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Ecstasy geht auf Nerven

21.02.2005


Wiener Forscher enthüllen Wirkungen moderner Drogen



Pharmakologen der Medizinischen Universität Wien haben wichtige Grundlagen für ein besseres Verständnis der Wirkungsweise von bestimmten Neurotransmittern und Drogen gefunden. Amphetamin-Derivate wie zum Beispiel "Ecstasy" bewirken die Freisetzung von Neurotransmittern durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel zellulärer Komponenten: Ein Enzym bewirkt dabei, dass zwei an sich gleichartige Transportproteine gegenläufig arbeiten. Bisher sind Forscher davon ausgegangen, dass einzelne Transportproteine im Alleingang für die Freisetzung von Neurotransmittern verantwortlich sind. Die Studie wurde vom FWF gefördert.



Die Modedrogen "Ecstasy", "Ice" und "Speed" sind moderne Abwandlungen der ursprünglich als Appetitzügler entwickelten Amphetamine. Diese Wirkstoffe haben einerseits ein hohes Suchtpotenzial, andererseits können sie Schizophrenie verursachen. Daher wurden sie vom Gesetzgeber verboten. Der Effekt der Stoffe beruht unter anderem darauf, dass ihre chemische Struktur jener von Botenstoffen des menschlichen Nervensystems, so genannte Neurotransmitter, ähnelt. Diese werden über zelluläre Proteine transportiert, die sich quer durch die Zellmembran erstrecken. Diese Proteine transportieren die Botenstoffe im Regelfall in die Zelle zurück, um die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen zu beenden.

Bei Proteinen, die für den Transport von Serotonin zuständig sind, greifen Amphetamine auf interessante Weise in den biologischen Transportprozess ein, berichten die Projektleiter Harald Sitte und Michael Freissmuth vom Pharmakologischen Institut. "Auf Grund ihrer ähnlichen Struktur konkurrieren die Amphetamine mit Neurotransmittern um den Platz an den Transportproteinen. Paradoxerweise ist es aber nicht diese Konkurrenz, die für die Wirkung der Amphetamine verantwortlich ist, sondern ein anderes, bisher wenig verstandenes Phänomen. Die Amphetamine bewirken die Freisetzung von natürlichen Neurotransmittern, also eine Umkehr der Transportrichtung. Den Wiener Wissenschaftlern ist es nun gelungen, ein Modell dieser Vorgänge zu konzipieren. Dieses soll in Zukunft auch neue Ansatzpunkte in der Behandlung von psychischen Störungen wie Depression oder Angstzuständen bringen.

Zentraler Aspekt des Modells ist die Kooperation von zwei aneinander gebunden vorliegenden Serotonin-Transportern. Trotz Gleichartigkeit der Proteine, sind deren Transportrichtungen gegenläufig. Ein Umstand, dessen Ursache die Regulierung durch das zelluläre Enzym Proteinkinase C ist.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.fwf.ac.at

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