Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TA- Akademie: Patienten brauchen mehr Information

09.08.2001


Eine bessere Information von Patienten und ihre Beteiligung an wichtigen Entscheidungen im Gesundheitswesen sind wichtige Voraussetzungen auf dem Weg zu einem effektiveren Gesundheitswesen. ,,Gut informierte Patienten zeigen eine wesentlich bessere Zusammenarbeit bei der Therapie und tragen zu einer sparsameren Nutzung der knappen Mittel bei’’, so Marie-Luise Dierks vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheits-Systemforschung (ISEG) in Hannover in einer aktuellen Studie im Auftrag der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie).* Eine Untersuchung unter Asthmatikern in den USA zeige, dass die Patienten nur dann bereit seien, ihr Medikament auch im symptomfreien Intervall weiterzunehmen, wenn sie aktiv in die Behandlungsplanung einbezogen würden.
,,Sogar nach eigener Einschätzung nehmen nur knapp 30 Prozent der Ärzte den Wunsch der Patienten nach Information adäquat wahr. Patienten fühlen sich unzureichend informiert, besonders wenn es um weitere Aspekte des Umgangs mit der Erkrankung, wie zum Beispiel Ernährungsumstellungen geht’’, so Dierks et. al.. Dabei werde der Wunsch nach umfassender und verständlicher Information von 93 Prozent aller befragten Patienten als ,,sehr wichtig’’ eingestuft. Gerade vor dem Hintergrund einer Zunahme chronischer Krankheiten müsse Information und Kommunikation in der Arzt-Patient-Beziehung ein zentraler Stellenwert eingeräumt werden. ,,Krankheit ist inzwischen für viele Menschen kein vorüber-gehender Akutzustand mehr, sondern ein überdauernder Leibens-Umstand’’, so Dierks et al..

... mehr zu:
»Gesundheitswesen »ISEG »TA »TA-Akademie

Wichtige Voraussetzungen für autonome Entscheidungen von Patienten seien qualitativ hochwertige Informationen über Gesundheit, Krankheit und die Qualität des Gesundheitswesens. Diese sollten zudem breit verfügbar, einfach zu erreichen und verständlich formuliert sein. Hinzu kommen Informationen über das Versicherungssystem und vermutlich in Zukunft verstärkt auftretende Fragen nach dem Umfang des Versicherungsschutzes. ,,Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten die Qualität ihrer Leistungen ebenso dokumentieren und veröffentlichen wie die Ergebnisse von Patientenbefragungen’’, fordern deshalb die Autoren der Studie im Hinblick auf mehr Transparenz und Patientenschutz. Diese Informationen müssten zu einem flächendeckenden, qualitätsgesicherten Informationsangebot ausgebaut werden. Die Prüfung und Bewertung von Dienstleistungen im Gesundheitswesen solle durch unabhängige, von Verbrauchern, Leistungsanbietern und Kosten-trägern gleichermaßen akzeptierte Institutionen erfolgen, ähnlich der Stiftung Warentest. Diese Informationen und Daten könnten neben den klassischen Medien auch im Internet veröffentlicht werden, aus dem sich mittlerweile bereits rund 18 Prozent der Patienten ihre Informationen holen.
Weitere wichtige Forderungen in der Studie sind die Einrichtung eines Beschwerdemanagements in allen Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung und die Berufung unabhängiger Patienten-Anwälte nach dem Beispiel der Ombudsleute in den Niederlanden.

Die Studie des ISEG ist Teil eines auf zwei Jahre angelegten Projektes der TA-Akademie unter dem Titel ,,Szenarien für mehr Selbstverantwortung und Wahlfreiheit im Gesundheitswesen’’. Darin sollen Konzepte zur Umgestaltung des Gesundheitssystems zusammen mit den wichtigen Akteuren im Gesundheitswesen entwickelt werden. Dabei stellt sich u.a. die Frage, wie ein System der Basisversorgung so flexibel gestaltet werden kann, dass neue Behandlungsmethoden und Therapien kontinuierlich in den Leistungskatalog einbezogen werden können, ohne den begrenzten Kostenrahmen zu sprengen. (Ende: Oktober 2002). Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Landesärztekammer Baden-Württemberg , der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung sowie vom Sozialministerium Baden-Württemberg.

Ansprechpartner: Dr. Manfred Rohr, Telefon: 0711/9063-103
E-Mail: manfred.rohr@ta-akademie.de


Dr. Lars Thielmann, Telefon: 0711/9063-109 
E-Mail: lars.thielmann@ta-akademie.de

*Marie-Luise Dierks, Eva-Maria Bitzer, Magnus Lerch, Sabine Martin, Sabine Röseler, Anja Schienkiewitz, Stefanie Siebeneick, Friedrich-Wilhelm Schwartz: ,,Patientensouveränität - Der autonome Patient im Mittelpunkt’’. Arbeitsbericht Nr. 195 der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg. Stuttgart 2001, 244 S., 15 DM.
Bestellungen unter Fax-Nr: 0711/9063-286 

Dr. Birgit Spaeth | idw
Weitere Informationen:
http:// www.ta-akademie.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitswesen ISEG TA TA-Akademie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Autonomes Fahren wirft viele Fragen auf

20.09.2017 | Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten

20.09.2017 | Medizin Gesundheit

Autonomes Fahren wirft viele Fragen auf

20.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten