Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nieren steuern Blutdruck

20.05.2005


Wer an Bluthochdruck leidet, hat zu wenige Nierenkörperchen, fand Gunhild Keller heraus. Für ihre Studie erhält sie ein Graduierten-Stipendium der Novartis-Stiftung



Es ist eine wahre Volkskrankheit: Allein in Deutschland leiden Millionen Menschen am so genannten essentiellen Bluthochdruck - der am weitesten verbreiteten Form der "Hypertonie". Die Ursachen der Erkrankung liegen im Dunkeln. Manche Mediziner vermuten, dass die Beschaffenheit der Nieren mit dem Bluthochdruck zu tun haben könnte. Und tatsächlich: Dr. Gunhild Keller und ihre Kollegen von den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Heidelberg haben starke Indizien für diese unheilvolle Beziehung und einen konkreten Risikofaktor für den Bluthochdruck nachgewiesen: zu wenig Nierenkörperchen (Nephrone). Die Leistungen der Nachwuchsforscherin würdigt die Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung jetzt mit einem Graduierten-Stipendium.



In jeder Sekunde durchströmt ein Viertel unseres Blutes die Nieren, "wo die Nierenkörperchen den Harn herausfiltern", sagt die Preisträgerin. Dass Nieren und erhöhter Blutdruck zusammen hängen, zeigte sich zunächst in Tierversuchen. Als Nager mit normalem Blutdruck die Niere eines Tieres mit erhöhtem Blutdruck transplantiert bekamen, entwickelten sie plötzlich eine Hypertonie. Dann überraschten Befunde von menschlichen Nierentransplantationen. Starben die Spender an einer Hirnblutung - was stark auf einen erhöhten Blutdruck hindeutet-, dann hatten die Empfänger des Organs ein Hypertonie-Problem. Wer die Niere eines Spenders mit normalem Blutdruck erhielt, zeigte keine Blutdruck-Veränderungen. "Äußerlich sehen all diese Nieren unauffällig aus", sagt Gunhild Keller.

Aufschluss sollte eine detaillierte Analyse liefern. Die junge Ärztin und ihre Chefin Prof. Dr. Kerstin Amann vom Pathologischen Institut der Universität Erlangen untersuchten zunächst die Nieren von zehn Unfallopfern, die zu Lebzeiten nachweislich an primärem Bluthochdruck und typischen Schäden der Nierengefäße litten. Als Vergleich dienten die Nieren von zehn Verstorbenen ohne Hypertonie. Eindeutiges Resultat, so Gunhild Keller: "In den Nieren der Hypertoniker fanden wir durchschnittlich 700.000 Nierenkörperchen, bei den Gesunden doppelt so viele." Zudem hatten die "Hochdruck-Nieren" nicht nur weniger, sondern auch größere Nierenkörperchen (Nephrone). "Indem sie sich ausdehnen, versuchen die restlichen verbliebenen Nierenfilter den Mangel zu kompensieren", erklärt die Stiftungs-Preisträgerin.

Die Crux scheint jetzt klar und wurde auch in einer weiteren Studie bestätigt: Weniger Nierenkörperchen bedeuten höherer Blutdruck - was sich meist schon vor der Geburt entscheidet. Denn die Nephronen eines Menschen werden in der Embryonalentwicklung angelegt. Ob aber allein die genetische Mitgift der Eltern oder Umweltfaktoren den eklatanten Mangel bedingen, bleibt einstweilen unklar. Möglicherweise beeinflusst auch die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft die Zahl der Nierenkörperchen. Dafür sprechen zumindest Indizien aus Tierversuchen. Somit, sagt Gunhild Keller, "ist auch wahrscheinlich, dass Kinder mit einem verminderten Geburtsgewicht und einer kleineren Niere weniger Nephronen haben." Neue Studien sollen nun klären, ob und wie man durch Vorbeugung das Dilemma verhindern oder zumindest mildern kann.

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen in Deutschland. Ihr Stiftungsvolumen umfasst jährlich etwa 650.000 Euro.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.novartis.de

Weitere Berichte zu: Blutdruck Bluthochdruck Niere Nierenkörperchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften