Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jede siebte deutsche Klinik vor dem Aus

11.11.2004


Patienten in Deutschland sind künftig möglicherweise länger unterwegs in das nächste Krankenhaus. Der Grund: Mehr als 330 Kliniken werden in den nächsten zehn Jahren ihre Pforten schließen oder von der Konkurrenz aufgekauft.



Betroffen ist jede siebte Klinik. Die Häuser sind nicht genügend ausgelastet, während ihnen die Kosten für medizinisches Gerät und Personal über den Kopf wachsen. 1,2 Milliarden Euro fehlen den Krankenhäusern allein für das laufende Jahr. Drastische Sparmaßnahmen, beispielsweise Bettenabbau und Reduzierung der Personaldecke, sind die Folge. Notwendige Investitionen bleiben auf der Strecke. Das ist das Ergebnis des aktuellen „Branchenkompasses 2004 Gesundheitswesen“, für den Mummert Consulting zusammen mit dem F.A.Z.-Institut 100 Top-Entscheider aus dem Gesundheitswesen befragte.



Besonders betroffen von den Schließungen sind kleine Kliniken mit weniger als 200 Betten sowie Häuser, deren Kapitaldecke sehr dünn ist. Das trifft in erster Linie auf öffentliche Krankenhäuser zu. Manch ein Krankenhausbetreiber sucht deshalb Geld auf dem Kapitalmarkt. Doch nicht jede Kommune will privatisieren. Manche versucht stattdessen, durch eigene Sparprogramme ihre maroden Häuser wieder flottzumachen. Private Krankenhausbetreiber hingegen profitieren von der Misere der öffentlichen Kliniken. Sie rechnen sich gute Wachstumschancen aus, indem sie wirtschaftlich angeschlagene Häuser aufkaufen.

Die meisten Kliniken haben damit begonnen, ihre Betten besser auszulasten, um ihre Kosten zu senken. Die Dauer eines Krankenhausaufenthaltes ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Ein Patient in Deutschland verbrachte 1999 durchschnittlich noch mehr als zehn Tage im Krankenhaus. 2003 waren es weniger als acht. Allerdings dauert die stationäre Behandlung heute immer noch fast doppelt so lange wie in anderen europäischen Ländern. Immer häufiger gehen Kliniken deshalb dazu über, Operationen ambulant durchzuführen. Viele Betten können somit gespart werden. Im Vergleich zu 1990 stehen heute 20 Prozent weniger Betten auf den Stationen.

Die Wirtschaftlichkeitspotenziale der Krankhäuser sind in vielen Bereichen vorhanden. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Verpflegung: Erst rund 20 Prozent der Kliniken haben ihre Küchen an externe Dienstleister ausgelagert. Für fast 80 Prozent der Klinik-Entscheider ist die Krankenhauslogistik ein Kandidat für Outsourcing. Ebenfalls zu teuer ist der Einkauf: Schätzungsweise drei Milliarden Euro zu viel geben die Hospitäler bei der Beschaffung aus. Allein durch den Einsatz von E-Procurement, also die Nutzung des Internets für die Beschaffung, ließen sich die Krankenkassenbeiträge um 0,4 Prozent senken, fanden Experten heraus. Bisher wickeln aber nur zehn Prozent der Krankenhäuser ihre Bestellungen über E-Procurement-Systeme ab.

Für den „Branchenkompass 2004 Gesundheitswesen“ befragten Mummert Consulting und das F.A.Z.-Institut im Mai 2004 100 Top-Entscheider aus 35 deutschen und 15 österreichischen Krankenhäusern sowie 50 deutsche Krankenkassen und -versicherungen über ihre Investitionsziele und ihre Marktpolitik bis 2006.

Joerg Forthmann | Mummert Consulting
Weitere Informationen:
http://www.mummert.de

Weitere Berichte zu: Gesundheitswesen Krankenhausbetreiber

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften