- oder Vorstandsebene präsentieren und verantworten können. Das ist eine Chance – kein Verlust. Mit den richtigen Werkzeugen ausgestattet, kann er sich durch die Vereinfachung des Berichtswesens und die Straffung der Abläufe einen sicheren Stand im Unternehmen schaffen.“

Keine Angst vor Big Brother

Die deutlichste Kluft zwischen den Ländern zeigt sich im Bereich Vertrauen: Während nur 15 Prozent der Briten und rund 36 Prozent der Franzosen fürchten, dass ihnen im Rahmen von Compliance Unternehmensexterne leichter über die Schulter blicken können, erwarten rund 58 Prozent der Deutschen eine deutliche Zunahme von Wirtschaftsprüfungen. Die recht guten Erfahrungen, die beispielsweise die Briten bislang mit ihrem offeneren System gemacht haben, beeindrucken die IT-Chefs hierzulande nicht sehr. Es gilt, alle Daten, die für die Konkurrenz interessant sein könnten, vor unberechtigtem Zugriff zu schützen. „In diesem Fall ist es vor allen Dingen wichtig, dass Zugriffsberechtigungen und ITManagement glasklar definiert und entsprechend auch in der Unternehmens-IT verankert sind“, so Peter Prestele.

Fazit: IT als Business betreiben

Nur in zwei Fällen zeigen sich die Franzosen ängstlicher als ihre deutschen Kollegen: Im Bereich „Angst vor Outsourcing“ und bei der Befürchtung, durch Compliance den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Ansonsten – wie beispielsweise bei der Sorge um mögliche Budget- oder Datenverluste – erweisen sich die Deutschen als die größten Skeptiker in Westeuropa. Völlig entspannt dagegen die Briten: Abgesehen von der oben genannten Befürchtung, der Finanzchef des Unternehmens könnte ihnen ihr Budget streitig machen, schreckt sie im Bereich Compliance so gut wie nichts. „So lange konjunkturell gesehen in Deutschland noch keine Entwarnung gegeben werden kann“, so Peter Prestele, „ist es verständlich, dass den IT-Chefs die rechte Begeisterung für das Thema Compliance noch fehlt. Aber insgesamt zeigt die Studie auch, dass die Verantwortlichen in den Unternehmen noch zu wenig Selbstbewusstsein beweisen: Sie betrachten ihre Abteilung zu sehr als reinen Kostenfaktor – und weniger als geschäftsrelevanten Motor, der den Wert und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im Markt sicherstellen kann. Durch ein gesundes BTO-Konzept und professionelles IT-Government beispielsweise lassen sich die IT-Kosten maßgeblich senken – während gleichzeitig Effizienz und Transparenz der Abläufe messbar gesteigert werden.“

Kathrin Geisler | Harvard Public Relations GmbH
Weitere Informationen:
http://www.mercury.com
http://www.harvard.de

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