Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zeitungsverlage suchen nach zusätzlichen Erlösquellen - Bedeutung des Vertriebs wächst

24.01.2005


Viele deutsche Zeitungsverlage verpassen die Chance auf höhere Umsätze, weil sie zu wenig über die Vorlieben ihrer Leser wissen. So ist jeder dritte Verlag beim Kundenbeziehungs-Management (CRM) eigenen Angaben zufolge "schwach" aufgestellt und kennt meist nur die Adressen seiner Abonnenten. Mit Hilfe geeigneter CRM-Systeme ließen sich jedoch durch die Umsetzung neuer Produkte und Dienstleistungen Zusatzerlöse erzielen. Zudem zeichnet sich ab, dass über den Vertrieb künftig rund die Hälfte der Erlöse erzielt werden muss. Das hat die KPMG-Umfrage "Wachstumsfelder für den Zeitungsmarkt in Deutschland" ergeben, bei der sich die Führungskräfte aus 56 deutschen Zeitungsverlagen über Zukunftspotenziale ihrer Branche äußerten.


"Zeitungsverlage verfügen traditionell über eine eigene Zustellorganisation im jeweiligen Kernverbreitungsgebiet", weist Tammo Andersch, Leiter des Bereichs Corporate Restructuring bei KPMG, auf eine typische Branchenstärke hin. "Und so liegt es nahe, diese für zusätzliche Dienstleistungen einzusetzen. Vor allem vor dem Hintergrund des in drei Jahren wegfallenden Briefmonopols lockt ein hohes Wachstumspotenzial." Schon heute ist mehr als ein Drittel der Verlage (37 Prozent) in der Postzustellung aktiv. Fast jeder zweite (47 Prozent) kann sich sogar vorstellen, Arzneimittel zu vertreiben. Michael Weimar, Director im Bereich Corporate Restructuring bei KPMG: "Ein flächendeckendes Netz erfordert allerdings umfangreiche Kooperationen, die die Kleinteiligkeit der vielen lokalen und regionalen Zustellorganisationen berücksichtigen."

Produkte und Dienstleistungen: Kultur ja, Versicherungen nein


Wie die Umfrage ergab, bieten bereits 87 Prozent der Verlage Produkte und Dienstleistungen im Bereich Kultur an (Kunst, Bücher, Reisen). Dabei sind die Experten sich einig, dass die Preisgrenze für selbst vertriebene Bücher, CDs und DVDs bei fünf Euro liegt. Um den Umsatz anzukurbeln und die Leser-Blatt-Bindung zu stärken, bieten schon 60 Prozent der Zeitungsverlage Veranstaltungen an. Die Hälfte (49 Prozent) hat darüber hinaus Kurse oder Bildungsreisen für die Leser im Angebot, und ebenso viele können sich diese als zusätzliches Geschäftsfeld vorstellen.

Während sich 70 Prozent der Befragten vorstellen können, künftig auch Versorgungsdienstleistungen (Strom, Wasser, Telefon) zu vertreiben, kommt dagegen für rund zwei von drei Verlagen (62 Prozent) der Vertrieb von Versicherungen nicht in Frage. Hier befürchten vergleichsweise viele Verlage, dass dies den Ruf ihrer Marke gefährden könnte.

Tammo Andersch: "Die Diversifikation in neue Geschäftsfelder bei gleichzeitiger Veränderung bestehender Geschäftsmodelle stellt hohe Anforderungen an das Management, um sich nicht unkontrolliert von den Kernkompetenzen zu entfernen. Die Umfrage zeigt, dass sich die Verlage dieser Probleme bewusst sind. Denn als wichtigste Faktoren bei der Umsetzung neuer Strategien wurden eine gründliche Analyse der Erfolgspotenziale sowie eine starke Führung durch das Management gesehen."

Unerfahrenheit und hohe Investitionen bremsen Zusatzgeschäft

Als hemmende Faktoren für die Erschließung neuer Geschäftsfelder nannten 70 Prozent der Befragten Unerfahrenheit, 63 Prozent die Höhe der nötigen Investitionen. Jeweils etwas mehr als die Hälfte der Verlage gab an, es mangele an Personal (57 Prozent) beziehungsweise geeigneten Kooperationspartnern (54 Prozent), um neue Geschäftsfelder zu realisieren.

Anzeigenverkauf: Marktpotenzial für gemeinsame Angebote

Das größte Marktpotenzial für die Steigerung der Anzeigenumsätze sehen die Befragten in einem gemeinsamen überregionalen Anzeigenverkauf nach dem Prinzip "ein Auftrag, eine Rechnung". Dadurch werden die Wünsche der Anzeigenkunden stärker berücksichtigt, die nach effizienten, transparenten Lösungen suchen. Darüber hinaus zeichnet sich in der Umfrage ab, dass künftig etwa die Hälfte des Erlöses über den Vertrieb erzielt werden muss. Michael Weimar: "Dieses Ziel lässt sich langfristig nur mit Preiserhöhungen erreichen. Hierbei ist es aber notwendig, für den Leser eine spürbare Steigerung des Nutzwertes zu erzielen, um einen weiteren Rückgang bei den Abonnenten- und Einzelverkaufsauflagen zu vermeiden. Zeitungsverlage sollten sich dabei durch einen stärkeren Fokus auf Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen gegenüber Radio, Fernsehen und Internet abgrenzen."

Ein höheres Marktpotenzial als bei den Vertriebspreisen sehen die Verlage noch bei der Einführung von flexiblen Abo-Strukturen. Hierdurch könnten neue Abonnenten für ein Blatt gefunden werden, die heute noch eine tägliche Belieferung scheuen.

Marita Reuter | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Berichte zu: Erlösquelle Geschäftsfeld Marktpotenzial Zeitungsverlag

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte