Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Empirische Studie: Karrieren verlaufen anders als erwartet

25.04.2005


Einflüsse auf die Karriere sind vielfältig - und anders als wir glauben.

Dies belegt eine jetzt veröffentlichte Studie der Wirtschaftsuniversität Wien. In dem umfangreichen Projekt wurden zahlreiche berufliche Werdegänge über längere Zeiträume verfolgt und kritische Einflussfaktoren analysiert. Das vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierte Projekt räumt dabei mit manchen gängigen Vorstellungen auf. Die wichtigsten Ergebnisse werden jetzt auch als Buch publiziert.

Die erste Phase einer im deutschsprachigen Raum einmaligen Studie zu Karriere-entwicklungen (Vienna Career Panel Project, ViCaPP) wurde nun von einem Team um Prof. Wolfgang Mayrhofer an der Wirtschaftsuniversität Wien erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen der umfangreichen Studie wurde die Karriereentwicklung von mehr als 1.000 WirtschaftsakademikerInnen analysiert. Dass die Ergebnisse bereits in einem Buch veröffentlicht werden, das einen wohltuenden Kontrast zu zahlreichen pseudo-wissenschaftlichen Karriereratgebern bildet, ist vor allem auf die z. T. überraschenden Ergebnisse zurückzuführen.

Karriere macht man anders

So werden bisherige Ansichten über das "Karrieremachen" durch die Studie grundlegend infrage gestellt. Vier Studien-Ergebnisse sind dabei besonders bemerkenswert.

Erstens: Neue Karrierefelder werden zunehmend beliebter. Beinahe ein Drittel der AbsolventInnen, und zwar die besseren, streben heute keine traditionellen Unternehmenskarrieren mehr an. Vielmehr bevorzugen sie einen durch vielfältige Tätigkeiten gekennzeichneten "chronisch flexiblen" Karriereverlauf.

Zweitens: Beim Berufseinstieg lohnen sich weder gute Abschlussnoten noch schnelles Studium - was zählt, ist Praxiserfahrung. Im weiteren Karriereverlauf ändert sich das Bild. Dazu Prof. Mayrhofer: "Nach zehn Berufsjahren verdient mehr, wer auch schnell und gut studiert hat.³

Drittens: Persönlichkeit zählt nicht ganz so stark, wie man glaubt. Einen wichtigen Einfluss auf den Karriereerfolg hat lediglich Führungsmotivation. Andere Faktoren wie Leistungsstreben, Flexibilität und emotionale Stabilität wirken sich nur sehr schwach auf den Karriereerfolg aus.

Viertens: Die Ich-AG als Werbefirma. Obwohl insgesamt nur ein schwacher Zusammenhang zwischen Karrieretaktiken und Karriereerfolg besteht, kann insbesondere Self-Promotion erfolgreich sein. Dazu Projekt-Koleiter Prof. Johannes Steyrer: "Während sich früher noch Zurückhaltung empfahl, fährt man heute mit dem Herausstreichen eigener Fähigkeiten und Ideen besser. Selbstinszenierung zahlt sich dabei mehr aus als Beziehungsarbeit."

Besser läufts als Mann

Interessante Ergebnisse liefern Prof. Mayrhofer und sein Team auch zum Einfluss des Geschlechts auf die Karriereentwicklung. Dass der Einfluss des Geschlechts auf das Gehalt und die Führungsverantwortung höher ist als jener der Persönlichkeit, wurde bisher nur vermutet - konnte jetzt aber wissenschaftlich belegt werden. Dazu Projekt-Koleiter Prof. Michael Meyer: "Frauen verdienen im Verlauf von zehn Jahren über 71.000 Euro weniger als Männer, auch wenn sie sich in nichts anderem unterscheiden als in ihrem Geschlecht, also auch, wenn sie den gleichen, unterbrechungsfreien Karriereverlauf haben. Die Benachteiligung von Frauen ist somit eklatant. Bei Männern wirken sich Unterbrechungen der Karriere nachteiliger auf Einkommen und Status aus - allerdings auf höherem Niveau."

Überraschende geschlechterspezifische Zusammenhänge bestehen auch zwischen dem Bildungsgrad der Eltern und Karrieren: Söhne von höher gebildeten Eltern empfangen später deutlich mehr Gehalt - Töchter hingegen deutlich mehr Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit, so zeigt die Studie, ist darauf zurückzuführen, dass besonders Töchter erfolgreicher Eltern geschlechtsspezifische Karrierehindernisse als frustrierend empfinden.

Die Ergebnisse des vom FWF geförderten Projekts belegen den unmittelbaren Nutzen der Grundlagenforschung auch im alltäglichen Bereich. Denn die so gewonnenen Einsichten in die Karriereverläufe können bei der Heranbildung des Führungsnachwuchses dienen, Bildungseinrichtungen über Karrierewege von AbsolventInnen informieren und auch BerufsanwärterInnen selbst eine Orientierung bieten. Das von den Professoren Mayrhofer, Meyer und Steyrer herausgegebene Buch "Macht? Erfolg? Reich? Glücklich? Einflussfaktoren auf die Karrieren" bietet dazu nun einen verständlichen Leitfaden.



Macht? Erfolg? Reich? Glücklich? Einflussfaktoren auf Karrieren. Mayrhofer, Meyer, Steyrer (Hrsg.), Linde International, Wien 2005, ISBN 3-7093-0022-3



Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Wolfgang Mayrhofer

WU Wien - Institut für Management und Wirtschaftspädagogik
Althanstr. 51
A-1090 Wien
T +43 / 1 / 31336 - 4553
E wolfgang.mayrhofer@wu-wien.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Weyringergasse 35
A-1040 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 36
E bernhardt@fwf.ac.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at
http://www.wu-wien.ac.at

Weitere Berichte zu: Einflussfaktor Karriereerfolg Karriereverlauf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise