Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGAI - Studie belegt: Parallelnarkose kann Sterberisiko bei Patienten erhöhen

23.05.2005


Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) - Studie belegt: Parallelnarkose kann Sterberisiko bei Patienten erhöhen


Noch nie waren Narkosen so sicher wie heute. Doch wenn Zwischenfälle auftreten, handelt es sich häufig um lebensbedrohliche und gefährliche Krisen. In solchen Situationen ist es unabdingbar, dass der Anästhesist im Operationssaal persönlich anwesend ist. Denn wenn bei einem Zwischenfall unmittelbar ein Narkosearzt zurate gezogen werden kann, sinkt das Sterberisiko der Patienten um mehr als die Hälfte. Das belegen die Ergebnisse einer aktuellen niederländischen Studie (Anesthesiology, V 102, No 2, Feb 2005). Sie zeigt außerdem auf, wie die Patientensicherheit im Operationssaal noch weiter verbessert werden kann.

"Eine Narkose ist heute fast so sicher wie eine Flugreise", sagt Professor Dr. med. Joachim Radke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Dass ein Patient nach einer Operation nicht wieder erwacht, ist sehr selten. Von 100.000 Patienten ohne absehbares Anästhesierisiko stirbt in Deutschland heute einer. Diese Zahl bleibt trotz zunehmend riskanter operativer Eingriffe konstant: Die Patienten sind durchschnittlich älter und leiden häufiger an Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.


Eine Studie des Niederländers Diederick Grobbee vom Julius Center for Patient Oriented Research in Utrecht hat gezeigt, dass das Sterberisiko deutlich sinkt, wenn der Narkosearzt seine Ausstattung nach einem festgelegten Protokoll und mit einer Checkliste überprüft. Auch die schriftliche Dokumentation der Überprüfung schafft mehr Sicherheit. Als entscheidend in der Untersuchung erwies sich auch die Anwesenheit eines Narkosearztes im Operationssaal: Zwischenfälle, bei denen unmittelbar ein Narkosearzt zugegen war, endeten halb so oft tödlich wie bei der Betreuung durch eine Narkoseschwester, in einigen europäischen Ländern vertritt sie den Narkosearzt. Günstig wirkte sich auch aus, wenn es während der Operation keinen Schichtwechsel des Narkosearztes gab und die Narkoseschwester in Vollzeit beschäftigt war.

Beides gewährleistet eine kontinuierliche Betreuung des Patienten, was im Notfall über Leben oder Tod entscheiden kann. Trotz eindeutiger juristischer Vorgaben gegen die Parallelnarkose und des erhöhten Risikos für den Patienten planen private Krankenhausbetreiber in Deutschland nun "Medizinische Assistenten für Anästhesiologie (MAFA)" auszubilden. Sie sollen "einfache Narkosen" bei "absehbar risikolosen Patienten" selbst leiten, so dass der Anästhesist parallel weitere Patienten betreuen kann. Aufgrund der aktuellen Studie aus den Niederlanden warnt die DGAI davor, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen. Eine generelle, dienstplanmäßig festgelegte Delegation anästhesiologischer Leistungen ist mit Blick auf eine größtmögliche Sicherheit des Patienten unvereinbar.

"Wir dürfen und wir wollen unsere Patienten nicht im Stich lassen", so die anästhesiologischen Fachverbände.

DOWNLOAD:
Münsteraner Erklärung: Gemeinsame Stellungnahme des BDA und der DGAI zur Parallelnarkose (PDF)www.dgai.de/downloads/MuensteranerErklaerung_Parallelnarkose11-04.pdf

Kontakt für Rückfragen:

DGAI Pressestelle
Silke Jakobi
Postfach 30 11 20
D-70451 Stuttgart
Telefon: 0711 89 31 - 163
Fax: 0711 89 31 - 566
E-Mail: info@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgai.de

Weitere Berichte zu: Anästhesiologie DGAI Operationssaal Parallelnarkose Sterberisiko

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften