Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunftssorgen drücken Stimmung im Land

27.04.2005


McKinsey-Umfrage Perspektive-Deutschland: Traditionell hohe Zufriedenheit geht zurück - Weniger Pessimismus im Osten - München und Stuttgart die beliebtesten Städte

Die wachsende Sorge um den Arbeitsplatz löst bei den Deutschen starke Zukunftsängste aus. Nicht einmal jeder dritte Bürger (28 Prozent) glaubt heute, dass man in fünf bis zehn Jahren noch gut in der Bundesrepublik leben kann. Die traditionell hohe Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland geht spürbar zurück: 2003 waren 65 Prozent der Bürger zufrieden, jetzt sind es 60 Prozent. Fast jeder zweite Deutsche (42 Prozent) sorgt sich um den Job - 2003 waren es erst 35 Prozent. Mehr als die Hälfte der Bürger (60 Prozent) rechnet damit, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation verschlechtert, so die Ergebnisse der aktuellen McKinsey-Umfrage Perspektive-Deutschland, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die schlechte Situation am Arbeitsmarkt.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch am Wohnort fühlen sich die Menschen weniger wohl, besonders im Westen. 2003 waren dort 76 Prozent mit ihrem direkten Lebensumfeld zufrieden, jetzt 72 Prozent. München und Stuttgart sind nach wie vor die beliebtesten Städte Deutschlands. Auch die attraktivsten Regionen liegen im Süden des Landes. Stark im Kommen: Leipzig. Die Sachsen-Metropole rangiert in puncto Zukunftserwartung unter den 15 größten Städten auf Platz vier.

Perspektive-Deutschland ist die weltweit größte gesellschaftspolitische Online-Umfrage. Initiatoren sind neben der Unternehmensberatung McKinsey & Company das Magazin stern, das ZDF sowie das Internet-Unternehmen AOL. An der vierten Auflage der Umfrage haben sich von Mitte September 2004 bis Anfang Januar 2005 mehr als 500.000 Menschen beteiligt.

"Die Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland sinkt und die Sorgen der Deutschen nehmen zu", sagt der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Schirmherr der Initiative. "Viele Bürger fürchten, dass die Zahl der Arbeitslosen eher zu- als abnimmt. Die Schaffung von Arbeitsplätzen hat oberste Priorität. Daran sollte sich die Politik orientieren."

Anzeichen für einen "erfreulichen Wandel" sieht Weizsäcker allerdings in der leicht sinkenden Skepsis gegenüber Parteien und öffentlichen Einrichtungen. Tatsächlich ging das Misstrauen gegenüber Parteien von 68 Prozent in 2003 auf 59 Prozent in 2004 zurück. Auch anderen Institutionen schenken die Bürger wieder mehr Vertrauen, etwa dem Bundestag oder den Kirchen. Jeder zweite Bürger (51 Prozent) ist inzwischen sogar der Ansicht, die Reformfähigkeit der Politik werde in den nächsten Jahren eher zunehmen. Im Vorjahr hatten dies nur 28 Prozent erwartet. Am meisten Vertrauen genießen aber nach wie vor Hilfs- und Umweltorganisationen wie der ADAC, Caritas, Diakonisches Werk, das Deutsche Rote Kreuz und Greenpeace.

Opferbereitschaft nimmt zu

"Die Bürger honorieren, dass die politisch Verantwortlichen die Probleme deutlicher als bisher beim Namen nennen, sie anpacken und ihnen dabei - wenn nötig - auch Opfer abverlangen", so von Weizsäcker. Allerdings sei die Opferbereitschaft noch nicht so ausgeprägt, wie das die Verschärfung auf dem Arbeitsmarkt verlange. Nach Angaben von Perspektive-Deutschland zeigt rund ein Drittel der Bevölkerung kaum oder gar keine Bereitschaft zu persönlichen Opfern, um den eigenen Arbeitslatz zu sichern oder damit neue Jobs entstehen. Jeder Dritte ist gegen unbezahlte Mehrarbeit, Verzicht auf Urlaubstage, längere Pendelzeiten oder längere Abwesenheit vom Wohnort. Fast jeder Zweite (47 Prozent) lehnt einen Gehaltsverzicht von 10 Prozent ab, selbst wenn er damit seinen gefährdeten Arbeitsplatz für die kommenden drei Jahre sichern könnte.

Die Opferbereitschaft von Arbeitslosen ist dabei keineswegs ausgeprägter als bei Berufstätigen - teilweise sogar geringer. Nur am Wochenende zu Hause zu sein, wäre nicht einmal für die Hälfte der Arbeitslosen eine Alternative, um einen Job zu bekommen. Selbst zwei Stunden pro Tag zu pendeln, lehnen 37 Prozent kategorisch ab.

Der Arbeitsmarkt ist derzeit das zentrale Thema der Deutschen. Drei von vier Bürgern sehen "besonders hohen Handlungsbedarf". Am zweitwichtigsten ist das Thema Bildung vor Steuern und Gesundheit.

Stimmungsumschwung in den neuen Bundesländern

Die Zufriedenheit der Menschen im Osten mit ihrem Wohnort stieg von 41 Prozent in 2003 auf jetzt 52 Prozent. Dieser Wert liegt damit erstmals höher als die Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland. Anders der Westen: Dort nimmt die Zufriedenheit sowohl mit dem Leben (minus 5 Prozentpunke) im Land als auch mit dem Wohnort ab (minus 4 Prozentpunkte). Der spürbare Stimmungsumschwung im Osten, wo die Menschen ihre Lebensverhältnisse deutlich besser einschätzen als noch vor einem Jahr, ist für von Weizsäcker "ein erfreuliches Signal".

Aufsteigerregionen liegen vor allem in Ostdeutschland

Die zufriedensten Deutschen leben in Bayern und Baden-Württemberg. Stuttgart und München sind die lebenswertesten unter den 15 größten deutschen Städten, gefolgt von Hamburg, Hannover und Köln. Eine Kategorie darunter, in den so genannten Agglomerationsräumen mit Städten über 300.000 Einwohnern oder dem Umland von Großstädten, führen der Mittlere Oberrhein sowie der Raum Ebersberg/Erding/Freising bei München. Bei den verstädterten Regionen liegt der Bayerische Untermain und der südliche Oberrhein vorn. In den ländlichen Räumen dominiert der Süden Bayerns mit Südostoberbayern vor dem Allgäu.

Die unteren Ränge in den vier Kategorien, die insgesamt 117 Regionen umfassen, belegen erneut vorwiegend ostdeutsche Städte und Gebiete. Erstmals ist dort auch der Westen präsent - mit Oberfranken Ost, Westpfalz, Duisburg und der Region Bremerhaven.

Allerdings: Die zehn Regionen, in denen sich die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Wohnort am stärksten verbessert hat, befinden sich ausschließlich in Ostdeutschland - angeführt von Uckermark-Barnim, Dessau und Vorpommern. Genau umgekehrt verhält es sich bei den zehn Regionen, die den größten Rückgang bei der Zufriedenheit mit dem Leben vor Ort verbuchen - sie liegen alle in Westdeutschland. Der größte Verlierer ist Oberpfalz Nord, gefolgt von Rheinhessen-Nahe und der Westpfalz.

Gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern konnten sich vor allem Dresden und Leipzig. Dort geben mittlerweile zwei von drei Bürgern an, dass man in ihrer Stadt gut oder sogar sehr gut leben kann.

Was macht die Spitzenregionen erfolgreich?

Den wirtschaftlichen Erfolg von Regionen machen vor allem starke Führungspersönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung aus - und deren reibungsloses Zusammenspiel. Diese lokale Vernetzung ist nach Ansicht der Befragten die wichtigste Voraussetzung für mehr Investitionen und ein gutes regionales Gründerklima, was wiederum die erwartete Zufriedenheit der Menschen in ihrer Region positiv beeinflusst. Größtes Hemmnis bei Investitionen und Arbeitsplatzwachstum ist nach Ansicht der befragten Selbständigen, Freiberufler und leitenden Angestellten eine ineffiziente Verwaltung.

Zweite Priorität hat eine klare Regionalstrategie, die auf einen erkennbaren Strukturwandel abzielt. Auch die Anbindung an andere Regionen und Städte ist wichtig, so Perspektive-Deutschland.

Erfolgreiche Regionen zeichnen sich ferner aus durch ein attraktives Bildungs- und Kinderbetreuungsangebot. Jeder zweite Bundesbürger wünscht sich mehr Ganztagsschulen, Ganztagskindergärten und Krippen. Zwei Drittel (67 Prozent) halten eine Verbesserung des Freizeitangebots für Jugendliche für dringend geboten.

"Die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes hängt von erfolgreichen Regionen ab. Es liegt im Interesse aller, die leistungsfähigsten gezielt zu entwickeln und auszubauen", sagte Jürgen Kluge, Deutschland-Chef von McKinsey. "Leipzig zum Beispiel zeigt, dass man mit einer starken Führungsfigur, einer guten lokalen Vernetzung und einer Verwaltung, die zügig auf die Anliegen der Unternehmer reagiert, ein positives Klima für wirtschaftlichen Aufschwung erreichen kann."

Rolf Antrecht | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mckinsey.com

Weitere Berichte zu: Perspektive-Deutschland Zukunftssorge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie