Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unbundling ist die größte Herausforderung für Energieversorger

25.05.2005


Viel Aufwand, wenig Nutzen: Dies befürchtet die deutsche Energiebranche als Folge des Unbundlings. Diese von der EU vorangetriebene Pflicht, den Betrieb der Netze von den anderen Tätigkeitsfeldern der Energieversorger zu trennen, soll verhindern, dass prohibitiv hohe Netznutzungsentgelte Anbietern ohne Netz den Stromvertrieb erschweren. In der Praxis jedoch führen die Vorschriften nach Ansicht der Branche dazu, dass die Kosten steigen, die Konsolidierung sich beschleunigt und vor allem kleinere Anbieter auf der Strecke bleiben. Das zeigt der Branchenkompass Energieversorger 2005, eine aktuelle Studie der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting und des F.A.Z.-Instituts.


Basis der Untersuchung ist eine Forsa-Umfrage unter 100 Top-Entscheidern der Branche in Deutschland. Ihnen bereitet das Unbundling derzeit die größte Sorge: In einer offenen Frage nach den größten Herausforderungen der kommenden drei Jahre nennen spontan 44 Prozent der Manager diese Vorschriften von EU und Bundesregierung. Unter den Verbundkonzernen sowie den Regionalversorgern erreicht der Anteil sogar 67 Prozent.

Die Befragung vor drei Jahren ermittelte den Preiswettbewerb bei 43 Prozent der Befragten noch deutlich an erster Stelle der Herausforderungen. Der Konsolidierungsprozess, 2002 noch Nummer vier, findet keine Erwähnung mehr. Das einstige Reizwort Liberalisierung ist im Ranking vom dritten auf den siebten Platz gerutscht. Für die Energieversorger scheinen die größten Herausforderungen somit nicht aus der Anforderung zu resultieren, sich durch eigenes Handeln im Wettbewerb behaupten zu müssen, sondern aus der Unsicherheit bezüglich politischer und gesetzlicher Änderungen. An zweiter Stelle der aktuellen Problemliste steht das neue Energiewirtschaftsgesetz, an dritter die Regulierung.


Maßnahmen als Antwort auf die Herausforderungen der Branche (Mehrfachnennungen möglich):

Umstrukturierung: 38 Prozent
Prozessmanagement: 16 Prozent
Netzoptimierung: 13 Prozent
Mitarbeiterqualifikation: 12 Prozent
Kostenminimierung, Controlling: 12 Prozent
Projektgruppen zur EnWG-Umsetzung: 11 Prozent
IT-Umstellung: 10 Prozent
Externe Berater: 6 Prozent
Neue Geschäftsfelder erschließen: 6 Prozent
Kooperationen: 6 Prozent
Kundenbindung verbessern: 6 Prozent

„Umstrukturierungen als Maßnahme, das Unbundling umzusetzen, stehen in vielen Energieversorgungsunternehmen ganz oben auf der Agenda“, kommentiert Rainer Poremba, Branchenspezialist bei Steria Mummert Consulting, die Situation der Energieunternehmen. „Zwei von fünf Entscheidern haben nach unserer Studie entsprechende Pläne, die von der räumlichen, technischen und personellen Trennung der jeweiligen Abteilungen in den Unternehmen bis hin zur Auslagerung der Vertriebsleistungen reichen.“ Die zweitwichtigste Maßnahme ist die Verbesserung der Unternehmensabläufe durch Prozessmanagement knapp vor Netzoptimierung.

Da dies hohe Kosten verursacht, gehen vier von fünf Managern davon aus, dass vor allem kleinere Versorger in Not geraten werden. Die Hälfte der Befragten fürchtet, dass sich die Konsolidierung der Branche beschleunigt. Dagegen glauben nur ein Viertel, dass die Pläne wirklich zu mehr Wettbewerb führen. In der Folge erwarten die Unternehmen mehrheitlich ebenfalls nicht, dass das Unbundling in Verbindung mit dem neuen Energiewirtschaftsgesetz zu sinkenden Preisen für Strom in Deutschland führt – nur ein Fünftel der befragten Manager geht hiervon aus.

Hintergrund dieser Ansicht ist die Vermutung, dass neben den einmaligen Kosten des Unbundlings auch höhere laufende Kosten durch den Verlust von Synergien entstehen. Konkret planen 58 Prozent der Entscheider, in den kommenden drei Jahren jeweils mehr in Reorganisation zu investieren als bisher. Insgesamt sind 8 Prozent der Investitionsbudgets hierfür verplant, womit die staatliche Regulierung die Branche erheblich belastet. Dies gilt umso mehr, da vielfach auch neue Software nötig ist, um den Anforderungen der Trennung von Netz und Vertrieb gerecht zu werden. 43 Prozent der Versorger wollen deshalb mehr Gelder in die Informationstechnik fließen lassen als in den Vorjahren.

Der „Branchenkompass Energieversorger“ der Unternehmensgruppe Steria Mummert Consulting und des F.A.Z.-Instituts zeigt, wie sich die Energieversorger in Deutschland in den kommenden Jahren aufstellen wollen. Mit welchen Maßnahmen begegnen sie den derzeitigen Herausforderungen? Wo werden sie verstärkt investieren? Was tun sie für die Kundenbindung? Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Januar 2005 100 Topentscheider aus 100 der größten Energieversorger Deutschlands nach ihren Strategien bis 2007 befragt.

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert-consulting.de

Weitere Berichte zu: Energieversorger Konsolidierung Unternehmensgruppe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften