Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit zwei Tests lässt sich eine akute Wirkung von Ecstasy leicht erkennen

11.05.2005


Ärztliche Untersuchungsprotokolle in Rheinland-Pfalz seit Jahresbeginn im Hinblick auf Konsum von so genannten "Partydrogen" angepasst



Der Konsum von illegalen Betäubungsmitteln aus der Gruppe der Amphetamine, wozu auch Ecstasy gehört, kann in seiner akuten Wirkung mit zwei Test recht zuverlässig erkannt werden. Wie eine Studie am Institut für Rechtsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zeigte, lässt sich eine akute Drogenbeeinflussung durch die verharmlosend als "Partydrogen" bezeichneten Substanzen mit einem Test zur Pupillen-Lichtreaktion und einem Test zur "Augenreaktion" nach mehrmaliger Umdrehung gut feststellen. In Rheinland-Pfalz sind die ärztlichen Untersuchungsprotokolle, die in Verbindung mit einer polizeilich angeordneten Blutentnahme erstellt werden, auf Basis dieser Erkenntnisse seit Anfang 2005 neu gestaltet.



Infolge der gestiegenen Konsumentenzahl gewinnen die "Partydrogen", ähnlich wie im Fall von Cannabis, im Hinblick auf die Fahrtüchtigkeit der Drogenkonsumenten zunehmend an Bedeutung. Das Institut für Rechtsmedizin erhält jährlich etwa 6.000 Blutproben von Drogenfällen aus Rheinland-Pfalz zur Untersuchung im Vergleich zu 12.000 bis 13.000 Alkoholfällen jährlich. "Meist handelt es sich dabei um Proben von Verkehrsteilnehmern", erklärte Dr. Jörg Röhrich vom Institut für Rechtsmedizin, der auch die Ecstasy-Studie mit betreut hat. Dieses Jahr zeichnet sich dabei ab, dass Ecstasy, ein Methylendioxyderivat aus der Gruppe der Amphetamine, wieder ansteigt, nachdem in den letzten beiden Jahren hier ein deutlicher Rückgang und stattdessen ein höherer Konsum von Amphetamin selbst erfolgt war.

Um die akuten Wirkungen der so genannten "Partydrogen" zu untersuchen, haben sich die Wissenschaftler vom Institut für Rechtsmedizin in das typische Konsumumfeld begeben und in den Jahren 2000 und 2001 Drogenkonsumenten in zwei Techno-Diskotheken im Rhein-Main-Gebiet aufgesucht. Die Studie erfolgte im Rahmen einer medizinischen Doktorarbeit von Raoul M. Hecker. Die Erhebungen, die mit Zustimmung der Diskothekenbesitzer und für die Teilnehmer völlig anonym stattfanden, begannen in der Regel gegen 2 Uhr nachts und endeten meist zwischen 8 und 9 Uhr morgens. Insgesamt wurden so 229 Probanden untersucht. Hiervon standen 202 unter Drogeneinfluss, 132 Männer und 70 Frauen im Alter von durchschnittlich 20 Jahren. Die Blutuntersuchung erbrachte bei 175 Teilnehmern den Nachweis von MDMA ("Ecstasy"/"XTC"), in den meisten Fällen wurden jedoch zusätzliche Substanzen gefunden. Am häufigsten war die kombinierte Einnahme von MDMA zusammen mit Amphetamin ("Speed") und Cannabis bei insgesamt 43 Probanden. Bei den Auswertungen wurden schließlich 145 Fälle berücksichtigt, nämlich nur solche, bei denen ein für die Fragestellung relevantes Drogenkonsummuster vorlag.

Aus den Ergebnissen der Befragungen ergibt sich, dass die Stimulanzien in der Regel zweckgerichtet zur Leistungssteigerung, besonders zum Tanzen, aufgenommen wurden. Die Aussprache war bei den Personen aus der relevanten Gruppe zu 97 Prozent normal und klar verständlich, der Denkablauf bei 96 Prozent geordnet und das Verhalten bei 91 Prozent als beherrscht zu bezeichnen. Das Bewusstsein war bei 69 Prozent der Probanden normal, bei 16 Prozent gesteigert und bei 15 Prozent getrübt. Das heißt, die meisten Probanden waren hinsichtlich Sprache, Denkablauf, Verhalten und Stimmung unauffällig. Diese Parameter sind also zum Erkennen einer Drogenbeeinflussung ungeeignet. Ähnliches gilt für die Bewertung der Finger-Nasen-Probe und der Finger-Finger-Probe sowie für die per se nur schwer zu objektivierende Beurteilung des Bewusstseins. Für die Feststellung einer Beeinflussung durch Psychostimulanzien erwiesen sich die gleichgewichtsbasierenden Tests wie Geradeausgang auf einer Linie mit Kehrtwende und die Prüfung der Standsicherheit auf einem Bein bei geschlossenen Augen auch nur als eingeschränkt verwendbar. Gut geeignet sind indessen die Feststellung der Pupillenreaktion auf Lichteinfall und die Dokumentation der Pupillenerweiterung mit Hilfe eines hierfür vorgeschlagenen Indexes. 68 Prozent der Probanden wiesen eine Beeinträchtigung der Hell-/Dunkeladaption auf. Ebenfalls gut geeignet zur Erkennung einer Drogenbeeinflussung durch Ecstasy ist die Drehnachnystagmusdauer. Hierbei werden die Probanden mehrmals um die eigene Achse gedreht, um dann zu ermitteln, wie lange die Augen anschließend nach rechts und links ausschlagen. Während dieser horizontale Augenschlag bei nüchternen Personen zwischen 2 und 4 Sekunden dauert, zeigte die Testgruppe im Durchschnitt eine Dauer von 14 Sekunden, also deutlich verlängert.

Psychostimulanzien rufen, so zeigte die Studie, ganz eigene Erscheinungsbilder bei den Konsumenten hervor, die sich deutlich von denen einer Alkoholisierung unterscheiden. Die Erfassungsbögen in Rheinland-Pfalz, die bei einer Kontrolle auf Drogenkonsum mit polizeilich angeordneter Blutentnahme von den Ärzten ausgefüllt werden, sind vor diesem Hintergrund seit Anfang des Jahres entsprechend neu gestaltet. Für die Ärzte stehen Informationsblätter, wie die Tests genau durchzuführen sind, zur Verfügung.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.rechtsmedizin.uni-mainz.de/

Weitere Berichte zu: Amphetamin Drogenbeeinflussung Ecstasy Konsum Rechtsmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise