Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hauptamtliche Aufsichtsräte statt La-Paloma-Mentalität

23.05.2005


In vielen Kapitalgesellschaft findet nur eine Pseudokontrolle statt



Nach einer Studie der Unternehmensberatung Heidrick & Struggles fehlt es den Aufsichtsräten häufig an Kompetenz, Unabhängigkeit, Erfahrung und Zivilcourage. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) schlägt deshalb die Installation von hauptamtlichen Aufsichtsräten vor, um sich von der "La-Paloma"-Mentälität vieler Gremienvertreter zu verabschieden. Zudem wird eine höhere Vergütung angeregt. Wenn der Aufsichtsrat gerade einmal das Jahresgehalt einer Putzfrau erhalte, dann dürfe man sich über miserable Arbeit auch nicht wundern. Aktuelle Überlegungen gehen daher in der Richtung, einen professionellen Aufsichtsrat mit dem halben Gehalt eines Vorstandsvorsitzenden auszustatten. Der Wandel vom "klassischen Jasager-Gremium und devoten Abnickverein zu einem kritischen Begleiter der Unternehmensentwicklung" sei aber noch lange nicht vollzogen, schreibt der Managementexperte Christof Schössler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Wirtschaftsbild. Früher sei häufig dasjenige Mitglied am besten vorbereitet gewesen, das die längste Anreise hatte.

... mehr zu:
»Aktionärsrecht


Ein weiteres Manko: In vielen Aufsichtsräten werde zu viel präsentiert und zu wenig diskutiert. "Das Verhältnis zwischen Vortrag und Diskussion liegt bei zwei Drittel zu einem Drittel - eine genau umgekehrte Verteilung wäre effektiver", so der Autor. Außerdem seien viele Aufsichtsräte zu groß und daher schwerfällig. "Gerade mitbestimmte Gremien sind mit zwölf, 16 oder gar 20 Mitgliedern für ein effizientes, zügiges Arbeiten einfach zu groß. Wasserkopfartige, überdimensionierte Gremien sind oft nicht besonders leistungsstark. Die Qualität der Arbeit hängt also nicht von der Quantität ab, ganz im Gegenteil: Die Gesetzesvorschriften erzwingen Vertretungen der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten. Dies führt teilweise zu Gremien mit 20 Personen. Ein solches Gremium ist nur noch eingeschränkt leistungsfähig. Deutschland kann in Sachen Mitbestimmung keinen Sonderweg oder deutschen Weg beschreiten", kommentiert der Bonner Rechtsanwalt Markus Mingers von der Kanzlei Mingers & Land. Kein Land verfüge über ein derartiges Modell wie Deutschland.

Doch wenn manche Aufsichtsräte als "Pseudokontrolleure" bezeichnet werden können, so lässt sich das auch auf die Zurückdrängung der Aktionärsrechte übertragen. Dadurch fällt ebenfalls Kontrolle weg. In der aktuellen Debatte über die Auswüchse des Kapitalismus wird nach Ansicht von Hannjörg Hereth, der 23 Jahre als Top-Manager beim Metro Handelskonzern tätig war, zu wenig über die Demontage der Aktionärsrechte diskutiert. Entscheidend sei die Stärkung des Eigentumsprinzip, besonders bei Aktiengesellschaften. "Die Kontrollrechte und Anfechtungsrechte der Minderheitsaktionäre müssen gestärkt werden. Die derzeitige Aktienrechtsnovelle hat in Verkennung der Situation genau das Gegenteil getan", kritisiert Hereth.

Die Minderheitsaktionäre müssten zwingend im Aufsichtsrat vertreten sein. "Zudem sollten die Organe für den Vermögensschaden zur Verantwortung gezogen werden, der durch vorsätzliche, aber auch grob nachlässige Wahrnehmung ihrer Pflichten entsteht. Entsprechendes gilt für Abschlussprüfer", fordert Hereth. Es müsste, je nach Zugehörigkeit zum Dax 30, M-Dax oder S-Dax ein schnelles Einschreiten durch die entsprechende Wertpapierbörse und das Bundesamt für Finanzaufsicht bei Verletzung wesentlicher Berichtspflichten und der Vorlage falscher Abschlüsse vorgesehen sein. "Als Sanktionsinstrument eignen sich die vorübergehende oder endgültige Entlistung, die Untersagung der Wahrnehmung von Vorstandsaufgaben temporär oder endgültig - ähnlich der Zuverlässigkeitsprüfung bei Bankvorständen", so Hereth.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.upconsult.net
http://www.dsw-info.de
http://www.justus-online.de

Weitere Berichte zu: Aktionärsrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie