Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kundenkarten im Buchhandel - Top oder Flop?

09.05.2005


Studie der Universität Hannover untersucht Akzeptanz von Kundenkarten


Aus dem Alltag sind sie inzwischen nicht mehr wegzudenken. Kaum ein Geschäft, das nicht eine Kundenkarte anbietet, die finanzielle Vergünstigungen oder besonderen Service verspricht. Sei es im Supermarkt, in der Parfümerie oder an der Tankstelle - Gelegenheitskunden sollen so zu Stammkunden gemacht werden. Auch im Buchhandel wird Kundenbindung zunehmend ein Thema, besonders da aufgrund der Buchpreisbindung ein Wettbewerb über den Preis ausgeschlossen ist.

Daher untersuchte der Lehrstuhl "Marketing und Konsum" der Universität Hannover mit einem Dissertationsprojekt, wie gut Karten im Buchhandel bei Kunden überhaupt ankommen. Marketing-Studierende befragten dazu 388 Verbraucher aus Hannover und Umgebung in persönlichen Interviews. Zunächst wurde die bisherige Kundenbeziehung zu den Hannoveraner Buchhändlern thematisiert. Die "drei Großen" Schmorl und von Seefeld, Weiland und Decius schnitten dabei recht gut ab. Circa 70 Prozent der Befragten bezeichnen den Buchhändler, bei dem sie das letzte Mal eingekauft haben, als ein "ersttklassiges Geschäft", eben so viele halten ihn für verlässlich. Im Schnitt kaufen die Hannoveraner 30 bis 50 Prozent ihrer Bücher beim genannten Referenzhändler.


Im Anschluss wurde den Befragten ein fiktives Kundenkartenprogramm aus dem Buchhandel vorgestellt. Neben dem Einsatz von Treuerabatten und vertraglichen Regelungen variierten die Forscher auch die Abfrage von vertraulichen Daten bei der Karte. Immerhin ein Drittel der Befragten äußerte, an dem vorgestellten Kundenkartenprogramm sicher oder wahrscheinlich teilzunehmen. Dabei schreckten vertragliche Bindungen (wie etwa bei Buchclubs) die Verbraucher erwartungsgemäß eher ab, während finanzielle Belohnungen bis zu einer gewissen Schwelle die Teilnahmebereitschaft erhöhten. Bei sehr starken monetären Anreizen jedoch sank die Motivation wieder, Inhaber beziehungsweise Inhaberin der Kundenkarte zu werden. Die Marketingwissenschaftler erklären diesen Effekt damit, dass die Verbraucher zu hohe Vergünstigungen für verdächtig halten und "reaktant" werden.

Erstaunt hat den Studienleiter Mark Wendlandt, dass der Zwang zur Angabe von privaten Daten wie Lesegewohnheiten und Einkommen keine Wirkung auf die Teilnahmebereitschaft zeigte: "Viele Verbraucher gehen mit ihren eigenen Daten nach wie vor anscheinend ziemlich sorglos um" erklärt er.

Hinsichtlich der Kundenmerkmale konnte festgestellt werden, dass Frauen eine höhere Teilnahmebereitschaft aufweisen und im Schnitt auch in der Realität bereits über mehr Kundenkarten verfügen als Männer. Das Alter hingegen spielte keine Rolle, ebenso wenig wie die Einstellung zum Buchhändler oder die Häufigkeit, mit der Bücher gekauft werden.

Die Ergebnisse der Studie sollen dem Buchhandel als Kurzbericht zur Verfügung gestellt werden, außerdem soll im Herbst ein englischsprachiger, wissenschaftlicher Beitrag veröffentlicht werden. "Im Prinzip lassen sich die Ergebnisse auch auf andere Kundenkartensysteme übertragen, da wir aber nur eine Branche untersucht haben, können wir über branchenspezifische Abweichungen keine genauen Aussagen machen", so Wendlandt über die Übertragbarkeit der Studie.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Buchhandel Kundenkarte Teilnahmebereitschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik