Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Notwendige Investitionen der Kommunen bis 2009 würden über 1300 Milliarden DM kosten

13.08.2001


Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) kommt in einer soeben abgeschlossenen Studie zu dem Ergebnis, dass der kommunale Investitionsbedarf im Jahrzehnt 2000 bis 2009 rund 1 300 Milliarden DM (665 Milliarden Euro) beträgt. Die Schätzung, die das Difu und der Deutsche Städtetag heute in Berlin gemeinsam vorstellten, enthält nicht nur den Investitionsbedarf aller deutschen Städte, Gemeinden und Landkreise, sondern auch den Investitionsbedarf kommunaler Zweckverbände, Krankenhäuser und Unternehmen wie Stadtwerke. Den höchsten Bedarf an Investitionen hat mit 26,1 Prozent der Verkehrsbereich (Straßen und ÖPNV) gefolgt von den Bereichen Soziale Infrastruktur, Wasser und Umweltschutz.

Auf die alten Bundesländer entfallen 69 Prozent (929 Milliarden DM) dieser Summe, auf die neuen Länder 31 Prozent (413 Milliarden DM). Auf Einwohner umgerechnet ist allerdings der kommunale Investitionsbedarf im Osten (27 000 DM pro Einwohner) fast doppelt so hoch wie der im Westen (13 900 DM pro Einwohner). Prof. Heinrich Mäding, Institutsleiter des Difu, erläuterte hierzu: "Dieser Unterschied ist einerseits die Folge eines immer noch bestehenden Nachholbedarfs im Osten, er spiegelt aber auch höhere Anteile der ostdeutschen Kommunen am Wohnungsbestand wider. Bei aller politischen Betonung des überdurchschnittlichen Investitionsbedarfs der neuen Länder, gerade im Zuge der Verhandlungen zum neuen Bund-Länder-Finanzausgleich, darf jedoch der große Investitionsbedarf in den westdeutschen Städten und Gemeinden nicht übersehen werden".


Als weiteres wesentliches Ergebnis der Untersuchung zeigt sich, dass die Sanierung und Modernisierung der bereits bestehenden kommunalen Infrastruktur immer mehr in den Vordergrund treten. Der Anteil des Investitionsbedarfs für Ersatz und Modernisierung vorhandener Infrastruktur beträgt im Osten 72 Prozent und im Westen 60 Prozent. Hintergrund: In den ersten 30 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fand in Westdeutschland eine beachtliche Investitionstätigkeit statt: Es entstanden Gebäude, Straßen, Kanalisationen, die heute modernisiert oder ersetzt werden müssen. In der ehemaligen DDR sind weiterhin die Folgen einer jahrzehntelangen Vernachlässigung des Bestands aufzuarbeiten. Dazu Prof. Mäding: "Eine Vernachlässigung des Infrastrukturbestands über einen längeren Zeitraum wird erhebliche negative Folgen für die Lebensqualität und die wirtschaftliche Attraktivität Deutschlands haben. Bundes- und Landespolitik sowie die kommunale Politik müssen sich mehr als bisher dieses Problems bewusst werden und Lösungen schaffen."

Ein Vergleich des heutigen Investitionsniveaus der Kommunen mit dem geschätzten Bedarf führt zu dem Ergebnis, dass eine deutliche Steigerung der in den vergangenen Jahren rückläufigen kommunalen Investitionen notwendig wäre. Eine derartige Steigerung schaffen die Kommunen aber nicht aus eigener Kraft. Dazu Monika Kuban, Ständige Stellvertreterin des Hauptgeschäftsführers und Finanzdezernentin des Deutschen Städtetages: "Natürlich wissen die Städte um die Problematik des Verfalls der städtischen Investitionstätigkeit und damit der städtischen Infrastruktur. Seit Jahren weisen wir auf die negativen Konsequenzen für die Attraktivität des Standortes Deutschland und auf die negativen Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt mit Blick auf die Bauwirtschaft hin. Aber auch in diesem Jahr müssen die kommunalen Investitionen zurückgefahren werden. Sie liegen bei den im Haushalt veranschlagten Investitionen in den neuen Ländern um 45 Prozent, in den alten Ländern um knapp 25 Prozent unter dem


Niveau des Jahres 1992. Das heißt, dass 2001 von den Kommunen allein im Haushalt etwa 20 Milliarden DM weniger für Investitionen ausgegeben werden als 1992. Die Hauptverantwortung für diesen Investitionsverfall liegt aber nicht bei den Kommunen, sondern bei Bund und Ländern. Sie haben ihre investiven Zuweisungen an die Kommunen seit 1992 in den neuen Ländern um über ein Drittel und in den alten Ländern um über ein Viertel reduziert. Eine
substanzielle Erhöhung der Zuweisungen für Investitionen an die Kommunen ist unter Bedarfsgesichtspunkten absolut notwendig, es wäre aber auch ein außerordentlich sinnvolles Konjunktur- und Arbeitsmarktprogramm."

Sybille Wenke-Thiem | idw
Weitere Informationen:
http://www.difu.de/
http://www.difu.de/presse/Welcome.shtml#medieninfos

Weitere Berichte zu: Investitionsbedarf Investitionstätigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften