Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektrische Energieversorgung in Deutschland: VDE skizziert Szenario 2020

08.03.2005


Der Energiebedarf der Welt steigt ständig. Bis zum Jahr 2020 wird mit einer Steigerung um mehr als 100 % gerechnet. Den größten Energiehunger besitzen die ehemaligen Ostblockländern sowie die aufstrebenden Industriegesellschaften Asiens und Lateinamerikas. In Europa, den USA und Japan ist die Steigerungsrate zwar nicht ganz so hoch, dennoch rechnen Experten auch für diese Länder mit einem Wachstum des Strombedarfs von durchschnittlich 50 %.



Doch was soll die Energieversorgung von morgen kosten und welche Summen müssen heute für die Energieversorgung von morgen sinnvollerweise investiert werden? Unter dem Titel “Elektrische Energieversorgung 2020 – Perspektiven und Handlungsbedarf” hat die Energietechnische Gesellschaft im VDE (ETG) eine umfangreiche Studie erstellt, die unter anderem diese Fragen beantwortet bzw. Handlungsoptionen aufzeigt.



Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steht die Energiewirtschaft vor weitreichenden Veränderungen. Die Entwicklung wird von mehreren politischen Faktoren bestimmt: Global wird der Verknappung der fossilen Energieträger, der Kohlendioxid-Problematik und den damit verbundenen Klima-Änderungen zunehmend Beachtung geschenkt. Insbesondere Ländern wie China und Indien kommt dabei eine große Bedeutung zu. Sie stehen mit einer durchgängigen Industrialisierung und dem damit verbundenen Anstieg des Energiebedarfs erst am Anfang.

Ein wichtiger Schritt, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu drosseln und die CO2-Emissionen zu verringern, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie. Dieser Prozess hat in vielen Ländern begonnen, benötigt jedoch einen langen Atem, um technische und wirtschaftliche Schwierigkeiten zu überwinden und die notwendigen Veränderungen sozial verträglich zu gestalten. Die VDE-Studie beleuchtet in drei möglichen Szenarien, welche Auswirkungen auf Deutschland bis 2020 resultieren und welchen Anteil die regenerativen Energien erlangen könnten.

  • Szenario 1 orientiert sich an der derzeitigen Energiepolitik der Bundesregierung und ihrer Zielsetzung, die erneuerbaren Energien massiv zu fördern und den Ausstieg aus der Kernenergie wie beschrieben fortzusetzen.
  • Szenario 2 geht von einem verlangsamten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie aus. Angestrebt wird eine kostenoptimierte Lösung unter Einhaltung der Kyoto-Ziele, also eine Reduzierung der CO2-Emissionen von 1990 um 18 Prozent bis 2012.
  • Szenario 3 verfolgt die Vorgabe, die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, um Raum für eine künftige Verschärfung der Kyoto-Ziele zu schaffen. Dies erfordert eine Reduktion der fossilen Energieträger und die Nutzung der Kernenergie auf heutigem Niveau.

Im Szenario 1 steigt die installierte Leistung von derzeit knapp 120 Gigawatt (GW) auf rund 165 GW, wobei der Anteil an Gas- und Windkraftwerken besonders deutlich zunimmt. Die gasgefeuerten Anlagen werden demnach statt mit 18,5 mit 50 GW zum Energiemix in Deutschland beitragen, der Ausbau der Windenergie von 14,4 auf 48 GW weitergehen. Die notwendigen Investitionen für den Kraftwerkszubau und die ?erneuerung liegen bei nahezu 123 Milliarden Euro, wovon rund 8 Milliarden auf Back-up-Kraftwerke für die Windenergie entfallen.

Alternativ zu Szenario 1 mit seinem sehr hohen Investitionsvolumen wurde Variante 2 mit der Zielsetzung entwickelt, bei nahezu gleichen CO2-Emissionen die Kosten zu senken und die Versorgungsrisiken der erneuerbaren Energien, insbesondere von Windkraft-Offshore-Anlagen, zu vermeiden. Das wird durch den verlangsamten Ausstieg aus der Kernenergie erreicht. So wird unterstellt, dass bis 2020 nur die Hälfte der Kernkraftwerke vom Netz geht und die neueren Reaktoren dafür länger betrieben werden. Auch in diesem Szenario tragen erneuerbare Energien mit gut 15 Prozent deutlich zur Stromerzeugung bei. Die installierte Leistung kommt in diesem Fall mit ca. 145 GW aus, die Investitionen erreichen “nur” die Höhe von 85 Milliarden Euro. Das Kyoto-Ziel wird auch auf diesem Weg erreicht. Für die Absicherung der Windenergie durch fossile Back-up-Kraftwerke sind 4 Milliarden Euro erforderlich.

Szenario 3 orientiert sich an einer starken Reduktion der CO2-Emissionen, die am Ende des betrachteten Zeitraums auf unter 200 Millionen Tonnen zurückgefahren werden können. Dafür sind Investitionen von knapp 100 Milliarden Euro nötig, 7 Milliarden davon entfallen auf Reservekraftwerke für die Windenergie. Der Ausstieg aus der Kernenergie wird verschoben, bis eine geeignete Nachfolgetechnologie verfügbar ist. Die hoch subventionierte heimische bzw. importierte Steinkohle nicht länger genutzt, der Einsatz der deutschen Braunkohle aber beibehalten. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird auch bei Szenario 3 deutlich vorangetrieben und liegt bei etwa 25 Prozent. Die installierte Leistung beträgt 150 GW, davon sind 56 GW aus erneuerbaren Energien. Die Investitionskosten sind beim Szenario 1 mit Abstand am höchsten. Trotz des enormen Einsatzes für die erneuerbaren Energien wird jedoch keine wesentliche und nachhaltige Reduktion der CO2-Emissionen erreicht. Der Grund dafür ist im Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie und deren Substitution durch fossile Energieträger zu suchen.

Eine massive Reduktion der CO2-Emissionen, das zeigt Szenario 3, ist nur möglich bei der Aufrechterhaltung der Kernkraft und gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Investitionskosten liegen ungefähr in der Mitte zwischen den Szenarien 1 und 2. Die Importabhängigkeit bei den Primärbrennstoffen ist in diesem Fall am geringsten, die Mischung im Energiemix am gleichmäßigsten auf die beiden heimischen Säulen Braunkohle und erneuerbare Energien sowie die “Importenergien” (Gas und Uran) verteilt.

Welchen Weg Deutschland bis 2020 im Energiesektor gehen will, ist noch nicht entschieden. “Unsere Studie bietet aber die Chance, auf der Basis von Fakten und gesicherter Daten und realistischen Prognosen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine konstruktive Diskussion zu führen”, erläutert Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schröppel, Vorsitzender der VDE/ETG.

In einem weiteren Kapitel vergleicht sie die Situation in unseren europäischen Nachbarländern Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien sowie in den USA, Japan, China und Indien. Auch das hilft bei der Bewertung der deutschen Energiesituation und dem weiteren Vorgehen in diesem Feld. Darüber hinaus zeigt die Studie mit der Fusion Wege auf, auch langfristig bei zur Neige gehenden Reserven für die fossilen Energieträger, die Stromversorgung sicherzustellen.
Download der VDE/ETG-Studie “Elektrische Energieversorgung in Deutschland im Jahre 2020” unter www.vde.com/reports zum Preis von 150 Euro (für VDE-Mitglieder kostenlos).

Rolf Froböse | VDE
Weitere Informationen:
http://www.vde.com/reports
http://www.vde.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte