Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unsere innere Uhr steuert die Alkoholaufnahme

20.12.2004


In der Januarausgabe von Nature Medicine erscheint eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Funktion der inneren Uhr und der Alkoholaufnahme bei Mäusen und auch bei Menschen aufzeigt.



Rainer Spanagel (Abteilung Psychopharmakologie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim), Urs Albrecht ( Medizinische Klinik, Universität Fribourg, Schweiz) und ihre Mitarbeiter zeigen, dass erhöhte Glutamatspiegel zu einer stark veränderten neuronalen Kommunikation im Gehirn führen und als eine Konsequenz Tiere deutlich mehr Alkohol trinken. Diese Arbeit zeigt einen möglichen zukünftigen Weg auf, wie eine individuell adaptierte Therapie für Alkoholismus als Besispiel für eine maßgeschneiderte Pharmakotherapie zum Behandlungserfolg führen kann.



In der Januarausgabe von Nature Medicine erscheint eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Funktion der inneren Uhr und der Alkoholaufnahme bei Mäusen und auch bei Menschen aufzeigt. Mausmutanten, die ein defektes Gen (Per2) der inneren Uhr tragen, zeigen stark erhöhte Glutamatspiegel im Gehirn und eine erhöhte Alkoholaufnahme. Rainer Spanagel (Abteilung Psychopharmakologie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim), Urs Albrecht ( Medizinische Klinik, Universität Fribourg, Schweiz) und ihre Mitarbeiter zeigen, dass erhöhte Glutamatspiegel zu einer stark veränderten neuronalen Kommunikation im Gehirn führen und als eine Konsequenz Tiere deutlich mehr Alkohol trinken. Ferner zeigen die Autoren, dass sowohl erhöhte Glutamatspiegel als auch vermehrter Alkoholkonsum durch das Medikament Acamprosat, welches seit einigen Jahren in der Klinik zur Behandlung von Alkoholrückfall eingesetzt wird, normalisiert werden. Interessanterweise konnte auch beim Menschen gezeigt werden, dass bestimmte genetische Varianten des humanen Per2 Gens mit erhöhtem Alkoholkonsum assoziiert sind.

Diese Studie ist von großer klinischer Relevanz, da Per2 Gen-Modifikation und erhöhte Glutamatspiegel als Marker bei alkoholabhängigen Patienten eingesetzt werden könnten. Dies wäre besonders hilfreich bei Schichtarbeitern und Jetlag Probleme, bei denen erhöhter Alkoholkonsum und Missbrauch gehäuft vorkommen. Für eine verbesserte Therapie ist ferner das Ergebnis hilfreich, dass Tiere mit erhöhtem Glutamatspiegel besonders gut auf die Behandlung mit Acamprosat ansprechen. Dies lässt sich direkt auf den Menschen übertragen. So könnte in Zukunft mit spektroskopischen Verfahren erhöhte Glutamatspiegel bei Patienten erfasst werden und die "Pharmakoresponse" für Acamprosat wesentlich gesteigert werden. Diese individuell adaptierte Therapie für Alkoholismus stellt ein Paradebeispiel für die moderne Medizin dar und zeigt, dass in Zukunft die maßgeschneiderte Pharmakotherapie der Weg ist, der zum Behandlungserfolg führen kann.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Referat Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Marina Martini, 0621/1703-1302, martini@zi-mannheim.de

Dr. med Marina Martini | idw
Weitere Informationen:
http://www.zi-mannheim.de
http://www.nature.com/naturemedicine

Weitere Berichte zu: Acamprosat Alkoholaufnahme Alkoholkonsum Glutamatspiegel PER2

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie