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KPMG: "M&A-Geschäft zieht weltweit wieder an - aber Deutschland fällt weiter zurück"

13.12.2004


Die Trendwende auf dem M&A-Markt ist, zumindest global gesehen, endlich da: Nach Jahren rückläufiger Transaktionsvolumina und -zahlen war im zweiten Halbjahr 2004 eine deutliche Belebung des weltweiten Marktes für M&A-Transaktionen zu beobachten.


Das Volumen globaler Unternehmenstransaktionen betrug in den ersten elf Monaten des Jahres 2004 rund 1.536 Milliarden US$, was einer Steigerung von über 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Die Anzahl der weltweiten M&A-Transaktionen erhöhte sich im selben Zeitraum um rund zehn Prozent (von 16.808 auf 18.481). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Bereichs Corporate Finance von KPMG, die auf Daten des Marktforschungsunternehmens Dealogic beruht.*

In der zweiten Jahreshälfte konnten mehrere, bereits zu Anfang des Jahres angekündigte Großtransaktionen abgeschlossen werden, z.B. die Übernahme von Aventis durch Sanofi-Synthelabo (67 Mrd. US$), der Kauf der Bank One Corporation durch JP Morgan Chase (57 Mrd. US$) und die Übernahme der Fleet Boston Financial Corporation durch die Bank of America (48 Mrd. US$). Von dieser Entwicklung profitierte vor allem das Marktsegment der Mega-Deals. Im Jahr 2004 wurden 25 Prozent mehr Transaktionen mit einem Wert von über eine Milliarde US$ abgeschlossen als 2003. Der Wertzuwachs in diesem Segment belief sich im Vergleich zum Vorjahr auf über 51 Prozent, wobei ein Großteil dieser Mega-Transaktionen in den USA stattfand. Während die zweite Jahreshälfte durch einen deutlichen Anstieg der Transaktionsvolumina im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geprägt war, sank die Zahl der durchgeführten Transaktionen um 16 Prozent auf 8.060. Damit sind die durchschnittlichen Transaktionsgrößen deutlich angestiegen.


Thomas Ehren, Managing Partner des Bereichs Corporate Finance bei KPMG in Deutschland: "Das weltweite M&A-Geschäft zieht wieder an, die erhoffte Trendwende ist endlich da. Viele der Anfang des Jahres angekündigten Mega-Deals konnten zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Die weltweite Entwicklung des M&A-Marktes ist jedoch momentan nicht nur durch eine Rückkehr der Mega-Deals, sondern auch durch eine erste Erholung des Mid Market-Segments gekennzeichnet."

Deutschland fällt weiter zurück

In Deutschland dagegen konnten die Transaktionswerte - allem Optimismus am Jahresbeginn zum Trotz - nicht einmal mit dem ohnehin niedrigen Vorjahresniveau mithalten: Während in den ersten elf Monaten des Vorjahres 1.115 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 85 Milliarden US$ durchgeführt wurden, generierten die 1.117 Transaktionen dieses Jahres nur 77 Milliarden US$ (minus neun Prozent). Thomas Ehren: "Obwohl das Jahr noch nicht abgeschlossen ist, zeigt sich vor allem im zweiten Halbjahr 2004 ein deutlicher Einbruch am deutschen Markt für Unternehmenstransaktionen. Das ist eine bittere Enttäuschung, denn ein inaktiver M&A-Markt führt dazu, dass viele Unternehmen geplante strategische Neuausrichtungen durch Kauf und Verkauf verschieben müssen und notwendige Restrukturierungen nicht durchführen können."

Private Equity-Häuser weiterhin aktive Marktakteure

Die bereits in der ersten Hälfte des Jahres konstatierte Dominanz der Private Equity-Gesellschaften sowohl im deutschen als auch im weltweiten M&A-Markt hat sich im zweiten Halbjahr 2004 fortgesetzt. Weltweit wurden 2004 bislang sieben Prozent aller M&A-Transaktionen von Private Equity-Häusern durchgeführt, die dabei rund elf Prozent des globalen Transaktionsvolumens generierten. In Deutschland liegt der Anteil von Private Equity-Transaktionen nach Einschätzung von KPMG deutlich höher. Beobachtungen des deutschen Marktes weisen darauf hin, dass im vergangenen Jahr bis zu 30 Prozent der mittleren und großen Transaktionen von Private-Equity Häusern durchgeführt wurden.

Thomas Ehren: "Private Equity-Investoren zählten in Deutschland in diesem Jahr zu den dynamischsten Akteuren im M&A-Markt. Dieser Trend wird sich im nächsten Jahr fortsetzen. Da das Börsenumfeld nach wie vor schwierig ist und strategische Käufer weiterhin Zurückhaltung üben, erwarten wir insbesondere eine weitere Zunahme von Secondary-Buyouts, also Verkäufen von Unternehmen(steilen) von einem Finanzinvestor an einen anderen Finanzinvestor."

Gegen den Trend: Verluste bei Finanzdienstleistungen und Chemie & Pharma in Deutschland

In Westeuropa gehören die Bereiche Finanzdienstleistungen und Chemie & Pharma im zweiten Halbjahr 2004 mit Transaktionsvolumina von 75 Milliarden US$ (plus 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) und 81 Milliarden US$ (plus 331 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) zu den wachstums- und transaktionsstärksten Branchen. In Deutschland dagegen müssen sie deutliche Rückgänge der Transaktionswerte (Finanzdienstleistungen: minus 70 Prozent auf 3,3 Milliarden US$ und Chemie & Pharma minus 46 Prozent auf 3,4 Milliarden US$) hinnehmen. Die meisten anderen deutschen Branchen weisen ebenfalls mehr oder weniger rückläufige Transaktionswerte und -zahlen auf. Einzige Ausnahme ist der Bereich Health Care, der mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden US$ im zweiten Halbjahr 2004 eine Steigerung von über 4000 Prozent erreichte, was vor allem durch die Großakquisition von Roche OTC durch die Bayer AG erklärt werden kann.

Fazit und Ausblick

Thomas Ehren: "Während sich der M&A-Markt weltweit und auch im europäischen Ausland deutlich erholt hat, hinkt Deutschland hinterher. Stockende Reformbemühungen, eine schleppende Binnennachfrage und der hohe Dollarkurs, der die Aussichten der stark exportabhängigen deutschen Unternehmen weiter gefährdet, resultieren hierzulande in erhöhter Unsicherheit von Käufern und Verkäufern, was weiterhin zu starker Kaufzurückhaltung führt und sich besonders in dem starken Rückgang innerdeutscher Transaktionen bemerkbar macht. Sollten steigende Zahlen im Einzelhandel und zuversichtlichere Konjunkturprognosen der Wirtschaftsinstitute zum Jahresende jedoch eine wirtschaftlichen Erholung andeuten, lässt das auf eine Aufgabe der Kaufzurückhaltung und ein Anschließen des deutschen M&A-Marktes an seine ausländischen Pendants hoffen."

* Die halbjährliche Analyse auf Basis des britischen Marktforschungsunternehmens Dealogic beinhaltet nur abgeschlossene Transaktionen, um eine Darstellung der tatsächlichen Zahlungsströme im Zusammenhang mit Unternehmenstransaktionen zu liefern. Die Zahlen für das zweite Halbjahr 2004 schließen alle Transaktionen bis November 2004 ein.

Marita Reuter | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

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