Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unternehmen für Sicherheitsrisiken anfälliger

13.12.2004


Markenschutz und Absicherung der Lieferkette bringen Wettbewerbsvorteile


Schon eine einmalige Missachtung von Sicherheitsvorschriften in der Lieferkette eines Unternehmens kann zu enormen weltweiten Verlusten führen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von Deloitte. Sicherheit wird deshalb zunehmend zum Thema in den Vorstandsetagen. Der Einsatz von Sicherheitsstrategien bringt klar messbare Vorteile mit sich wie folgende Beispiele zeigen.

Beispielsweise können sich die Kosten bei Versand eines einzigen Containers bis zu 1 Milliarde US-Dollar belaufen, werden die Sicherheitsvorschriften nicht beachtet, so die Studie. Verluste, die Unternehmen weltweit durch Internet-Attacken erleiden, lagen 2003 bei 12,5 Milliarden Dollar. Ein einziger BSE-Fall kostete die kanadische Rindfleischindustrie 2002 insgesamt 2,5 Milliarden Dollar.


Laut der Studie Prospering in the Secure Economy von Deloitte müssen Unternehmer nicht mehr nur Anlagen und Mitarbeiter schützen, sondern das Gesamtgeschäft. Das gilt unabhängig von einer potenziellen Gefahr, die von einem plötzlichen Zinsanstieg über die massenhafte Verbreitung eines Computervirus bis zu terroristischen Anschlägen reichen kann. Derzeit entwickelt sich eine neue "Sicherheit in der Wirtschaft". Größere Gefahren, höheres Risikobewusstsein, Einhaltung gesetzlicher Sicherheitsbestimmungen und schnelleres Reagieren auf geänderte Bedingungen sind die Ursache.

"Während Regierungen weiterhin Maßnahmen treffen, um nationale Grenzen zu schützen und den Luftraum überwachen, ist für das Management globaler Konzerne der Schutz ihrer Lieferketten oberste Priorität. Daten und Marken und damit die gesamte Existenz müssen gesichert werden", erklärt Heino von Schuckmann, Leiter des europäischen Kompetenzzentrums für Homeland Security. "Unternehmen, die ihre Mitarbeiter, Kunden, Anteilseigner und die Gesellschaft nicht vor möglichen Gefahren schützen, werden mit neuen gesetzlichen Vorschriften konfrontiert, die Kosten nach sich ziehen. Nachdem sich das Bewusstsein der CEOs hinsichtlich einer sichereren Wirtschaft ändert, fragen sich diese nicht nur wie sie den Shareholder Value erhöhen können, sondern zunehmend: "Was könnte unserer Marke irreparablen Schaden zufügen?"

Vorteile einer sicheren Wirtschaft

Laut Deloitte Studie gibt es aufgrund globaler Verflechtungen mittlerweile viele Ansätze, die eine weltweite Lieferkette störanfällig machen. Unternehmen dürfen sich nicht allein auf die Einhaltung lokaler gesetzlicher Sicherheitsbestimmungen verlassen.

Die Studie zeigt, dass ein gesichertes wirtschaftliches Umfeld quantifizierbare Vorteile bringt:

  • Kostensenkung - Sicherheitsinvestitionen können die Lieferkette effizienter machen. Im Rahmen eines umfangreichen, von Privatwirtschaft und öffentlichen Stellen getragenen Projekts wurden beispielsweise Kostensenkungen zwischen 378 und 462 Dollar pro Versandcontainer erzielt.
  • Mehreinnahmen - Neue Technologien wie Funkidentifizierung (RFID) ermöglichen es, den Standort von Containern und Produkten an jedem Punkt der Lieferkette zu bestimmen und kostspieligen Überbestand zu vermeiden.
  • Besseres Risikomanagement - Proaktive Sicherheitsmaßnahmen tragen dazu bei, betriebliche und IT spezifische Ausfälle aufgrund von Sicherheitsvorfällen (dazu gehört auch der Verlust von Menschenleben) bereits im Vorfeld zu verhindern.
  • Markenschutz - Wer in Sicherheit investiert, schützt seine Marke gegen mögliche Gefahren wie zum Beispiel Produktsabotage.

Laut Deloitte ist die Sicherung der Wirtschaft aufgrund neuer Rahmenbedingungen notwendig:

  • Rascher Wandel - Das Weltwirtschaftsklima war in den letzten Jahren äußerst stürmisch.
  • Neue gesetzliche Bestimmungen - Unternehmen sehen sich weltweit mit einer Vielzahl neuer Vorschriften konfrontiert.
  • Erhöhtes Risiko und größere Unsicherheit - Unklar ist, welche Gefahren besonders ernst genommen werden müssen, welche Folgen bestimmte Attacken haben, wie die Märkte danach aussehen und unter welchen Bedingungen Entwarnung gegeben werden kann.
  • Komplexe und voneinander abhängige Risiken - Das "Extended Enterprise" mag durch eng verknüpften Lieferketten vorteilhaft sein. Die Zahl der Beteiligten und der Schnittstellen in Produktion und Vertrieb machen das Unternehmen allerdings gegen Sicherheitsrisiken anfälliger.
  • Globalisierung und 24/7-Berichterstattung - Die Globalisierung und die Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung der Medien lassen Unternehmen heute innerhalb von Minuten proaktiv agieren, um bei einem Sicherheitsvorfall Schaden von der Marke abzuwenden.

Schutz des Markenkapitals

"Das größte geschäftliche Risiko sehen Unternehmen in der Gefährdung ihrer Marken", erklärt Heino von Schuckmann. "Wenn Kunden das Vertrauen in einen Anbieter verlieren, kann das die Existenz des Unternehmens bedrohen. Der Vebraucher", so von Schuckmann, "misst ein Unternehmen daran, wie gut es die Krise nach einem Sicherheitsvorfall meistert. Weltweit operierende Firmen müssen sich durch verschiedene Maßnahmen gegen Sicherheitsrisiken schützen:

  • Unternehmensspezifische Gefahren bewerten und eingrenzen
  • Voraussetzungen für besseres Krisenmanagement schaffen
  • Einen unternehmensweiten Sicherheitsplan implementieren
  • Sicherheit an allen Stationen der Lieferkette gewährleisten
  • Den Unternehmenswert durch Investitionen in mehr Sicherheit maximieren"

Neue Konzepte zur Eindämmung von Risiken und Unsicherheiten

Jedes Unternehmen sollte seine größten Risiken kennen. Das ist wesentlich. Darüber hinaus herrscht häufig Unklarheit über weiteres Gefährdungspotenzial. Deloitte schlägt daher ein neues Konzept vor: Im Gegensatz zum herkömmlichen Risikomanagement, das zu oft die Reaktion auf ein bestimmtes betriebliches Risiko in den Vordergrund stellt (Beispiel: Gefahren für einen Tanker auf See), geht es darum, ein Portfolio möglicher Gefahrensituationen aufzubauen. Dazu müssen Unternehmen zunächst:

  • Risiken identifizieren Analyse aller möglichen Gefahrenquellen: technischer Fortschritt, Veränderung gesellschaftlicher Werte, nationale und geopolitische Maßnahmen, Aktionen einzelner Branchen oder Unternehmen.
  • Szenarien erarbeiten Identifizierung potenzieller Täter, Ablauf der Attacke und Auswirkungen auf das Unternehmen.
  • Strategien formulieren Festlegung von Maßnahmen zur Vermeidung des jeweiligen Risikos bzw. zur Bewältigung einer tatsächlichen Gefahrensituation.

Staatliche Eingriffe

Unternehmen müssten vom Staat größere Anreize bekommen, damit sie in Sicherheit investieren, so die Studie. Die in Deutschland von Wirtschaft und Politik ins Leben gerufene Initiative D21 fördert beispielsweise die Zusammenarbeit im Bereich IT Sicherheit. Wichtig sei es, gesetzliche Bestimmungen zu lockern, die für den internationalen Handel und privatwirtschaftliche Sicherheitsinitiativen hinderlich sind. Voraussetzung dafür sind offener Informationsaustausch und die Überwindung eines tief sitzenden Misstrauens auf beiden Seiten. Im Bereich Lebensmittelsicherheit wurden derartige Partnerschaften bereits erfolgreich gestartet, so zum Beispiel in Australien. Dort kann aufgrund eines Joint Venture aus Staat und Privatwirtschaft beispielsweise der Weg eines Tieres von der Geburt bis zum Schlachthof lückenlos verfolgt werden. Das dieses Thema auch für den deutschen Einzelhandel zunehmende Bedeutung hat, lässt sich der gemeinsamen Studie von Deloitte und der Lebensmittel Zeitung (Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main) entnehmen, die bei der Lebensmittel Zeitung bestellt werden kann.

Positiv ist in diesem Zusammenhang, dass internationale Verbände wie die Weltzollorganisation (WCO) versuchen, durch Entwicklung globaler Standards inkompatible, länderspezifische Sicherheitsbestimmungen zu entwirren. 2004 trat beispielsweise der International Ship and Port Security Code (ISPS) in Kraft, der Sicherheitsbestimmungen für alle Schiffe über 500 Tonnen auf internationalen Routen festlegt.

"Unternehmen haben jetzt Gelegenheit, die Einhaltung neuer Sicherheitsvorschriften wertschöpfend einzusetzen", so von Schuckmann. "Der Staat kann diese Entwicklung erleichtern, indem er Anreize bietet, in Sicherheit zu investieren. Er sollte dafür sorgen, dass multinationale Unternehmen nicht durch inkompatible nationale Sicherheitsbestimmungen unnötig behindert werden."

Deloitte Deutschland

Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance-Beratung. Mit mittlerweile 3.200 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen betreut Deloitte seit mehr als 90 Jahren Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus fast allen Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist Deloitte mit 120.000 Mitarbeitern in nahezu 150 Ländern auf der ganzen Welt vertreten.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte & Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche Tohmatsu erbracht. Copyright (c) 2004 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Antonia Wesnitzer | Deloitte & Touche
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten