Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arktis ist die chemische Müllhalde der Erde

17.02.2005


WWF-Studie warnt vor unabsehbaren Folgen für Menschen und Tiere

... mehr zu:
»Arktis »Müllhalde

Die Arktis und die dort heimischen Tierarten sind in wachsendem Maße mit Chemikalien belastet, die niemals in dieser Region produziert oder benutzt worden sind, warnt der WWF in einer heute veröffentlichten Studie. Der Report stellt ferner fest, dass die Konzentration der chemischen Substanzen in der Arktis oft höher ist als in Vergleichsproben aus Ländern, in denen diese Chemikalien produziert werden.

Die englischsprachige Studie mit dem Titel: "Die Spitze des Eisberges: Chemische Vergiftung der Arktis" zeigt, dass Luft, Flüsse und Meeresströmungen sowie treibendes Eis und wandernde Tierarten die Chemi-kalien aus Industrie und Landwirtschaft von ihren weit entfernten Herstellungs- und Einsatzorten in die Polarregion tragen. Sobald die Schadstoffe in die Arktis gelangen, können sie z.B. im Polareis gespeichert werden. Während der Eisschmelze, mitunter Jahre später, gibt das Eis diese Fremdstoffe nach und nach an die Umgebung ab. Als Resultat sei die Arktis dabei, zur chemischen Müllhalde der Erde zu werden.


"Besonders beunruhigend ist die Erkenntnis der Studie, dass moderne Chemikalien an den Polen in hoher Konzentration auf solche Substanzen treffen, die bei uns bereits vor Jahrzehnten ausgemustert worden sind, so dass schädliche Kombinationseffekte eintreten können. Wenn die Eisbären nicht als Versuchskaninchen in einem großen chemischen Experiment herhalten sollen, müssen Politiker und Chemische Industrie sich jetzt für eine starke EU-Chemikalienreform REACH einsetzen", sagt Dr. Peter Prokosch, Geschäftsführer des WWF Deutschland und langjähriger ehemaliger Leiter des WWF- Arktisprogramms.

Aktuelle Untersuchungen an Eisbären in der norwegischen und kanadischen Arktis liefern Indizien dafür, dass ältere Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Organo-Chlor-Pestizide im Organismus der Tiere bereits in Dosierungen vorkommen, die ihr Hormon- und Immunsystem sowie ihre Fortpflanzung beeinträchtigen können. Viele der neueren Chemikalien, die nun die Arktis erreichen, sind zu ähnlichen Effekten in der Lage. Die möglichen Wechsel- und Kombinationswirkungen sind nicht erforscht.

Verschärft wird dieses Problem noch dadurch, dass viele arktische Tiere, wie beispielsweise Robben, Wale und Eisbären, sich mit einer dicken Fettschicht vor der Kälte schützen. Dieser "Winterspeck" ist das ideale Depot für fettlösliche Chemikalien, die sich hier zu sehr hohen Konzentrationen anreichern.

Die Studie zeigt weiterhin, dass chlorierte Paraffine, die beispielsweise in Farben, Klebstoffen, Leder und in der Gummiverarbeitung verwendet werden, in norwegischen Kegel- und Ringelrobben, in Beluga-Walen, Walrossen, Fischen, Vögeln und Meeressedimenten gefunden wurden. Bromierte Flammschutzmittel und Fluorchemikalien, von denen viele äußerst unzureichend gesetzlich geregelt sind, belasten bereits Eisbären, Wale, Polarfüchse, Robben, Schweinswale und Vögel von Grönland bis Schweden. Zu bromierten Flammschutzmitteln gibt es beispielsweise in der Computerindustrie heute schon gute Alternativen. Neben der Tier- und Pflanzenwelt würden diese vor allem den indigenen Völkern der Arktis nützen.

Kirsten Andrä | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Arktis Müllhalde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik