Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die alternde Gesellschaft braucht Haushaltshilfen und Pflegekräfte - IAT-Studie

30.05.2005


Mit professionellen und hochwertigen Angeboten contra Schwarzarbeit


In mehr als 45 Prozent aller Haushalte in Deutschland leben Menschen über 55 Jahre. Mit zunehmendem Alter - und oft dem Wunsch, möglichst noch lange in den eigenen vier Wänden zu wohnen - wächst der Bedarf an Hilfe im Haushalt und bei der Pflege. Allein aufgrund des Bedarfs der 50- bis 79-Jährigen könnten im Bereich der haushalts- und personenbezogenen Dienstleistungen rein rechnerisch rund 650 000 Arbeitsplätze entstehen. Allerdings haben es professionelle Dienstleister nach wie vor schwer, sich zu "Marktpreisen" durchzusetzen: Die Zahlungsbereitschaft der potenziellen Kundschaft ist gering, viele Ältere scheuen es, sich im Haushalt helfen zu lassen oder ziehen es vor, von Angehörigen versorgt zu werden, statt Pflegedienste in Anspruch zu nehmen oder in einem Pflegeheim versorgt zu werden.

Die Betreuung pflege- und hilfsbedürftiger Personen wird bislang überwiegend von näheren Angehörigen geleistet: Von den 1,4 Millionen Pflegebedürftigen in Privathaushalten, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, werden nur 435 000 auch oder ausschließlich von ambulanten Pflegediensten versorgt. Das Ausmaß von Schwarzarbeit in diesem Bereich ist kaum zu beziffern: es kann sich um die einheimische Nachbarin handeln, die gelegentlich "hilft", aber auch um illegale ausländische Hilfskräfte, die offenbar vor allem gefragt sind, wenn Bedarf an einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung besteht Nach aktuellen Schätzungen liegt die Zahl illegaler polnischer Pflegekräfte in deutschen Pflegehaushalten derzeit bei 50 000 bis 60 000 Personen. Die Kosten für solche Kräfte liegen mit 500 bis 800 Euro pro Monat (plus Kost und Logis) weitaus niedriger als entsprechende legale Angebote, für die mindestens 3 000 bis 5 000 Euro aufgewendet werden müssen.


"Aber es sind keineswegs alleine die Kosten, die eine breitere Inanspruchnahme professioneller Dienstleistungen verhindern", betont Dr. Claudia Weinkopf, Forschungsdirektorin am Institut Arbeit und Technik (IAT / Gelsenkirchen), die für den 5. Altenbericht der Bundesregierung eine Expertise zum Thema erstellt hat. "Vielmehr sind entsprechende Dienste oft gar nicht bekannt oder es mangelt sogar an geeigneten Anbietern und attraktiven Angeboten."

Dabei verspricht die wachsende Zahl älterer Menschen grundsätzlich gute Chancen für Anbieter entsprechender Dienstleistungen. Der Markterfolg stellt sich jedoch nicht von alleine ein. Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe, sondern haben je nach Lebenssituation, Gesundheitszustand und Lebensstil ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Erfolg versprechend erscheinen vor allem qualitativ hochwertige "Dienstleistungspakete" aus einer Hand, die auf den jeweils individuellen Unterstützungsbedarf zugeschnitten sind. Das Spektrum kann etwa von der Hilfe im Haushalt, beim Einkauf, Begleitung bei Behördengängen, Pflege bis hin zu Freizeitangeboten reichen. Auch wenn z.B. bauliche Veränderungen in der Wohnung notwendig sind, um weiter selbständig leben zu können, sind Angebote aus einer Hand gefragt. Viele Senioren vergeben Arbeiten ungern an "anonyme" Anbieter, weil ihnen Vertrauen besonders wichtig ist, und wünschen feste Ansprechpartner und Bezugspersonen.

Das Interesse vieler Kunden an Qualität und Verlässlichkeit von Dienstleistungen bietet professionellen Anbietern grundsätzlich gute Chancen, sich vom Schwarzmarkt abzugrenzen. Können sie selbst nicht das gesamte Spektrum der Bedürfnisse abdecken, so bieten sich Kooperationen mit anderen spezialisierten Dienstleistern an. "Es gibt bereits einige positive Beispiele hierfür in der Praxis, aber in der Breite ist das Angebot noch lückenhaft", stellt Weinkopf fest. "Hier werden Chancen für die Entstehung neuer qualifizierter Arbeitsplätze verschenkt. Dies ist umso bedauerlicher, als hiervon auch ältere Beschäftigte, die auf dem Arbeitsmarkt besonders schlechte Karten haben, profitieren könnten. Denn diese bringen nach Erfahrungen verschiedener Dienstleister in diesem Feld oft gerade diejenigen Fähigkeiten und Kompetenzen mit, auf die Senioren besonderen Wert legen."

Die Politik sollte die Entwicklung innovativer Dienste für Senioren modellhaft unterstützen, indem sie - insbesondere auf der problemnahen kommunalen Ebene - ein Forum bietet, in dessen Rahmen Ideen entwickelt und Kooperationen angestoßen werden können. Letztlich bleibt es aber Sache der Unternehmen, den Markt für professionelle Dienstleistungen für Senioren besser zu erschließen.
Weinkopf, Claudia, 2005: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Ältere: Expertise für den 5. Altenbericht der Bundesregierung "Potentiale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft - der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen", im Auftrag des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA)

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. Claudia Weinkopf
Durchwahl: 0209/1707-142

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://iat-info.iatge.de/aktuell/veroeff/2005/weinkopf01.pdf

Weitere Berichte zu: Altenbericht Dienstleistung Pflegekraft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau