Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben im Gebirge als Jungbrunnen

15.03.2005


"Alm-Öhis" haben kräftigere Herzen und eine längere Lebensdauer als Flachländer



Neuesten Erkenntnissen zufolge erfreuen sich jene Menschen, die in einer gebirgigen Region leben, eines allgemein besseren Gesundheitszustand und haben ein kräftigeres Herz als reine Großstädter, berichtet die BBC. In einer Studie der Universität von Athen wurde der Gesundheitszustand von 1.150 Griechen über einen Zeitraum von 15 Jahren verfolgt und festgestellt, dass bei den Bewohnern höher gelegener Regionen tendenziell weniger Todesfälle auftraten als bei Bewohnern vergleichbarer städtischer Regionen. Besonders in punkto Herzkrankheiten war die Zahl der Todesfälle geringer. Doch britische Forscher warnen nun, dass große Höhenlagen bei Personen, die bereits unter Herzkrankheiten leiden, einen negativen Effekt haben.



Die Forscher ermittelten in einer Langzeitstudie, die 1981 begann, die Gesundheitsdaten der Einwohner einer griechischen Region, die auf 950 Meter Seehöhe liegt. Erfasst wurden Geschlecht, Alter, Gewicht, Rauch- und Trinkgewohnheiten sowie Blutdruck und Blutproben. 1996 kehrten die Wissenschafter zurück und registrierten erneut die Daten der Bewohner, bei denen es sich bezogen auf Männer meist um Bauern handelte, während Frauen vorwiegend im Haushalt tätig waren.

Schon frühere Studien haben der griechischen Bevölkerung ein sehr niedriges Herzinfarktrisiko attestiert, was primär auch auf die gesunde mediterrane Kost zurückgeführt wird. Das in den Bergen lebende Untersuchungssample wies zwar höhere Blutfettwerte und einen höheren Blutdruck als die Kontrollgruppe im Flachland auf, dennoch lag die Zahl der Todesfälle bis 1996 mit 133 Toten im Bergland unter den registrierten 157 Todesfällen im Flachland. Davon wurden in den höher gelegenen Gebieten bei den Männern nur elf Todesfälle durch Herzkrankheiten ausgelöst, während in den Niederungen 23 Männer daran verstarben. "Trotz der schlechteren Blutfette und des höheren Blutdrucks war der Gesundheitszustand der Bergbewohner besser, und die Zahl der Todesfälle, besonders bei Männern, geringer als im Tal. Darum müssen andere schützende Faktoren im Spiel sein", erklärte Nikis Baibas, der Leiter der Studie.

Daraus ziehen die Forscher den Schluss, dass das Leben in einer gewissen Höhenlage über eine geraume Zeit einen physiologischen Wandel im Körper hervorruft, der es ermöglicht mit dem geringeren Sauerstoffgehalt (Hypoxie) umzugehen und dass dies, kombiniert mit der Anstrengung der ständigen Bergauf- und Bergab-Bewegung im Gelände, dem Herzen ein besseres Training verschafft. "Die gesteigerte physische Tätigkeit der Bergbewohner unter den Bedingungen einer moderaten Hypoxie könnte diese Ergebnisse erklären", so die Experten.

Sportmediziner sehen in den Ergebnissen der Studie ein Indiz für den positiven Effekt des Berglebens auf die Gesundheit des Herzens. "Es ist überraschend, dass eine geringe Höhenlage anscheinend eine schützende Wirkung auf das Herz hat", sagte Jim Milledge von der International Society for Mountain Medicine. Britische Wissenschafter sehen die Ergebnisse der Studie jedoch kritisch. "Die griechischen Wissenschafter haben nicht den Aktivitätslevel der Bewohner in ihrer Studie erfasst, darüber hinaus erwähnen sie zwar die Vorzüge einer mediterranen Ernährung, haben das tatsächliche Ernährungsverhalten ihres Samples jedoch nicht erfasst. Durch diese Verabsäumnisse können wir nicht sicher sein, dass die Ergebnisse der Studie valide sind", erklärte Belinda Linden von der British Heart Foundation. Darüber hinaus kann sich Bewegung für Herz- und Lungenkranke unter den vorherrschenden Bedingungen in den Bergen, also erhöhte Anstrengungen bei geringerem Sauerstofflevel, negativ auf den Gesundheitszustand auswirken, erklärten die Experten.

Evelyn Lengauer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uoa.gr
http://www.ismmed.org
http://www.bhf.org.uk

Weitere Berichte zu: Blutdruck Gesundheitszustand Herzkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten