Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DGCH: Deutschland steht Chirurgenmangel bevor

07.12.2004


Für 2008 ist ein zahlenmäßiger Rückgang an chirurgischen Fachärzten in Deutschland vorprogrammiert. "Schreitet die derzeitige Entwicklung voran, kommt es in der Chirurgie zu einem Personalmangel, der sich auf den Klinikbetrieb auswirkt und schließlich auch merklich die Patienten treffen wird", warnt Professor Dr. med. Matthias Rothmund, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie(DGCH), Marburg.



Ursache des Ärzteschwundes im Fach Chirurgie ist vor allem, dass es an Nachwuchs fehlt: Immer weniger Studenten und junge Ärzte schlagen diese Laufbahn ein. Der Wunsch nach einem "kontrollierbaren Lebensstil" und mehr Lebensqualität steht im Widerspruch zum Klinikalltag: "Angehende Mediziner streben vermehrt Spezialisierungen an, die geregeltere Arbeitszeiten und besser planbare Zeit erlauben", erläutert Professor Rothmund im Vorfeld einer Presseveranstaltung der DGCH in Berlin. Deshalb haben Fächer wie Dermatologie, Augenheilkunde oder auch Anästhesie Zulauf.

... mehr zu:
»Chirurgie »DGCH


Der Rückgang an Fachärzten der Chirurgie lässt sich international beobachten. In Deutschland tritt diese Entwicklung jedoch verstärkt auf. Seit 1991 ist der Anteil junger Ärzte hier um 40 Prozent gesunken. Aufgrund der aktuellen Altersstruktur gehen zurzeit viele Chirurgen in den Ruhestand. Neben dem hohen Verwaltungsaufwand gilt speziell für die Chirurgie: lange Ausbildungszeiten, sinkende Vergütung und eine hohe Zahl an nicht auszugleichenden Überstunden. Außerdem gilt die Chirurgie als traditionelle Männerdomäne. Der steigende Anteil an Medizinstudentinnen spielt deshalb ebenfalls ein Rolle: Meiden die Absolventinnen das Fach weiterhin, hat die Chirurgie zukünftig noch weniger Zulauf.

Lösungsansätze sieht die DGCH unter anderem in alternativen Arbeitszeitmodellen. Jedem im Krankenhaus tätigen Arzt sei klar, dass er länger arbeiten muss als 38,5 Stunden, um den oft schwerkranken Patienten eine gute Behandlung zukommen zu lassen. Doch "zusätzliche Arbeitszeit wird zurzeit nicht bezahlt und sogar kriminalisiert", kritisiert Professor Rothmund. Krankenhausverwaltungen würden den Ärzten mitunter vorwerfen, dass sie illegal und ohne Versicherungsschutz arbeiten. Zudem müssten Ärzte von arztfremden Aufgaben wie etwa Verschlüsseln und Abrechnen entlastet werden. Ein weiteres Anliegen der DGCH ist es außerdem, dass Fach für Frauen attraktiver zu machen.

Diese Entwicklungen könnten zukünftig zu deutlichen Einschnitten im Gesundheitswesen führen: Verminderte Qualität der Behandlung, Wartelisten für bestimmte Operationen und chirurgische Unterversorgung der Patienten sind die Folge. Noch ist die Chirurgie in Deutschland personell und auch qualitativ gesichert. Doch "wenn hier nicht gegengesteuert wird, werden wir unter dem Ärztemangel spürbar zu leiden haben", warnt Professor Rothmund.

Anne-Katrin Döbler | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de

Weitere Berichte zu: Chirurgie DGCH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie