Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"E-Government" auf dem Prüfstand

27.07.2001


Chemnitzer Wissenschaftler wollen Kommunen virtuell an die Hand nehmen

Im globalen Dorf des Internets könnten bald auch virtuelle Rathäuser am Daten-Highway stehen. Rechtswissenschaftler der TU Chemnitz haben eine Studie zu "Rechtsfragen kommunaler Internetaktivitäten" erstellt, in welcher der aktuelle Stand im Bereich des "Electronic-Government" ermittelt und Handlungsempfehlungen für die Zukunft abgeleitet wurden.

Dazu sind die Webseiten von über hundert sächsischen Städten und Gemeinden durchforstet und Fragebögen ausgewertet worden. Die wichtigsten Ergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Untersuchung: Rund drei Viertel der Kommunen sind im WorldWideWeb vertreten, weitere 16 Prozent planen ihren Internetauftritt noch für dieses Jahr. Bürgerinformation und Imagegewinn werden dabei als die wichtigsten Ziele angegeben. "Die Motive Serviceleistungen, Kommunikation und Verwaltungsmodernisierung sind dagegen unterrepräsentiert", heißt es in der Studie, die von dem Chemnitzer Professor für Öffentliches Recht und öffentliches Wirtschaftsrecht, Ludwig Gramlich, und seinem Mitarbeiter Detlef Kröger geleitet wurde.

Kaum eines der untersuchten Internetangebote der Kommunalverwaltungen geht über ein schlichtes Informationsangebot hinaus. Am häufigsten zu finden sind Veranstaltungskalender (hatten 71 Prozent aller Webseiten) und Linklisten von Vereinen und Parteien (62 Prozent), gefolgt von lokalen Wirtschaftsinformationen (42 Prozent), Lage- und Ämterplänen von Behörden (34 Prozent) und Bekanntmachungen der Verwaltung (25 Prozent). Ansätze einer Kommunikation oder gar Interaktion mit dem Online-Besucher werden dagegen kaum geboten. Nur zwei Prozent der im Internet vertretenen Kommunen stellen E-Mail-Adressen ihrer Mitarbeiter ins Netz, 66 Prozent bieten wenigstens einen zentralen Postkasten für elektronische Briefe an. Der aber wird nur von jeder zweiten Behörde täglich geleert. Wie Online-Dienstleistungen einmal aussehen könnten, zeigen größere Städte wie Leipzig sowie die Kurorte Seiffen oder Oberwiesenthal zumindest ansatzweise: Dort kann man Hotelzimmer mit einem Mausklick reservieren. "Die vorhandenen Internetangebote - insbesondere der kleinen Gemeinden", so das Resümee der Untersuchung, "sind zur Zeit weitgehend noch auf die Präsentation der Kommunen in einfacher Form beschränkt." Zudem ist die Gestaltung vieler Webseiten unübersichtlich: Nur in zehn Prozent der Fälle werden Suchmaschinen angeboten, und auch fremdsprachliche Seiten oder Dokumente zum Runterladen sind die Ausnahme.

E-Government der Zukunft jedoch bedeutet Bürgerservice, unterstreichen die Chemnitzer Wissenschaftler der Technischen Universität. Mit Hilfe neuester Informations- und Kommunikationstechnologien sollen die Behörden in die Lage versetzt werden, kundenorientierter, schneller und billiger zu arbeiten. Die meisten befragten sächsischen Gemeinden und Städten stehen den virtuellen Möglichkeiten zwar offen gegenüber, aber sie hegen auch Zweifel. 35 Prozent der befragten Kommunen äußern sich wegen möglicher Kosten zurückhaltend, 38 Prozent befürchten einen höheren Zeitaufwand durch E-Government, und 16 Prozent beklagen die unsichere Daten- und Rechtssicherheit. Besonders beim Datenschutz bestehe noch "großer Aufklärungsbedarf": Über elektronische Signaturen, eine Art virtuelle Unterschrift, fühlt sich nur jede zehnte Behörde ausreichend informiert, und nur 22 Prozent wollen elektronische Signaturen überhaupt einsetzen. Über 60 Prozent werden vorerst wohl auf jegliches Verschlüsselungsverfahren verzichten.

Die Chemnitzer Studie soll Ausgangspunkt sein, um eine Gesamtstrategie für E-Government zu entwickeln. Statt der techniklastigen Diskussion der Vergangenheit müsse es vielmehr darum gehen, wie Verwaltungen miteinander vernetzt arbeiten könnten, heißt es in den Handlungsempfehlungen der Chemnitzer Studie. Um ein technologisches Gefälle zwischen den großen und kleinen Kommunen zu verhindern, wird ein Kompetenzzentrum gefordert, das die Internetangebote der Verwaltungen weiterentwickelt und fachliche Unterstützung bietet. Ein solches Kompetenzzentrum wird derzeit von den Rechtsexperten der TU Chemnitz vorbereitet.

Die Chemnitzer Studie "Rechtsfragen zu kommunalen Internetaktivitäten" kann angefordert werden bei Detlef Kröger über Telefon (0371) 531 41 69. Oder schicken Sie eine E-Mail an  "detlef.kroeger@wirtschaft.tu-chemnitz.de

Alexander Friebel | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte