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Russische Kinder leiden unter Raketenstarts

13.01.2005


Kinder, die in der Nähe des ältesten Weltraumbahnhofes, des Kosmodroms Baikonur, leben, leiden vielfach unter hormonellen Problemen und Bluterkrankungen. Laut einer von Nature zitierten Studie haben sich die Krankheitszahlen nahezu verdoppelt. Die Wissenschafter machen nicht verbranntes Hydrazin, das in den frühen Stadien des Starts freigesetzt wird, für die Gefährdung der Gesundheit verantwortlich. Die von sibirischen Wissenschaftern erstellte Studie wurde nicht veröffentlicht. Die russische Weltraumorganisation hat die Ergebnisse laut BBC zurückgewiesen.


Der Wissenschafter Sergey Zykov von Vector, dem Staatlichen Zentrum für Virologie und Biotechnologie, leitete das Team, das die Auswirkungen der Verschmutzung durch den Treibstoff auf 1.000 Kinder im Altaigebiet untersuchte. Kinder in den am stärksten betroffenen Gebieten benötigten zwischen 1998 und 2000 bis zu doppelt so häufig einen Arzt wie die 330 Kinder der unbelasteten Kontrollgruppe. Zykov erklärte gegenüber Nature, dass er diese Ergebnisse mit Vertretern von Rosaviakosmos diskutiert habe. Die Haltung gegenüber Studien, die nicht von der russischen Weltraumbehörde durchgeführt wurden, sei jedoch ablehnend. Fabio Caramelli von der Europäischen Weltraumorganisation ESA erklärte, dass Hydrazin gefährlich und giftig sei. Ein Esslöffel des Treibstoffes in einem Schwimmbecken würde jeden Menschen töten, der von diesem Wasser trinkt.

Vyacheslav Davidenko, ein Sprecher von Rosaviakosmos, erklärte gegenüber Nature, dass die Behörde die Gesundheit der lokalen Bevölkerung beobachte und keine Probleme in Zusammenhang mit den Starts feststellen konnte. Er gab zu, dass es zu einer Verschmutzung kommt. Die betroffenen Regionen würden jedoch entsprechend entschädigt. Erkrankungen seien eher auf den niedrigen Lebensstandard in diesem Gebiet zurückzuführen. Das Kosmodrom, das Russland von Kasachstan mietet, wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhundertes als Testgelände für Raketen gebaut. Heute gehört es zu den international größten Weltraumbahnhöfen. Derzeit ist es der Anlegeplatz für Missionen zur Internationalen Raumstation (ISS). 1961 schrieb Yuri Gagarin als erster Mensch, der die Erde umkreiste, von Baikonur aus Geschichte.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.federalspace.ru
http://www.esa.int

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